Tik Tok: Die Post Facebook-Ära?

Ist Facebook das nächste MySpace? Zumindest mit Blick auf die Zahlen in Europa deutet sich eine Trendwende an. In den jüngst veröffentlichten Quartalszahlen beeindruckte der Konzern zwar mit einem 33%-tigen Umsatzplus auf 13,7 Milliarden Dollar, konnte aber in Europa überhaupt kein Nutzerwachstum generieren , sondern hat sogar 1 Millionen Nutzer verloren und zwar auf täglicher- als auch auf monatlicher Basis.

Wer Kinder im Teenageralter hat weiß, dass es das soziale Netzwerk Facebook in Zukunft schwer haben wird. Zum einen wächst die Bedeutung des hauseigenen Fotodienstes Instagram rasant (Quelle: futurebiz). Mittlerweile dürfte die Reichweite bei 20 Mio.

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Nutzern in Deutschland liegen (MAU=monthly active users). Und dann ist da dieses Tik Tok? Die Plattform versteht sich als Social Network mit Schwerpunkt Musik (v.a. Lippen-synchronisation von populären Songs) und Tanz. Nach eigenen Angaben „..designed for the next generation of creators.“

Da die Social Media Welt so schnelllebig ist möchte ich eine weitere Trendwende in den Fokus nehmen, die vielleicht einige nicht ganz so auf dem Schirm haben: „Rising China“.

Tik Tok hat im September zum ersten Mal Facebook, Instagram, YouTube und Snapchat in monatlichen Installationen überholt hat – in den USA. Das ist insofern erwähnenswert, da es sich bei Tik Tok um eine Video Sharing App mit chinesischen Eigentümer handelt. Die Firma Bytedance hat 2017 Tik Tok und musical.ly „gemerched“, um den US-Markt zu erobern, scheinbar mit Erfolg. Tik Tok war schon im Q1/2018 die Nummer 1 der Non-Gaming Apps im Apple Store, Zielgruppe sind ausschließlich an Teens und Twens. Zum Vergleich: Tik Tok hatte im Juli 2018 500 MAUs und ist damit (noch) etwa halb so groß wie Instagram. Beide sind wie auch Snapchat als Mobile First Produkte entwickelt worden.

Spannend ist Tik Tok vielleicht für Religionspädagogen. Offensichtlich lieben Teens und Twens (immer noch) Musik, Tanzen und die Selbstinszenierung. Ich habe selbst keine Töchter, habe aber gehört, dass sich v.a. die Nutzerinnen ziemlich aufbrezeln auf der Suche nach Likes und um wahrgenommen und gemocht zu werden. Unternehmen wie Beiersdorf haben bereits Kampagnen für 8×4 getestet. „Money follows eyeballs“ heisst es bei uns in der Kommunikationsbranche. Kirche follows …? Datenschutz? Schwierig, den Satz auf Kirchens zu übertragen, oder?

Ein Wort zu Bytedance, der Firma hinter Tik Tok: Bytemod Pte Ltd., so der offizielle Name, ist ein chinesisches Unternehmen für Internettechnologie, das mehrere auf maschinellem Lernen basierende Content-Plattformen betreibt. Das Kernprodukt von ByteDance, Jinri Toutiao, ist eine beliebte Content-Plattform in China. Bytedance nutzt auch für Tik Tok künstliche Intelligenz, um Inhalte basierend auf dem Interesse der Nutzer in Echtzeit zu verbreiten.

Und gut zu wissen: 4% der Unicorns außerhalb der USA kommen aus Deutschland, 52% aus China. Just saying. Wer mehr Interesse an globalen Entwicklungen und insbesondere dem aufstrebenden China hat, dies ist ein sehr lesenswerter Artikel auf gruenderszene.de zum Thema Start-Ups go East!

Autor Olaf Rotax (arbeitet im globalen Accenture-Netzwerk) gibt 8 Tipps, was Deutsche von den Start-Ups in Fernost lernen können – hier die Kurzfassung.

