Because I’m human.

Die 2019er Ausgabe „shift“ stellte die Frage nach unserem schöpferischen Potential in den Mittelpunkt. Für mich ist klar: Wer Ebenbild des Schöpfers ist braucht nach dem Grund seiner Kreativität nicht lange zu suchen. shift ist eine Zukunftskonferenz mit dem Fokus auf Kreativität, Digital / Social und Glaube. Wenn Shift der Wandel ist, in dem wir uns befinden ist Kreativität die Rezeptur, wie wir ihn gestalten.

Es gab für mich eine Reihe Themen, die ich gerne gehört bzw. besucht hätte. Es waren einige Highlights dabei, wie ich von anderen TeilnehmerInnen gehört habe. Ich bin aus verschiedenen Gründen insbesondere dem Thema Design Thinking (vereinfacht: kreatives Problemlösen) nachgegangen. Es gab aber unter anderem auch diese spannenden Anbgebote:

  • Immersives Storytelling
  • CoWorking / CoCreation
  • Verschiedene Tracks zum Thema Unternehmenskultur

Was die Zukunft (der Kirche) angeht: Let’s face it: Niemand weiß es. Was wir aber wissen ist, dass Kreativität eine größere Rolle einnehmen wird. Sie kann helfen der Kirche ein neues Narrative jenseits des Rheinisches Grundgesetzes „es hätt noch immer jot jejange“  zu entwickeln. Rheinisches Grundgesetzes übersetzt heißt, den Optimismus aus der Tatsache zu ziehen, dass Kirche die Trends der letzten zwei Jahrtausende überlebt hat, während die DDR, NOKIA und Kodak nicht reüssiert haben. Die shift-Community verstehe ich einerseits als Gemeinschaft von Gestaltern, die nach vorne schauen („Resonanzraum für Zukunftsfragen“) und andererseits konservative Bewahrer dessen, was Kirche immer ausgemacht hat. Und das war schön zu erleben, die vielen GründerInnen, UnternehmerInnen und experimentierfreudige/n GestalterInnen, die mit sozialen, kirchlichen und kommerziellen Projekten experimentieren bzw. damit ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Ich bin froh, dass ich mich noch kurzfristig entschieden habe Ende Februar in den Design Center der Hochschule nach Hannover zu fahren, um mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, gemeinsam zu lernen und Zukunftsfragen zu diskutieren. Nach eineinhalb Jahren Bloggen und Twittern für mehr kulturellen Wandel endlich angekommen bei den „Just do it“ Kirchen-Pragmatikern? Auch, aber nicht nur würde ich meinen.

Aber zurück in die Zukunft: Gastgeber ist die Medienarbeit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers zusammen mit Prof. Gunnar Spellmeyer und Nexter (Entrepeneurship Center der Hochschule Hannover) sowie dem Mann, der alle Fäden zusammenführt: Klaus Motoki Tonn. Die Liste der Speaker und einige Impressionen findet ihr auf shifthappens.how.

In der ersten Keynote gab Prof. Spellmeyer einen Crash-Kurs in die Methode des Design Thinking ohne allerdings die Brücke zu den Herausforderungen der Kirche zu schlagen. Es war spannend zu verfolgen dass ein Experte für Industriedesign ein ähnliches Methoden-Bild zeichnet wie es bei uns in der Corporate Welt üblich ist.

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Die fünf Phasen des Design Thinking

Ich halte Design Thinking für sehr relevant, um die Kultur von Kirche zu verändern. Wichtig ist nicht nur die Methode als solches, sondern die Mindsets, die damit einhergehen: kreatives Selbstbewusstsein, Empathie, von Fehlern lernen, machen ist besser als planen, Optimismus, Ungewissheit umarmen und eine Kultur der Iterationen. Wann Design Thinking überhaupt Sinn macht erfahren wir in der Nachmittagssession von Meline Costa, Co-Founderin der Berliner Innovationsagentur Coeva.

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Design Thinking hilft dabei eine Innovationskultur aufzubauen

Design Thinking war vielleicht auch deshalb ein Schwerpunkt der Veranstaltung, weil  sich Kirchens aus meiner Sicht nicht so ganz smart mit der Auswahl der Themen der Zukunftgestaltung umgeht. BlessU-2, der Segensroboter hat ja eher Probleme aufgeworfen, wo vorher keine waren. Und während ich hier schreibe wird auf der Konferenz Menschen-Maschine gefragt, ob man Roboter, die ein Bewusstsein haben, zum Gottesdienst einladen soll?! Sind das wirklich die Themen, die Gläubige umtreiben?

Empathie steht ja am Anfang des Design-Thinking Prozesses und ich bin sicher, wenn man den Menschen gut zuhört und mit ihnen spricht – und nicht seinen eigenen Annahmen als das Non plus ultra begreift – dann kommen auch Herausforderungen zum Vorschein, die einen stärkeren Bezug zu unserem Leben und einer Zukunft haben, die noch unserer Vorstellungskraft entspricht. Robotics ist ja durchaus ein aktuelles Thema, aber eher bei stupiden, wiederkehrenden Aufgaben z.B. in der Autoproduktion. Wie schwierig es ist Fragen der digitalen Ethik mit Zukunfts-Kirchen-Design zu verbinden ist ja unter anderem daran abzulesen, dass viele in dem Prototypen einen Ersatz für den bzw. die PastorIn gesehen haben. Viele der shift-Teilnehmer und Speaker sind durch ihre Projekte und Firmen geerdet und nah an den Bedürfnissen des Menschen. Diese Erfahrung in das Design der Kirche von morgen einzubringen ist ein großer Gewinn und hätte vermutlich verhindern können, dass die Roboter-Diskussion in eine völlig quere Richtung läuft: #human-centered.