  1. Chinesische Schnelligkeit
  2. Iterative Prozesse als Erfolgsgeheimnis
  3. Förderungsmöglichkeiten sind der Treiber
  4. Der User steht im Mittelpunkt
  5. Innovative Technologien sind der Schlüssel
  6. Fehlendes Know-How muss kein Hindernis sein
  7. Integration digitaler und physischer Komponenten in Ökosysteme
  8. Open Source als Innovationstreiber

Während hierzulande noch die Offenlegung der Algorithmen und Zerschlagung der GAFA-Plattformen gefordert wird nutzen einige unser Töchter und Söhne vielleicht schon ein Jahr eine App, die nach den Privacy Regeln der Chinesen funktioniert. Das führt mich zu der Frage des Datenschutzes – werden Nutzer außerhalb von China schon im Social Scoring erfasst? I don’t know… Es gilt einmal mehr: User Experience schlägt Datenschutz. Datenschutz ist sicher wichtig, darf aber kein Selbstzweck sein. Die Balance zu finden, das ist die Kunst.

Noch nicht mit dem Überwachungssystem der Chinesen vertraut? Dann empfehle ich den Artikel „Big Brother takes giant steps in China“ als Einstiegslektüre.

Wenn wir nicht anfangen unseren Blick viel stärker nach Osten zu wenden und wir uns in Deutschland weiter auf dem Erfolg der letzten Jahrzehnte ausruhen wird es schwer. Das Gute sollten wir übernehmen und gegen die Überwachung Stimmung machen. Meiner Meinung nach besteht in beiden Richtungen – Innovation und Big Brother – Handlungsbedarf, den unsere Politik noch nicht erfasst hat.

 

Keine Digitalisierung ohne eine digitale Kultur

Digitalisierung bedeutet nicht die Soft- und Hardware zu erneuern, einen Segensroboter auf Events zu präsentieren, Symposien zum Thema durchzuführen und auf den sozialen Netzwerken zu posten. Führungskräfte müssen die digitale Transformation als den grundlegenden, strategischen Paradigmenwechsel anerkennen, der sie darstellt. Wie jede große Transformation erfordert auch eine digitale Transformation die Vermittlung einer Kultur, die den Wandel unterstützt und gleichzeitig die übergreifende Strategie der Organisation ermöglicht.

Die Einbettung einer digitalen Kultur in eine Organisation ist möglich, erfordert aber eine klare Methodik und einen disziplinierten Aufwand. Warum die Vermittlung einer digitalen Kultur wichtig ist hat die Boston Consulting Group (BCG) für Unternehmen formuliert (1):

  • Ignorieren der Kultur kann zum Scheitern der Transformation führen
  • Eine digitale Kultur ermöglicht es den Menschen, schneller Ergebnisse zu erzielen.
  • Eine digitale Kultur zieht Talente an.

Die 5 Kernelemente einer digitalen Kultur sieht BCG hierin:

  1. Es fördert eine externe und nicht eine interne Orientierung.
  2. Delegation vor Kontrolle.
  3. Es fördert Mut stärker als Vorsicht.
  4. Es betont Maßnahmen stärker und weniger die Planung.
  5. Sie schätzt die Zusammenarbeit mehr als den individuellen Aufwand.

Ich habe die Digitalisierungsbemühungen im „kirchlichen Raum“ ein Jahr aus der Distanz und manchmal auch aus der Nähe verfolgt und sehe im Kulturwandel nach wie vor den größten Wachstumsbereich. In allen 5 oben aufgeführten Punkten sehe ich großen Handlungsbedarf.

Joachim Stängle hat einen interessanten, differenzierten Artikel zum Thema Digitalisierung der Volkskirchen als (letzte) Chance geschrieben. Allerdings ist die von ihm beschriebene Kundenorientierung nicht der Schlüssel, sondern Fokussierung auf Kunden/Mitglieder nur der Ausdruck einer Organisationskultur: Culture eats strategy for breakfast! Neu denken lernen, das trifft den Kern der Herausforderung besser. Transformation ohne Kulturwandel wird scheitern.

Ob und wie die Digitale Revolution gelingt ist völlig offen. Wo ich in den letzten 12 Monaten gute Ansätze bzw. gute Beispiele gefunden habe:

  • Die kleine, aber umtriebige Community #DigitaleKirche auf Twitter zeigt viel Mut und hat viele Ideen
  • In verschiedenen BarCamps wird Kollaboration und Vernetzung betrieben
  • In Liveübertragungen in den sozialen Netzwerken wird Interaktion und Participation geprobt – siehe aktuelles Beispiel der Hauptkirche St. Nikolai – Hamburg
  • Die Church of England hat den Kulturwandel erfolgreich eingeläutet, das findet Ausdruck zum Beispiel im Churchfinder
  • Shifthappens
  • Die Bewegung GottDigital
  • Das Bibel-Projekt
  • Christlicher Poetry Slam

(1): It’s Not a Digital Transformation Without a Digital Culture

Jana-Bashing im YouTube-Livestream

Es ist der 30. Oktober 2018 und kurz nach 19 Uhr. Seit einem Jahr blogge ich über Digitale Reformation / Kommunikation. Das ist der Grund, warum ich mich in den Livestream der Ev.-Luth. Kirchengemeinde in St. Jürgen klicke und versuche dem Redner zu folgen. Der Ton ist bisher nicht optimal ausgesteuert, was mich zu dem Gedanken verleitet, dass die Kirche im Digitalen Raum – ein Begriff, den ich in den vergangenen 12 Monaten lernen durfte – immer noch zu leise auftritt. Später wird der Ton besser und ich lausche Herrn Heilig, seinerseits Studienleiter der Ev. Akademie der Nordkirche.ist, der Videos und die Glaubwürdigkeit von Jana auseinanderpflückt. Es ist zwar offiziell ein Kanal der EKD, aber die meisten TheologInnen und hauptamtlichen der Kirchengemeinden stehen nicht dahinter. Viele mit denen ich persönlich gesprochen habe wünschten sich eine(n) Theologen/in als Influencer. Jürgen Heilig ist auch einer von diesen und mutmaßt gerade, dass Jana teilweise keine eigenen Texte vorträgt und spielt ein Video von Jana ein, die einem Ohrring nachtrauert.

Vor einem Jahr hatte ich in meinem ersten Post geschrieben, dass ich mir Sorgen um die Kirchen mache, weil sie Digital kaum stattfinden. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Angesichts der Frage einer entkirchlichten jungen Generation kann ich den Wunsch nach einem theologischen Influencer anstelle von Jana nur schwer deuten. Wie zäh der ganze Angang insgesamt ist wird klar, wenn man hinter die Kulissen blickt: Jana, die dem freikirchlichen Umfeld zugeordnet wird, wurde von einer YouTube-Agentur namens Mediakraft gecastet und wird von der EKD für ihre Videos bezahlt, siehe Kommentar vom 30. März.

Zurück zum Livestream: Jürgen Heilig versucht gar erst mit seiner Meinung nicht hinterm Berg zu halten und zitiert neben der Süddeutschen und Vice.com auch ein Video-Kommentar, der das Kunstwort „Verdummbibelung“ enthält. Es ist ihm einfach zu inszeniert, zu viel Marketing und zu wenig Soziales. An der Zielgruppe vorbei und zu wenig Leichtigkeit, zu angestrengt locker und überhaupt die Themen? Ich bin offenbar einer der wenigen Fans vom Projekt Jana, der Studienleiter findet scheinbar endlos Argumente (als Fragen getarnt) – Zweifel an der Strategie legt er noch oben drauf -, warum Janas Kanal ein Flop ist. Herr Heilig entlässt uns mit diesem Gegenteil von best practice in den nächsten Vortrag ohne ein einziges Wort zu sagen, wie man es besser machen kann. Wie erreicht die Kirchengemeinde St. Jürgen / die Nordkirche die 14-19-Jährigen oder ist die Entkirchlichung der Jugend bereits im Norden angekommen?

Ingo Dachwitz, Autor bei Netzpolitik und bekennender Gegner der Netzökonomie startet nach einer handwerklichen Einordnung mit einer persönlichen Einschätzung und findet Janas Videos – und schließt Herrn Heilig in einem Nebensatz mitein – hochgradig langweilig. Er saß offenbar nicht im YouTube-Projektteam der EKD. Fällt er hier als ehemaliger Jugenddelegierter der EKD-Synode seinen „Genossen“ von der GEP / AEJ gerade ein Stück weit in den Rücken frage ich mich? Kann ja jeder selbst nachschauen (ab Minute 60) und beurteilen.

Weiter im Stream: Christliche Inhalte und Identifikationsfiguren kommen seiner Meinung nach zwar auf YouTube nicht vor, aber Jana passt ihm auch nicht. Zum ersten Punkt: agree – und zum zweiten: Jana wird sich angesichts der kritischen Töne wohl auch bald wieder ihrem Poetry-Kanal widmen und einen Studentenjob suchen fürchte ich. Dann beginnt die EKD zumindest auf YouTube wieder nahe bei Null, richtig?