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Jedenfalls bin ich der Ansicht, dass Design Thinking wieder für mehr Bodenhaftung und eine Vielfalt der Perspektiven sorgen kann. Oder wie es das shift -Team formuliert: „die eigene bias verlassen.“

Ist ja bei Unternehmen nicht anders, dass die Führungsmannschaft z.B. eines Telekomanbieters selbst nicht mehr in der Hotline hängt oder im Laden kauft. Aber von diesen Menschen leben nun mal Konzerne, von Kunden die einen Wunsch oder ein Problem haben, das sie gelöst bekommen haben wollen. Betriebsblindheit ist ja etwas Menschliches! Und wenn man sich ihrer bewusst wird kann man sie auch steuern / überwinden – self-awareness kommt vor self-management.

Neben den oben genannten ReferentInnen war es eine große Freude neue Bekanntschaften zu schließen bzw. alte aufzuwärmen, z.B.

Ja, zugegeben: die Community ist nicht sehr riesig. Vielleicht ist das auch nie der Plan gewesen, aber sie ist wichtig, um Optimismus und neue Optionen in die traditionelle Kirchendenke zu bringen. Und sinnvolle Prozesse und Kulturwandel – Kreativität sowieso. Schön, dass diese Gemeinschaft schon feste Anlaufstellen hervorgebracht hat: den Heimathafen in Wiesbaden und mit Abstrichen den Hafven Hannover (?). Muss ich Klaus nochmal fragen, ob das zweite so stimmt.

Eine Frage stellt sich nachdem wir alle den Segen empfangen haben und wieder auseinander gehen: Wie skaliert man diesen Forscher-, Pionier und Gründergeist in der Organisation Kirche? Wir waren vielleicht 60-70 Leute, die sich einmal im Jahr treffen – was viel und gleichzeitig viel zu wenig ist. Für meinen Teil mache ich mich auf die Suche nach Gleichgesinnten, die sich auch einen „Hafen“ für Hamburg wünschen.

Wenn ich mich wirklich als eine Abbild des Schöpfers begreife, dann kann es nur so sein, dass auch ein „Creator“ in mir steckt. Aus Gründen ist das nicht die erste Assoziation, die man bei uns Christen hat. Diese schöpferische Power zu heben und sichtbar zu machen ist eine gute Investition!

Vielleicht auch interessant: „Meine erste BarCamp-Erfahrung“ bei der Nordkirche im Februar 2019.

 

 

Für die ersten zwei Stunden bin ich am 11. Februar 2019 in das Hansebarcamp in Hamburg-Altona eingetaucht. Wenn die Internet-Community der Nordkirch(n) sich so geballt trifft wird das bestimmt eine spannende Erfahrung. Und tatsächlich, die 120 Minuten haben sich gelohnt.

Der Reihe nach: Der Check-in wurde von den Pfadfinder durchgeführt, das gab direkt einen Pluspunkt. Man vergisst ja leicht, dass so ein kostenloses Camp vermutlich auch von einigen Freiwilligen mitgetragen wird. Catering, Räume, Technik, Moderation und die Twitterwall – alles war am Start. Aufräumen nicht zu vergessen!

Die Atmosphäre war einladend, ich fand sofort Anschluss unter ca. 100 TeilnehmerInnen. Der Löwenanteil schien hauptberuflich für Kirchens im weiteren Sinne zu arbeiten, es gab aber auch LehrerInnen und Sponsoren – oder heißt es SponsorInnen? Und LöwInnenanteil? Egal, Vernetzung hat gut funktioniert.

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Von Berlin bis Oldenburg kommen die Digitalexperten – und von noch weiter her.

Das Timing haben die Veranstalter sehr gut im Griff, sie starteten mit einer persönlichen Vorstellungsrunde. Das gab mir einen guten, ersten Eindruck, mit wem ich es hier zu tun habe.

Die unterhaltsame Keynote von Martin Fehrensen könnt ihr besser beim Bericht der Nordkirche nachlesen. Der Überblick mir gut gefallen, allerdings wurde aus meiner Sicht nicht ganz deutlich, ob er jetzt für oder gegen ein kirchliches Social Media Engagement ist. War vielleicht auch gar nicht gebrieft, es ging mehr um die allgemeinen Trends.

Martin hat jedenfalls mehrmals den Begriff „Fahrwasser“ für Facebook & Co. verwendet, dessen man sich bewusst sein müsste. Das ist erstmal ein guter Ansatz, aber eine klare Haltung hätte nicht geschadet. TikTok, bist Du nun eine Option oder wirst Du nur zur Abschreckung gezeigt, damit wir sehen, wie schlimm und exponiert soziale Plattformen betrieben werden. Martin hat nach der Keynote eine Session zum Thema Facebook-Gruppen angeboten, daher ist er vermutlich (unter bestimmten Bedingungen) vermutlich durchaus für den Einsatz von Social Media.

By the way: Bei Facebook Inc. arbeitet die gläubige Nona Jones als Global Faith-Based Partnerships Leader @facebook daran, christliche Communities zu entwickeln. In den USA haben die Facebook-Gruppen einen viel größeren Stellenwert, das lässt sich nicht mit Deutschland vergleichen.

Da TikTok auf großes Interesse gestoßen ist mache ich hier kurz Werbung für meinen Blogpost vom November (inklusive Tipps, was wir von China lernen können).