Nun muss ich schmunzeln: Ingo Dachwitz betritt „mein“ Terrain und bezeichnet MrWissen2Go als „einen der wenigen ernsthaften YouTuber“, er hat ihn auf einer kirchlichen Veranstaltung getroffen. Ist das nun Unwissen oder Überheblichkeit? Dreht man die Aussage um gibt es viele nicht ernsthafte YouTuber, korrekt? Dünnes Eis, auch wenn mir selbst nicht alles auf YouTube gefällt. Aber 2 Mrd. Menschen, so viele loggen sich bei YouTube jeden Monat ein, legen scheinbar weniger Wert auf Ernsthaftigkeit – klingt irgendwie elitär finde ich.

Zudem er urteilt hier über Menschen, die er selbst nie getroffen hat – ich aber einige schon. Creator, die mit viel Leidenschaft und teilweise großem künstlerischen und redaktionellem Anspruch ihren Traum leben, z.B.:

On top kommt natürlich, dass sich Herr Dachwitz über uns Zuschauer erhebt, die wir uns mit nicht ernsthaftem Content abgeben. Danke, das saß!

Wenn schon die jüngeren Referenten sich so abweisend über das Angebot aus dem eigenen Stall äußern („vorgaukeln“, „click-bait“, „Pseudo-Authentizität“) ohne einen einzigen Satz über mögliche Alternativen zu verlieren zeigt das die große Zerrissenheit und Verzweiflung innerhalb der Kirche(n). Zu viel Konjunktiv, zu wenig konstruktiv. Unter „Das späte Interesse der Kirche an den Chancen digitaler Kommunikation“, so der Untertitel des Livestreams, das hatte ich mir anders vorgestellt als Jana-Bashing und rückwärtsgewandter Alt-Herren-Talk, wie Olaf Ton wahrscheinlich gesagt hätte. Ich verabschiede mich als jemand, der einen eigenen YouTube-Kanal hat und weiß, wie schwer es ist, relevanten Content zu produzieren.

Ich kann nur hoffen, dass keine Teenies und Jugendlichen diesen nahezu empathiefreien Teil des Livestreams zu sehen bekommen oder schlimmer noch – im Publikum saßen.

Die ersten 3 Posts unter Janas letztem Video unterstreichen nochmal wie egozentrisch, einseitig oder unwissend die beiden Referenten unterwegs waren.

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Digital is everything. Everything is digital. Nicht!

Eine Selbstreflektion: so banal und so wichtig.

Journey

Es ist ja immer sehr hilfreich, wenn man die Perspektive wechselt*. Und so habe ich eine wichtige Lektion gelernt, als ich in Dublin einen unbekannten Gottesdienst besucht habe. Über die erste Lektion blogge ich bestimmt später nochmal: Die Gemeinden, die Neulinge mit 3 oder mehr Handschlägen vor dem Gottesdienst begrüßen, wachsen überdurchschnittlich stark. Die zweite Lektion ist für einen Digitalen Nerd nicht leicht zu verdauen: Digitale Kirche*“ ist nur ein kleines Mosaiksteinchen von einem Gesamterlebnis. Ich bin mir bewusst, dass ich natürlich nur einen kleinen Ausschnitt betrachte. Der hat Gültigkeit für die, die neu in eine Stadt ziehen oder wie wir, ein paar Tage Urlaub machen und Sonntag einen Gottesdienst besuchen möchten. Wahrscheinlich ist unsere Erfahrung eine, die man in vielen Großstädten und weniger auf dem Land macht.

* McKinsey Quartely (Jan 2015): What really matters                                                                                                                                              **Digitale Kirche verwende ich hier im Sinne von digitaler Kommunikation – was nur ein kleiner Teilbereich ist, ja.

1. Sichtbarkeit ist die Eintrittskarte

„Heute könne Technologie dafür sorgen, dass Menschen online Wegweiser zu kirchlichen Angeboten finden.“ sagt Jonas Bedford-Strohm im Kontext von Sichtbarkeit und Kirche. Und tatsächlich, genau so war’s! Die Geschichte beginnt an einem Sonntagmorgen Ende Juli…

Spontan entscheiden wir, heute in die Allnations Kirche in Dublin zu gehen. Der Gottesdienst fängt um 11 Uhr an, das erhöht die Chance unseren 19-jährigen Sohn dabei zu haben. Hauptgrund ist aber, dass meine Frau ein Dutzend Kirchen in Dublin gegoogelt hat und die Website der allnations.ie am spannendsten, am modernsten fand. Das der Gottesdienst in der Nationalen Boxing Arena stattfindet ist das Sahnehäuptchen.