Leider konnte ich nur bis zur Vorstellung und Konsolidierung der Sessions bleiben. Aber großartig, wie hoch die Beteiligung und die Vielfalt der Themen war. Meine persönliche Nummer 1: Einen Gottesdienst partizipativ gestalten mit Hilfe von Design Thinking. Da es viel zu viele Themen gibt werden pragmatisch Sessions zusammengelegt. Mein Favorit z.B. fusionierte mit einem interaktiven Gottesdienst, der schon in der Hamburger St. Nicolai Kirche stattgefunden hat mit der Hilfe von Sublan.tv. Aber auch die Sessions Chatbots, Insta, Crowdfunding, Podcasts / Vlogging und klangen super spannend!

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Was mir an dem Barcamp gut gefallen hat:

  • Das Mindset mit- und voneinander zu lernen.
  • Die Vielfalt der Teilnehmer und Themen, denn wir sind eine vielfältige Kirche
  • Der Praxisbezug! Da wurde z.B. – so vermute ich zumindest – live an einem Prototypen für ein Jugendportal gearbeitet.
  • Die Bereitschaft zusammen zu arbeiten in dem Sinne, dass ich nicht davon ausgehen dass meine Session exklusiv nur ein Thema behandeln wird
  • Das Barcamp war sehr basisnah und demokratisch. Mit Theologie, Theorie und Fußnoten habe ich keinen Vertrag, daher kam mir die Form sehr entgegen.
  • Das offene und zugleich professionelle Auftreten des Orga-Teams, das sorgte für eine kollaborative, gute Atmosphäre. Auch die digitale Begleitung bzw. Nachbereitung war klasse.
  • Und last but not least: Ich habe Optimismus gespürt. Ich dachte immer Theologen können nur analytisch-urteilend  und „ja, aber“. Das war hier nicht so oder es waren einfach keine Theologen? JA, ich habe Vorurteile. Vielleicht sollte ich mehr auf Barcamps abhängen und weniger auf Twitter?! Deal.
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Bei der Sessionvorstellung bildete sich eine lange Schlange – ein gutes Zeichen!

Was ich an Tipps geben würde, wenn mich jemand fragt:

  • Duzen erleichtert die Zusammenarbeit, das könnte man einfach bei der Begrüßung einführen oder als Punktesystem ergänzen (Hintergrund: ein roter Punkt bedeutete, dass man nicht fotografiert werden möchte).
  • Ein spielerisches Element hätte ich mir zu dem Format gut vorstellen können. Lockert auf, fördert das kreative Denken und die Durchblutung. Eine Giraffe hinter dem Rücken aus Papier basteln in einer Minute oder sowas.

Fazit: Auf Twitter lese ich viel Konjunktiv und wir brauchen dies und jenes im Kontext der DigitaleKirche. Und theologische Abhandlungen und in einer Sprache, die ich oft nicht verstehe. Beim Barcamp habe ich mich besser aufgehoben gefühlt: Menschen, die MACHEN wollen, die anpacken können und im positiven Sinne normal sind. Naja, ich habe ja nur ein paar wenige gesprochen – also bleibt es ein sehr persönlicher Eindruck.

Meine Überzeugung ist: Jede Theologie und Theorie löst sich in Luft auf sobald sie auf Menschen trifft. Daher zügig ran an das Objekt – und weniger Fußnoten!

Vielen Dank #Hansebarcamp! De Zeit, die ich dabei sein konnte war richtig gut!

 

 

Mit 16 Jahren startet Diana zur Löwen ihren YouTube-Kanal. Inzwischen ist die 23-jährige Influencerin und Unternehmerin am Ende ihres BWL-Studium. Sie beherrscht die Social Media Klaviatur perfekt. Sie engagiert sich gegen HateSpeech, für STARTUP TEENS, das Deutsche Rote Kreuz und Europa. Im Dezember hat die gefragte Rednerin ihren ersten TED TALK aufgenommen. Ich finde Dianas Podcast sehr inspirierend und nicht nur für die Gen Y relevant, für die sie ein prominentes  Role Model darstellt. Ich habe ihren letzten Podcast aufgegriffen um uns alle auf das neue Jahr 2019 einzustimmen. In dem Podcast geht es um…

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Foto: Instagram

 

6 Buchstaben, die mein Leben verändert haben

GROWTH ist ein Ansatz, den Diana über die letzten Jahre entwickelt hat und den habe ich für Euch zusammengefasst und hoffe, es ist nur der Appetizer für Dianas Podcast (siehe unten).

G: Get out of you comfort zone

Hier geht es darum Neues auszutesten und zu lernen. Neue Leute ansprechen und neue Sportarten auszuprobieren sind nur zwei Beispiele. Teste Deine Grenzen aus und gehe darüber hinaus, denn dann wirst Du in der Lage sein zu wachsen.

R: Read

Bücher tragen zur Entspannung bei. Du musst aber die Disziplin haben weniger Zeit am  am Handy zu verbringen, damit es wirklich klappt mit dem Lesen. Ein Buch ist voll von wertvoller Information und ein „statischer“ Ausgleich, der nicht vibriert.

O: Open up to others

Social Media kann ein Druckmittel sein, dass Dir suggeriert, dass Du den perfekten Zustand anstreben musst z.B. beim Beruf oder der Partnerwahl. Öffne Dich Deinen Herzensmenschen in den Punkten, die eben nicht perfekt sind. Gib Dich nicht mir dem Status Quo zufrieden und verändere das eine Leben, das Du hast.

Inspiriert wurde Diana durch das Buch Lean in von Sheryl Sandberg.

W: Find your WHY?

Inspiriert durch Simon Sineks Ted Talk with „Start with why“. Stell Dich, Deine Vergangenheit und Deine Beziehungen immer wieder in Frage. Wer und was macht mich glücklich? Nimm nicht als gegeben hin und hinterfrage den Status Quo.

T: Time Management

Kennt ihr die Leute, die immerzu beschäftigt sind? Das ist doch uncool. Hast Du Deine Zeit mit den richtigen Dingen wir Sport und Beziehungen pflegen gefüllt? Organisiere Dich so, dass Du genug Zeit für Dich selbst und die Dinge hast, die Dir am wichtigsten sind.

H: Helping others helps you

Soziales Engagement erweitert Deinen Horizont. Du lernst nicht nur tolle Leute sondern auch Dich selbst besser kennen.

Nicht nur der letzte Podcast aus 2018 lohnt sich.

Das Thema Weihnachten kommunikativ digital zu besetzen ist bisher v.a. eine Kompetenz von Elektronik-Händlern und Lebensmittel-Einzelhändlern gewesen. Siehe Blogpost zu Weihnachten 2017 von vor einem Jahr.

Mitte Dezember ist es dem Bistum Essen gelungen durch eine kreative Einladung zum Weihnachts-Gottesdienst weit über die Bistumsgrenzen hinaus Buzz zu kreieren.

Nicht nur die knapp 100.000 Views sind bemerkenswert (der geschätzte Durchschnitt liegt eher um die 400), sondern vor allem das große Presseecho darunter die Bild und Sat1 Fernsehen. Der YouTube-Kanal zeigt insgesamt, dass hier keine Anfänger am Werk sind: Preacher Slams, Sprachtipps, ein Pfingsten-Erklärvideo und Playmobil Stories machen Appetit darauf, die Gemeinde kennen zu lernen. Mir persönlich gefällt das Video zum Pfarreientwicklungsprozess auch sehr gut.

Was haben die pfiffigen Social Media Redakteure des Bistums richtig gemacht? Aus meiner Sicht 3 Dinge:

Keine Scheu Risiko einzugehen: Dieses Experiment hätte auch schief gehen können. Das Bistum war mutig und erntet viel Lob – auch von Atheisten (siehe Video-Kommentare). Die Kritiker finden sich eher unter den Gläubigen.

Achte auf das Timing: Das Video wurde etwa eine Woche vor Weihnachten hochgeladen. Für die Presse eine Meldung wert, vielleicht weil man vom Bistum Essen so gute Unterhaltung nicht erwartet hat. Die Wahrscheinlichkeit als Kirche Aufmerksamkeit zu bekommen ist an den großen, christlichen Feiertagen am höchsten.

Sei kreativ: Es wurde hier die sogenannte Mash-up Kreativitästechnik angewendet (wahrscheinlich unbewusst). Zwei Dinge oder Branchen werden gemixt und es kommt etwas Neues dabei heraus. Was Kreativität bewirken kann zeigt das Beispiel Bistum Essen sehr deutlich: Sichtbarkeit in einer mit Informationen überfluteten Welt.

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Quelle: IDEO, Mash-up Technik: Gottesdienst + Flugsicherheit = Weihnachts-Video

Bin gespannt, ob der ein oder andere Essener zwischen Playstation- und Edekawerbung die Einladung zum Weihnachtsgottesdienst gesehen hat und sogar annehmen wird.

Hier findet ihr den Pressetext des Bistums Essen.

Ist Facebook das nächste MySpace? Zumindest mit Blick auf die Zahlen in Europa deutet sich eine Trendwende an. In den jüngst veröffentlichten Quartalszahlen beeindruckte der Konzern zwar mit einem 33%-tigen Umsatzplus auf 13,7 Milliarden Dollar, konnte aber in Europa überhaupt kein Nutzerwachstum generieren , sondern hat sogar 1 Millionen Nutzer verloren und zwar auf täglicher- als auch auf monatlicher Basis.

Wer Kinder im Teenageralter hat weiß, dass es das soziale Netzwerk Facebook in Zukunft schwer haben wird. Zum einen wächst die Bedeutung des hauseigenen Fotodienstes Instagram rasant (Quelle: futurebiz). Mittlerweile dürfte die Reichweite bei 20 Mio.

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Nutzern in Deutschland liegen (MAU=monthly active users). Und dann ist da dieses Tik Tok? Die Plattform versteht sich als Social Network mit Schwerpunkt Musik (v.a. Lippen-synchronisation von populären Songs) und Tanz. Nach eigenen Angaben „..designed for the next generation of creators.“

Da die Social Media Welt so schnelllebig ist möchte ich eine weitere Trendwende in den Fokus nehmen, die vielleicht einige nicht ganz so auf dem Schirm haben: „Rising China“.

Tik Tok hat im September zum ersten Mal Facebook, Instagram, YouTube und Snapchat in monatlichen Installationen überholt hat – in den USA. Das ist insofern erwähnenswert, da es sich bei Tik Tok um eine Video Sharing App mit chinesischen Eigentümer handelt. Die Firma Bytedance hat 2017 Tik Tok und musical.ly „gemerched“, um den US-Markt zu erobern, scheinbar mit Erfolg. Tik Tok war schon im Q1/2018 die Nummer 1 der Non-Gaming Apps im Apple Store, Zielgruppe sind ausschließlich an Teens und Twens. Zum Vergleich: Tik Tok hatte im Juli 2018 500 MAUs und ist damit (noch) etwa halb so groß wie Instagram. Beide sind wie auch Snapchat als Mobile First Produkte entwickelt worden.

Spannend ist Tik Tok vielleicht für Religionspädagogen. Offensichtlich lieben Teens und Twens (immer noch) Musik, Tanzen und die Selbstinszenierung. Ich habe selbst keine Töchter, habe aber gehört, dass sich v.a. die Nutzerinnen ziemlich aufbrezeln auf der Suche nach Likes und um wahrgenommen und gemocht zu werden. Unternehmen wie Beiersdorf haben bereits Kampagnen für 8×4 getestet. „Money follows eyeballs“ heisst es bei uns in der Kommunikationsbranche. Kirche follows …? Datenschutz? Schwierig, den Satz auf Kirchens zu übertragen, oder?