2. Das Erlebnis steht im Mittelpunkt

Die Boxarena ist gut zu finden, wir sind trotzdem wenige Minuten zu spät. Am Eingang werden wir freundlich begrüßt und in die Arena geleitet – 3x Handeschütteln, bevor wir auf den ausklappbaren, roten Plastikstühlen Platz nehmen. Die Band gefällt mir auf Anhieb sehr gut und sie wird sich noch steigern.

Pastorin Joanna begrüsst die Gäste und erklärt uns die Bedeutung von Ecclesia (die Herausgerufenen).

It,s not a building, not a denomination, but a group of called out people.

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Natürlich gibt es die Gelegenheit, seine Nachbarn kennen zu lernen (+ 2x Händeschütteln) Und ich bin mir noch sicherer, dass es eine Korrelation zwischen Willkommenskultur/Händeschütteln und Gemeindewachstum gibt. Hat das schon mal jemand untersucht??

Wer zum ersten Mal hier ist wird gerade von der Bühne gefragt – ein Zustand, den ich und viele andere als schwierig empfinden. Aber wir schauen uns als Familie kurz an und geben uns einen Ruck. Unsere Handzeichen haben undramatische Folgen – im Gegenteil. Wir bekommen das Willkommenspaket der Allnations mit Kontaktkarte. Auf dieser Tüte offenbart sich, dass analoge und digitale Welt eins sind. Weil ich nur ein Mensch bin, der sich mal da und mal dort bewegt. Wahlweise kann man den Kontakt per Email oder Handy suchen, wenn man das möchte.

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Die Allnations schafft es einladend, aber nicht aufdringlich aufzutreten. Kompliment, sie finden hier das gesunde Mittelmaß, das gelingt nicht vielen.

Anyway, heute haben die Kinder einen ganz großen Auftritt. Das Bild gibt das ganz gut wider.

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Im Anschluss ruft uns Pastor John in einer flammenden Predigt auf zu „Be the church“. Die 40 Minuten scheint auch unser Sohn nicht als zu lang zu empfinden.

Zum Schluss rockt die 12-Mann starke Band nochmal die Bühne.

Ich denke kurz darüber nach, ob das hier ein Pfingstgemeinde ist. Ich bremse mich sofort und versuche die Schublade erst gar nicht aufzumachen. Pastorin Johanna hat ja auch gesagt, wir Christen sind keine Denomination, kein Gebäude, sondern Herausgerufene.

Ich finde es richtig gut hier! Sieg durch KO – ich bin platt und sehr berührt. Voll Demut nehme ich schließlich noch den Segen von Pastor John mit, verabschiede mich von meinen Handshake-Bekanntschaften und halte beim Ausgang noch am „Get connected“ Stand an.

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Diese Intensität, die Emotionalität, die Begegnungen, der Beitrag der Kids und die tolle Musik, der weite Blick von Joanna und ein bisschen auch das Hören der Predigt – es klingt so banal – kann Digital in Summe nicht leisten. Glücklich verlassen wir nach über zwei Stunden die Box Arena.

3. Es gehört alles zusammen

Aber ohne die Recherche über eine Suchmaschine wäre ich nie hier gewesen. Später kommen wir sogar Digital wieder zusammen als ich mich per Tweet bedanke, die Allnations meinen Post retweetet und wir uns gegenseitig folgen: #getconnected jetzt auch auf Twitter.

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Erkenntnisse, über die ich nachdenken muß:

Wenn die einladende Website nicht durch ein attraktives Erlebnis vor Ort abgedeckt wird, wird das nach hinten losgehen. Aber wenn sich der digitale SPIRIT auch im Gottesdienst widerspiegelt wird eine Schuh draus.

Auch hinter einer langweiligen Website kann ein toller Gottesdienst stehen.

Digital werden ist erstmal nichts. Digital werden um Menschen zu dienen ist eine Haltung, die die ganze Kirche/Gemeinde bewegt.

Auch ohne Website kann eine Gemeinde lebendig sein und wachsen, wenn sie eine Willkommenskultur lebt. Wobei ich schon meine, dass Willkommenskultur auch eine gepflegte Website mit schneller Ladezeit beinhaltet, aber gut.

Digital kann und wird immer mehr leisten können, aber nicht die gelebte Gemeinschaft von Gläubigen.

Netzgemeinden bitte sehr, da wo es Menschen logistisch oder mental nicht in die Ortsgemeinde schaffen (wollen) oder first mover etwas Neues ausprobieren.