Ein Wort zu Bytedance, der Firma hinter Tik Tok: Bytemod Pte Ltd., so der offizielle Name, ist ein chinesisches Unternehmen für Internettechnologie, das mehrere auf maschinellem Lernen basierende Content-Plattformen betreibt. Das Kernprodukt von ByteDance, Jinri Toutiao, ist eine beliebte Content-Plattform in China. Bytedance nutzt auch für Tik Tok künstliche Intelligenz, um Inhalte basierend auf dem Interesse der Nutzer in Echtzeit zu verbreiten.

Und gut zu wissen: 4% der Unicorns außerhalb der USA kommen aus Deutschland, 52% aus China. Just saying. Wer mehr Interesse an globalen Entwicklungen und insbesondere dem aufstrebenden China hat, dies ist ein sehr lesenswerter Artikel auf gruenderszene.de zum Thema Start-Ups go East!

Autor Olaf Rotax (arbeitet im globalen Accenture-Netzwerk) gibt 8 Tipps, was Deutsche von den Start-Ups in Fernost lernen können – hier die Kurzfassung.

  1. Chinesische Schnelligkeit
  2. Iterative Prozesse als Erfolgsgeheimnis
  3. Förderungsmöglichkeiten sind der Treiber
  4. Der User steht im Mittelpunkt
  5. Innovative Technologien sind der Schlüssel
  6. Fehlendes Know-How muss kein Hindernis sein
  7. Integration digitaler und physischer Komponenten in Ökosysteme
  8. Open Source als Innovationstreiber

Während hierzulande noch die Offenlegung der Algorithmen und Zerschlagung der GAFA-Plattformen gefordert wird nutzen einige unser Töchter und Söhne vielleicht schon ein Jahr eine App, die nach den Privacy Regeln der Chinesen funktioniert. Das führt mich zu der Frage des Datenschutzes – werden Nutzer außerhalb von China schon im Social Scoring erfasst? I don’t know… Es gilt einmal mehr: User Experience schlägt Datenschutz. Datenschutz ist sicher wichtig, darf aber kein Selbstzweck sein. Die Balance zu finden, das ist die Kunst.

Noch nicht mit dem Überwachungssystem der Chinesen vertraut? Dann empfehle ich den Artikel „Big Brother takes giant steps in China“ als Einstiegslektüre.

Wenn wir nicht anfangen unseren Blick viel stärker nach Osten zu wenden und wir uns in Deutschland weiter auf dem Erfolg der letzten Jahrzehnte ausruhen wird es schwer. Das Gute sollten wir übernehmen und gegen die Überwachung Stimmung machen. Meiner Meinung nach besteht in beiden Richtungen – Innovation und Big Brother – Handlungsbedarf, den unsere Politik noch nicht erfasst hat.

 

Digitalisierung bedeutet nicht die Soft- und Hardware zu erneuern, einen Segensroboter auf Events zu präsentieren, Symposien zum Thema durchzuführen und auf den sozialen Netzwerken zu posten. Führungskräfte müssen die digitale Transformation als den grundlegenden, strategischen Paradigmenwechsel anerkennen, der sie darstellt. Wie jede große Transformation erfordert auch eine digitale Transformation die Vermittlung einer Kultur, die den Wandel unterstützt und gleichzeitig die übergreifende Strategie der Organisation ermöglicht.

Die Einbettung einer digitalen Kultur in eine Organisation ist möglich, erfordert aber eine klare Methodik und einen disziplinierten Aufwand. Warum die Vermittlung einer digitalen Kultur wichtig ist hat die Boston Consulting Group (BCG) für Unternehmen formuliert (1):

  • Ignorieren der Kultur kann zum Scheitern der Transformation führen
  • Eine digitale Kultur ermöglicht es den Menschen, schneller Ergebnisse zu erzielen.
  • Eine digitale Kultur zieht Talente an.

Die 5 Kernelemente einer digitalen Kultur sieht BCG hierin:

  1. Es fördert eine externe und nicht eine interne Orientierung.
  2. Delegation vor Kontrolle.
  3. Es fördert Mut stärker als Vorsicht.
  4. Es betont Maßnahmen stärker und weniger die Planung.
  5. Sie schätzt die Zusammenarbeit mehr als den individuellen Aufwand.

Ich habe die Digitalisierungsbemühungen im „kirchlichen Raum“ ein Jahr aus der Distanz und manchmal auch aus der Nähe verfolgt und sehe im Kulturwandel nach wie vor den größten Wachstumsbereich. In allen 5 oben aufgeführten Punkten sehe ich großen Handlungsbedarf.

Joachim Stängle hat einen interessanten, differenzierten Artikel zum Thema Digitalisierung der Volkskirchen als (letzte) Chance geschrieben. Allerdings ist die von ihm beschriebene Kundenorientierung nicht der Schlüssel, sondern Fokussierung auf Kunden/Mitglieder nur der Ausdruck einer Organisationskultur: Culture eats strategy for breakfast! Neu denken lernen, das trifft den Kern der Herausforderung besser. Transformation ohne Kulturwandel wird scheitern.