Digitale Kirche ist eine Omnikirche – von Omnichannel (viele Kanäle). Genau so wie die Sparkasse je nach Bedarf Online, per Telefon oder als Filiale in Anspruch genommen wird.
Hausaufgabe: Geht nächsten Sonntag in eine andere Gemeinde und ihr werdet ganz bestimmt eine Menge lernen.

#DigitalChurch in England – a meeting with CofE’s Head of Digital

If you prefer the German version click here.

In July I had the opportunity to meet Adrian Harris, the first Head of Digital of the Church of England (CofE). Adrian has been in charge of online activities since October 2016. His department now has six employees who produce content and campaigns, among other things. Impressive what the church posted in the social media in July alone, here is an excerpt of the (translated) headlines:

  • Nomination in four categories on the shortlist of the Digital Impact Award 2018
  • The Church of England Digital Lab is expanding
  • We are looking for a Digital Content Producer

Adrian brings not only a lot of experience, but also a lot of momentum into the role. He was previously responsible for digital communications at the Conservative Party and Tesco. I learn that the CofE has 16,500 churches across the country and is the national, established Church. If I have understood this correctly, the CofE is not financed from tax revenues, but from some historical assets and the money that congregation members give. The controversies and the loss of members on the island are comparable to the German challenges.

I address him to the dwindling trust among young people in the church institution in Germany (83 percent do not trust religious institutions „at all“ or „rather not „*). Adrian is shocked, the problem isn’t the same in England.

  • I am interested in what support the „national office“ offers to the 16,500 worshipping communities across the country? A lot, I see! This gives e.g.
  • a website for churches to add local events and services, with lots more functionality on the way (this site receives more than 13 million page views each year): https://www.achurchnearyou.com/
  • the search function is also available as an Alexa Skill, which has lots of other functionality
  • Resources for the biggest campaign of the year: #FollowTheStar is the motto for Christmas 2018 and planning is already underway
  • A national website (www.churchofengland.org) with lots of video and other resources to help bring people to faith and grow people’s faith. This receives more than 9 million page views per year.

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It’s 1 pm, Adrian and I go to the roof terrace to watch the Royal Air Force air show. He is an aircraft enthusiast and does not want to miss the 100 planes that fly over Buckingham Palace.

#RAF100

I ask Adrian if he can tell me more about Justin Welby, Archbishop of Canterbury. I’m interested in how he got his 125,000 Twitter followers!? The next day Welby will announce that he wants to grow 100 new churches. The 27 million £ program focuses on places of greatest need and uses new forms. The whole programm stands for renewal and growth.

We come to the Alpha Course. I learn from my research that HTB Church, to which Alpha founder Nicky Gumbel belongs, belongs to the Anglican Church. I am not only one of Nicky’s 18,000 Instagram followers, but also a huge fan of his work. I recommend Adrian watch one of his last video posts: Nicky filmed his wife at a lecture. The quality is miserable, but the emotion conveyed is simply wonderful. A smile is inevitable!

I am very impressed with the activities that I got to know on July 10th. The CofE seems so agile, forward in a positive sense not interlectual and focused on people and communicating with them.

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The CofE is very transparent with their activities. The further links are definitely worth reading:

*Jugendstudie „Generation What“

Was #DigitaleKirche für die Church of England bedeutet

Hier geht’s zur englischen Version des Blog-Post.

Im Juli hatte ich die Gelegenheit Adrian Harris, den ersten Head of Digital der Church of England (CofE) zu treffen. Adrian leitet seit Oktober 2016 die Onlineaktivitäten. Inzwischen zählt seine Abteilung sechs MitarbeiterInnen, die unter anderem Content und Kampagnen produzieren. Beindruckend was die Kirche allein im Juli in den sozialen Medien gepostet hat, hier ein Auszug der (übersetzten) Überschriften:

  • Nominierung in vier Kategorien auf der Shortlist des Digital Impact Award 2018
  • Das Digitale Lab der Church of England vergrößert sich
  • Wir suchen einen Digitalen Content Producer

Adrian bringt nicht nur eine Menge Erfahrung, sondern auch eine Menge Schwung mit in die Rolle. Er war zuvor bei der Konservativen Partei und bei Tesco für Digitale Kommunikation zuständig. Ich erfahre, dass zur CofE 16.500 Ortsgmeinden gehören und sie die nationale, etablierte Kirche in England ist. Wenn ich das richtig verstanden haben finanziert sich die CofE nicht aus Steuereinnahmen, sondern durch Einnahmen aus ihrem hirstorischen (Immobilien-)Vermögen und den Spenden der Mitglieder. Die Kontroversen und der Mitgliederschwund sind auf der Insel vergleichbar mit den den deutschen Herausforderungen.

Ich spreche ihn auf das schwindende Vertrauen unter Jugendlichen in die Institution Kirche in Deutschland an (83 Prozent trauen religiösen Institutionen „überhaupt nicht“ bzw. „eher nicht“*). Adrian ist geschockt, das Problem gibt es in England in dieser Art nicht.

Mich interessiert, was das „National Office“ für die 16.500 gottesdienstlichen Gemeinschaften im ganzen Land an Unterstützung anbietet? Eine ganze Menge, wie ich feststelle! Da gibt z.B.

  • eine Website für Kirchen, um lokale Veranstaltungen und Dienste hinzuzufügen, mit vielen weiteren Funktionalitäten (diese Website erhält mehr als 13 Millionen Seitenaufrufe pro Jahr): https://www.achurchnearyou.com/
  • die Suchfunktion gibt es auch als einen Alexa Skill, der ebenfalls mit vielen weiteren Funktionen ausgestattet ist
  • Ressourcen für die größte Kampagne des Jahres: #FollowTheStar ist das Motto für Weihnachten 2018 und die Planungen laufen bereits.
  • Eine nationale Website (www.churchofengland.org) mit vielen Videos und anderen Ressourcen, um Menschen zum Glauben zu bringen und den Glauben der Menschen zu fördern. Diese erhält mehr als 9 Millionen Seitenaufrufe pro Jahr.

bty

 

Es ist 1 pm, Adrian und ich gehen auf die Dachterasse um die Flugshow der Royal Airforce anläßlich ihres 100-jährigen Bestehens anzuschauen. Adrian ist ein echter Flugzeug Enthusiast und scheint jedes Modell der Flugstaffeln, die heute über den Buckingham Palace fliegen, zu kennen.

#RAF100

 

Ich frage Adrian, ob er mir von Justin Welby, dem Erzbischbischof von Canterbury erzählen kann. Mich interessiert, wie dieser zu seinen 125.000 Twitter-Followern gekommen ist!? Am nächsten Tag wird Welby bekannt geben, 100 neue Gemeinden gründen zu wollen. Das 27 Millionen Pfund schwere Programm fokussiert sich auf „places of greatest need“ und nutzt neue Formen. Das ganze Programm steht für Erneuerung und Wachstum.

Wir kommen auf den Alpha-Kurs zu sprechen, durch den – so zumindest ist es auf Wikipedia zulesen – auch der Erzbischof zum Glauben fand. Ich habe herausgefunden, dass die HTB Church, zu der auch der Alpha-Gründer Nicky Gumbel gehört, zur anglikanischen Kirche gehört. Ich bin nicht nur einer der 18.000 Instagram-Follower von Nicky, sondern schon lange ein großer Fan seiner Arbeit. Ich empfehle Adrian, sich seinen letzten Video-Posts anzuschauen: Nicky hat seine Frau Pippa bei einem Vortrag gefilmt. Die Qualität des Beitrags ist miserabel, aber die transportierte Emotion ist einfach wunderbar. Ein Schmunzeln ist unvermeidbar!

Ich bin beeindruckt von dem kleinen Ausschnitt an Aktivitäten, die ich an diesem 10. Juli kennen lernen durfte. Die CofC wirkt auf mich auf den ersten Blick agil, vorwärtsgerichet, interlektuell geerdet und auf Menschen und Kommunikation mit denselben fokussiert.

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Die CofC ist zudem sehr transparent mit Ihren Aktivitären. Die weiterführenden Links lohnen sich unbedingt zum Lesen:

*Jugendstudie „Generation What“

 

 

Eine YouTube Strategie formulieren (Ebook Teil 2)

Das Ganze vom Ende her betrachten

Was wollen Sie mit dem Projekt YouTube im Kern erreichen? Was soll in sechs oder zwölf Monaten anders bzw. besser sein als heute? Welche Antworten geben YouTube-Videos?

Diese Fragen helfen Ihnen, Ihre Bewegtbild-Strategie in bestehende Maßnahmen zu integrieren und Content zu produzieren, der Sinn macht und etwas bewegt. Dabei fangen Sie nicht bei Null an, denn es gibt bereits Inhalte und Kanäle, über die Informationen distribuiert werden (z.B. ein Gemeindebrief, Lokalzeitung, eine Website oder eine Facebook-Seite). Den bestehenden Content in Bewegtbild zu übersetzen ist keine leichte Aufgabe, denn nicht alles ist für YouTube auch geeignet.