Ob und wie die Digitale Revolution gelingt ist völlig offen. Wo ich in den letzten 12 Monaten gute Ansätze bzw. gute Beispiele gefunden habe:

  • Die kleine, aber umtriebige Community #DigitaleKirche auf Twitter zeigt viel Mut und hat viele Ideen
  • In verschiedenen BarCamps wird Kollaboration und Vernetzung betrieben
  • In Liveübertragungen in den sozialen Netzwerken wird Interaktion und Participation geprobt – siehe aktuelles Beispiel der Hauptkirche St. Nikolai – Hamburg
  • Die Church of England hat den Kulturwandel erfolgreich eingeläutet, das findet Ausdruck zum Beispiel im Churchfinder
  • Shifthappens
  • Die Bewegung GottDigital
  • Das Bibel-Projekt
  • Christlicher Poetry Slam

(1): It’s Not a Digital Transformation Without a Digital Culture

Es ist der 30. Oktober 2018 und kurz nach 19 Uhr. Seit einem Jahr blogge ich über Digitale Reformation / Kommunikation. Das ist der Grund, warum ich mich in den Livestream der Ev.-Luth. Kirchengemeinde in St. Jürgen klicke und versuche dem Redner zu folgen. Der Ton ist bisher nicht optimal ausgesteuert, was mich zu dem Gedanken verleitet, dass die Kirche im Digitalen Raum – ein Begriff, den ich in den vergangenen 12 Monaten lernen durfte – immer noch zu leise auftritt. Später wird der Ton besser und ich lausche Herrn Heilig, seinerseits Studienleiter der Ev. Akademie der Nordkirche.ist, der Videos und die Glaubwürdigkeit von Jana auseinanderpflückt. Es ist zwar offiziell ein Kanal der EKD, aber die meisten TheologInnen und hauptamtlichen der Kirchengemeinden stehen nicht dahinter. Viele mit denen ich persönlich gesprochen habe wünschten sich eine(n) Theologen/in als Influencer. Jürgen Heilig ist auch einer von diesen und mutmaßt gerade, dass Jana teilweise keine eigenen Texte vorträgt und spielt ein Video von Jana ein, die einem Ohrring nachtrauert.

Vor einem Jahr hatte ich in meinem ersten Post geschrieben, dass ich mir Sorgen um die Kirchen mache, weil sie Digital kaum stattfinden. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Angesichts der Frage einer entkirchlichten jungen Generation kann ich den Wunsch nach einem theologischen Influencer anstelle von Jana nur schwer deuten. Wie zäh der ganze Angang insgesamt ist wird klar, wenn man hinter die Kulissen blickt: Jana, die dem freikirchlichen Umfeld zugeordnet wird, wurde von einer YouTube-Agentur namens Mediakraft gecastet und wird von der EKD für ihre Videos bezahlt, siehe Kommentar vom 30. März.

Zurück zum Livestream: Jürgen Heilig versucht gar erst mit seiner Meinung nicht hinterm Berg zu halten und zitiert neben der Süddeutschen und Vice.com auch ein Video-Kommentar, der das Kunstwort „Verdummbibelung“ enthält. Es ist ihm einfach zu inszeniert, zu viel Marketing und zu wenig Soziales. An der Zielgruppe vorbei und zu wenig Leichtigkeit, zu angestrengt locker und überhaupt die Themen? Ich bin offenbar einer der wenigen Fans vom Projekt Jana, der Studienleiter findet scheinbar endlos Argumente (als Fragen getarnt) – Zweifel an der Strategie legt er noch oben drauf -, warum Janas Kanal ein Flop ist. Herr Heilig entlässt uns mit diesem Gegenteil von best practice in den nächsten Vortrag ohne ein einziges Wort zu sagen, wie man es besser machen kann. Wie erreicht die Kirchengemeinde St. Jürgen / die Nordkirche die 14-19-Jährigen oder ist die Entkirchlichung der Jugend bereits im Norden angekommen?

Ingo Dachwitz, Autor bei Netzpolitik und bekennender Gegner der Netzökonomie startet nach einer handwerklichen Einordnung mit einer persönlichen Einschätzung und findet Janas Videos – und schließt Herrn Heilig in einem Nebensatz mitein – hochgradig langweilig. Er saß offenbar nicht im YouTube-Projektteam der EKD. Fällt er hier als ehemaliger Jugenddelegierter der EKD-Synode seinen „Genossen“ von der GEP / AEJ gerade ein Stück weit in den Rücken frage ich mich? Kann ja jeder selbst nachschauen (ab Minute 60) und beurteilen.

Weiter im Stream: Christliche Inhalte und Identifikationsfiguren kommen seiner Meinung nach zwar auf YouTube nicht vor, aber Jana passt ihm auch nicht. Zum ersten Punkt: agree – und zum zweiten: Jana wird sich angesichts der kritischen Töne wohl auch bald wieder ihrem Poetry-Kanal widmen und einen Studentenjob suchen fürchte ich. Dann beginnt die EKD zumindest auf YouTube wieder nahe bei Null, richtig?

Nun muss ich schmunzeln: Ingo Dachwitz betritt „mein“ Terrain und bezeichnet MrWissen2Go als „einen der wenigen ernsthaften YouTuber“, er hat ihn auf einer kirchlichen Veranstaltung getroffen. Ist das nun Unwissen oder Überheblichkeit? Dreht man die Aussage um gibt es viele nicht ernsthafte YouTuber, korrekt? Dünnes Eis, auch wenn mir selbst nicht alles auf YouTube gefällt. Aber 2 Mrd. Menschen, so viele loggen sich bei YouTube jeden Monat ein, legen scheinbar weniger Wert auf Ernsthaftigkeit – klingt irgendwie elitär finde ich.