Sehr hilfreich kann es sein, das strategische Anliegen in einem Satz zu formulieren. Das schafft Klarheit für alle Beteiligten, worum es gehen sollen. Idealerweise sollte die Formulierung ambitioniert sein, aber nicht unrealistisch. Dadurch erreichen Sie Motivation und Identifikation bei den Beteiligten.

Die Zielformulierung könnte z.B. so aussehen: “Unser YouTube-Kanal soll unsere Kirche erfahrbarer und persönlicher machen für Mitglieder und Interessierte. In 14-tägigen Rhythmus stellen wir aktuelle Themen der Gemeinde sowie Personen und Aktionen aus dem Gemeindealltag vor.”

Dieses einfache Beispiel enthält das Ziel, die Zielgruppe(n), die Frequenz und eine grobe Ausrichtung der Inhalte. Alles Dinge, die im Vorfeld eines Auftritts angesprochen werden sollten. Natürlich ist nichts in Stein gemeißelt, sobald Sie diese Dinge einmal festgelegt haben. Denn Sie werden im Laufe der Zeit die Erfahrung machen, welche Beiträge gut ankommen und welche nicht.

Aufmerksamkeit schaffen

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Nutzer besuchen YouTube, um sich zu unterhalten, zu informieren oder inspirieren zu lassen. Nicht jede Disziplin ist auch für kirchliche Präsenzen geeignet. Schauen wir uns die drei Nutzung Anlässe im Detail an:

  1. Inspirieren

Im Kern geht es um die Kreation von spannenden Geschichten rund um die Marke, Produkte oder Dienstleistungen der Firma. Kurz gesagt sprechen wir von Storytelling.

  1. Bilden

Nützliche Informationen bieten der Zielgruppe einen echten Mehrwert.

  1. Unterhalten

Der Content soll die Zielgruppe amüsieren und vielleicht mit möglichst spektakulären Sequenzen auch überraschen. Ein hohes Engagement soll erzeugt werden.

Für Kirchens sind die ersten beiden Punkte am relevantesten. Storytelling bzw. Geschichten erzählen ist eine der Kernkompetenzen von Mitarbeitern einer Kirchengemeinde, richtig? Der zweite Punkt beantwortet Fragen, die oft ungefragt im Raum stehen wie z.B. “Warum taufen wir? oder “Was ist der Sinn der Konfirmation?”.

Einen Plan machen

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Es steht außer Frage, dass ein Zeit- oder Redaktionsplan enorm hilfreich ist. Alle erfolgreichen YouTuber nutzen dieses Tool. Der Inhalteplan wird um drei Säulen herum organisiert: Hero, Hub und Hilfe (1).

Hero-Inhalte: In der Autoindustrie wäre das die Markteinführung eines neuen Modells. Im christlichen Kontext sind das die großen Feiertage wie Weihnachten und Ostern. Dazu können weitere Termine kommen wie Gemeindefeste, Konfirmationen oder Konzerte.

Hub-Inhalte: Sind die regelmäßig geplanten Inhalte, die die Interessen der Zuschauer bedient und neue Perspektiven zu vermittelt. Bei einer bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft wäre eine Serie von Interviews mit Nationalspielern im Vorfeld des Events ein Beispiel für eine spannendes Fan-Format.

Hub-Inhalte erscheinen als bei Unternehmen als Staffel das Jahr hindurch. Im kirchlichen Umfeld.

Hilfe-Inhalte: Diese Videos geben Antworten auf relevante Fragen, die immer wieder auftauchen. Beispiel: Wie flicke ich ein Fahrrad Schlauch? Wie funktioniert GPS?

Da Kirche kein materielles Gut anbietet, ist die Adaption von Hilfe-Inhalten keine ganz leichte Übung. In den Gemeinde Alltag übersetzt könnten die Fragen lauten: Warum feiern wir Weihnachten? Was sagt die Kirche zum Leben nach dem Tod? Warum sollte sich jungen Menschen konfirmieren lassen?

Hilfe-Inhalte sind Evergreens und gut für’s Gefundenwerden (SEO) zu bestimmten Themen.

(1): YouTube Creator Academy: https://youtu.be/HnfpXggW3rQ (englisch)
Quellennachweis: Pixabay