Zudem er urteilt hier über Menschen, die er selbst nie getroffen hat – ich aber einige schon. Creator, die mit viel Leidenschaft und teilweise großem künstlerischen und redaktionellem Anspruch ihren Traum leben, z.B.:

On top kommt natürlich, dass sich Herr Dachwitz über uns Zuschauer erhebt, die wir uns mit nicht ernsthaftem Content abgeben. Danke, das saß!

Wenn schon die jüngeren Referenten sich so abweisend über das Angebot aus dem eigenen Stall äußern („vorgaukeln“, „click-bait“, „Pseudo-Authentizität“) ohne einen einzigen Satz über mögliche Alternativen zu verlieren zeigt das die große Zerrissenheit und Verzweiflung innerhalb der Kirche(n). Zu viel Konjunktiv, zu wenig konstruktiv. Unter „Das späte Interesse der Kirche an den Chancen digitaler Kommunikation“, so der Untertitel des Livestreams, das hatte ich mir anders vorgestellt als Jana-Bashing und rückwärtsgewandter Alt-Herren-Talk, wie Olaf Ton wahrscheinlich gesagt hätte. Ich verabschiede mich als jemand, der einen eigenen YouTube-Kanal hat und weiß, wie schwer es ist, relevanten Content zu produzieren.

Ich kann nur hoffen, dass keine Teenies und Jugendlichen diesen nahezu empathiefreien Teil des Livestreams zu sehen bekommen oder schlimmer noch – im Publikum saßen.

Die ersten 3 Posts unter Janas letztem Video unterstreichen nochmal wie egozentrisch, einseitig oder unwissend die beiden Referenten unterwegs waren.

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Eine Selbstreflektion: so banal und so wichtig.

Journey

Es ist ja immer sehr hilfreich, wenn man die Perspektive wechselt*. Und so habe ich eine wichtige Lektion gelernt, als ich in Dublin einen unbekannten Gottesdienst besucht habe. Über die erste Lektion blogge ich bestimmt später nochmal: Die Gemeinden, die Neulinge mit 3 oder mehr Handschlägen vor dem Gottesdienst begrüßen, wachsen überdurchschnittlich stark. Die zweite Lektion ist für einen Digitalen Nerd nicht leicht zu verdauen: Digitale Kirche*“ ist nur ein kleines Mosaiksteinchen von einem Gesamterlebnis. Ich bin mir bewusst, dass ich natürlich nur einen kleinen Ausschnitt betrachte. Der hat Gültigkeit für die, die neu in eine Stadt ziehen oder wie wir, ein paar Tage Urlaub machen und Sonntag einen Gottesdienst besuchen möchten. Wahrscheinlich ist unsere Erfahrung eine, die man in vielen Großstädten und weniger auf dem Land macht.

* McKinsey Quartely (Jan 2015): What really matters                                                                                                                                              **Digitale Kirche verwende ich hier im Sinne von digitaler Kommunikation – was nur ein kleiner Teilbereich ist, ja.

1. Sichtbarkeit ist die Eintrittskarte

„Heute könne Technologie dafür sorgen, dass Menschen online Wegweiser zu kirchlichen Angeboten finden.“ sagt Jonas Bedford-Strohm im Kontext von Sichtbarkeit und Kirche. Und tatsächlich, genau so war’s! Die Geschichte beginnt an einem Sonntagmorgen Ende Juli…

Spontan entscheiden wir, heute in die Allnations Kirche in Dublin zu gehen. Der Gottesdienst fängt um 11 Uhr an, das erhöht die Chance unseren 19-jährigen Sohn dabei zu haben. Hauptgrund ist aber, dass meine Frau ein Dutzend Kirchen in Dublin gegoogelt hat und die Website der allnations.ie am spannendsten, am modernsten fand. Das der Gottesdienst in der Nationalen Boxing Arena stattfindet ist das Sahnehäuptchen.

2. Das Erlebnis steht im Mittelpunkt

Die Boxarena ist gut zu finden, wir sind trotzdem wenige Minuten zu spät. Am Eingang werden wir freundlich begrüßt und in die Arena geleitet – 3x Handeschütteln, bevor wir auf den ausklappbaren, roten Plastikstühlen Platz nehmen. Die Band gefällt mir auf Anhieb sehr gut und sie wird sich noch steigern.

Pastorin Joanna begrüsst die Gäste und erklärt uns die Bedeutung von Ecclesia (die Herausgerufenen).

It,s not a building, not a denomination, but a group of called out people.

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Natürlich gibt es die Gelegenheit, seine Nachbarn kennen zu lernen (+ 2x Händeschütteln) Und ich bin mir noch sicherer, dass es eine Korrelation zwischen Willkommenskultur/Händeschütteln und Gemeindewachstum gibt. Hat das schon mal jemand untersucht??

Wer zum ersten Mal hier ist wird gerade von der Bühne gefragt – ein Zustand, den ich und viele andere als schwierig empfinden. Aber wir schauen uns als Familie kurz an und geben uns einen Ruck. Unsere Handzeichen haben undramatische Folgen – im Gegenteil. Wir bekommen das Willkommenspaket der Allnations mit Kontaktkarte. Auf dieser Tüte offenbart sich, dass analoge und digitale Welt eins sind. Weil ich nur ein Mensch bin, der sich mal da und mal dort bewegt. Wahlweise kann man den Kontakt per Email oder Handy suchen, wenn man das möchte.

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Die Allnations schafft es einladend, aber nicht aufdringlich aufzutreten. Kompliment, sie finden hier das gesunde Mittelmaß, das gelingt nicht vielen.

Anyway, heute haben die Kinder einen ganz großen Auftritt. Das Bild gibt das ganz gut wider.

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Im Anschluss ruft uns Pastor John in einer flammenden Predigt auf zu „Be the church“. Die 40 Minuten scheint auch unser Sohn nicht als zu lang zu empfinden.

Zum Schluss rockt die 12-Mann starke Band nochmal die Bühne.

Ich denke kurz darüber nach, ob das hier ein Pfingstgemeinde ist. Ich bremse mich sofort und versuche die Schublade erst gar nicht aufzumachen. Pastorin Johanna hat ja auch gesagt, wir Christen sind keine Denomination, kein Gebäude, sondern Herausgerufene.

Ich finde es richtig gut hier! Sieg durch KO – ich bin platt und sehr berührt. Voll Demut nehme ich schließlich noch den Segen von Pastor John mit, verabschiede mich von meinen Handshake-Bekanntschaften und halte beim Ausgang noch am „Get connected“ Stand an.

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Diese Intensität, die Emotionalität, die Begegnungen, der Beitrag der Kids und die tolle Musik, der weite Blick von Joanna und ein bisschen auch das Hören der Predigt – es klingt so banal – kann Digital in Summe nicht leisten. Glücklich verlassen wir nach über zwei Stunden die Box Arena.

3. Es gehört alles zusammen

Aber ohne die Recherche über eine Suchmaschine wäre ich nie hier gewesen. Später kommen wir sogar Digital wieder zusammen als ich mich per Tweet bedanke, die Allnations meinen Post retweetet und wir uns gegenseitig folgen: #getconnected jetzt auch auf Twitter.

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Erkenntnisse, über die ich nachdenken muß:

Wenn die einladende Website nicht durch ein attraktives Erlebnis vor Ort abgedeckt wird, wird das nach hinten losgehen. Aber wenn sich der digitale SPIRIT auch im Gottesdienst widerspiegelt wird eine Schuh draus.

Auch hinter einer langweiligen Website kann ein toller Gottesdienst stehen.

Digital werden ist erstmal nichts. Digital werden um Menschen zu dienen ist eine Haltung, die die ganze Kirche/Gemeinde bewegt.

Auch ohne Website kann eine Gemeinde lebendig sein und wachsen, wenn sie eine Willkommenskultur lebt. Wobei ich schon meine, dass Willkommenskultur auch eine gepflegte Website mit schneller Ladezeit beinhaltet, aber gut.

Digital kann und wird immer mehr leisten können, aber nicht die gelebte Gemeinschaft von Gläubigen.

Netzgemeinden bitte sehr, da wo es Menschen logistisch oder mental nicht in die Ortsgemeinde schaffen (wollen) oder first mover etwas Neues ausprobieren.

Digitale Kirche ist eine Omnikirche – von Omnichannel (viele Kanäle). Genau so wie die Sparkasse je nach Bedarf Online, per Telefon oder als Filiale in Anspruch genommen wird.
Hausaufgabe: Geht nächsten Sonntag in eine andere Gemeinde und ihr werdet ganz bestimmt eine Menge lernen.

If you prefer the German version click here.

In July I had the opportunity to meet Adrian Harris, the first Head of Digital of the Church of England (CofE). Adrian has been in charge of online activities since October 2016. His department now has six employees who produce content and campaigns, among other things. Impressive what the church posted in the social media in July alone, here is an excerpt of the (translated) headlines:

  • Nomination in four categories on the shortlist of the Digital Impact Award 2018
  • The Church of England Digital Lab is expanding
  • We are looking for a Digital Content Producer

Adrian brings not only a lot of experience, but also a lot of momentum into the role. He was previously responsible for digital communications at the Conservative Party and Tesco. I learn that the CofE has 16,500 churches across the country and is the national, established Church. If I have understood this correctly, the CofE is not financed from tax revenues, but from some historical assets and the money that congregation members give. The controversies and the loss of members on the island are comparable to the German challenges.

I address him to the dwindling trust among young people in the church institution in Germany (83 percent do not trust religious institutions „at all“ or „rather not „*). Adrian is shocked, the problem isn’t the same in England.

  • I am interested in what support the „national office“ offers to the 16,500 worshipping communities across the country? A lot, I see! This gives e.g.
  • a website for churches to add local events and services, with lots more functionality on the way (this site receives more than 13 million page views each year): https://www.achurchnearyou.com/
  • the search function is also available as an Alexa Skill, which has lots of other functionality
  • Resources for the biggest campaign of the year: #FollowTheStar is the motto for Christmas 2018 and planning is already underway
  • A national website (www.churchofengland.org) with lots of video and other resources to help bring people to faith and grow people’s faith. This receives more than 9 million page views per year.

bty

It’s 1 pm, Adrian and I go to the roof terrace to watch the Royal Air Force air show. He is an aircraft enthusiast and does not want to miss the 100 planes that fly over Buckingham Palace.

#RAF100

I ask Adrian if he can tell me more about Justin Welby, Archbishop of Canterbury. I’m interested in how he got his 125,000 Twitter followers!? The next day Welby will announce that he wants to grow 100 new churches. The 27 million £ program focuses on places of greatest need and uses new forms. The whole programm stands for renewal and growth.

We come to the Alpha Course. I learn from my research that HTB Church, to which Alpha founder Nicky Gumbel belongs, belongs to the Anglican Church. I am not only one of Nicky’s 18,000 Instagram followers, but also a huge fan of his work. I recommend Adrian watch one of his last video posts: Nicky filmed his wife at a lecture. The quality is miserable, but the emotion conveyed is simply wonderful. A smile is inevitable!

I am very impressed with the activities that I got to know on July 10th. The CofE seems so agile, forward in a positive sense not interlectual and focused on people and communicating with them.

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The CofE is very transparent with their activities. The further links are definitely worth reading:

*Jugendstudie „Generation What“