Die Top Songs 2017 mit christlichen Inhalten auf YouTube

Ich bin ja in den letzten 3-4 Jahren großer YouTube-Fan geworden. Vor allem habe ich Abos rund um das Thema Reisen, aber auch Comedy-Videos von Thorsten Sträter & Co. schaue ich nicht gerade selten. Mich hat mal interessiert, was die fromme Musikszene so in diesem Jahr hochgeladen hat. Diese Playlist zeigt Euch die besten Songs des Jahres 2017 – soweit ich sie aufspüren konnte.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. So bin ich vorgegangen: Es wird allein die Anzahl der Views im Kalenderjahr 2017 zu Grunde gelegt. Nicht berücksichtigt habe ich Songs mit Lyrics, also Lieder, die nur mit Text unterlegt wurde. Ab wann ein Songtext christlich ist, habe ich willkürlich und nach bestem Gewissen festgelegt – Weihnachtslieder von säkularen Künstler z.B. habe ich ausgeschlossen.

Ich würde mich freuen, wenn ich viele beliebte Songs vergessen habe und ihr mir einen Hinweis gebt, welche noch aufgenommen werden sollten. Bitte Mail an: digitalmissionblog@gmail.com. Es ist schon auffällig, dass die Top Songs von einer überschaubaren Gruppe gestellt werden, allen voran die Band Koenige & Priester, die ohne Frage ein gutes Jahr hatten. Zuletzt habe ich sie im ZDF-Fersehgarten auftreten sehen!

Platz 10: Kanal Gebetshaus, 45.990 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 9: Kanal Gebetshaus, 55.051 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 8: Kanal Koenige und Priester, 57.403 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 7: Kanal Koenige und Priester, 74.164 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 6: Kanal Gerth Medien, 75.262 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 5: Kanal Glaubenszentrum, 83.007 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 4: Kanal Alive Worship, 87.840 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 3: Kanal thesolidbase, 98.978 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 2: Kanal DiePriesterVEVO, 178.394 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 1: Kanal Urban Life Church, 370.027 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Franziskus & Bibi – was man von diesen Influencern lernen kann: #DigitaleKirchekonkret

Mit €569k Followern in Deutschland ist der Papst wahrscheinlich der Geistliche mit der grössten Reichweite auf Twitter. Und zwar mit Abstand: Die Rangobersten der lokalen Landeskirchen sind mit 3,4k (Bedford-Strohm, EKD) bzw. nicht dabei (Marx, Katholische Kirche) eher abgeschlagen. Der EKD-Ratsvorsitzenden hat bei meiner Stichprobe allerdings die besseren Engagment-Werte (= (Likes + Shares + Comments) / Follower). Das spricht dafür, dass er eine qualifizierte Followerschaft hat, soweit man das aus dieser Stichprobe (n=4) überhaupt sagen kann.

So kann man sich das besser vorstellen:

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Mich begeistert, dass der Papst Twitter als Leitmedium nutzt und jeden Tag den Kontakt mit potentiell knapp 43 Millionen Followern in 9 Sprachen sucht. Gerade weil Twitter im deutschsprachigen Raum gar nicht so verbereitet ist sind die halbe Million um so bemerkenswerter.

Warum die YouTuber auf Twitter, das hierzulande als reichweitenschwaches Medium mit Kernzielgruppe Journalisten und Multiplikatoren so weit vorne und auf Augenhöhe mit dem Angebot von Spiegel, die Zeit und Tagesschau sind ist mir ein Rätsel.

Hier eine Liste der Top Twitterer in Deutschland (aus der Brille von Journalisten & Medienmachern).

Schauen wir uns mal an, was auf YouTube funktioniert. Vielleicht gibt es Hinweise darauf, wie es die über einhundert YouTube Abo-Millionäre auch auf Twitter geschafft haben die Million zu knacken.

Es gibt auf YouTube 3 Kategorien, die sich als besonders erfolgreich hervor getan haben:

#1: Unterhalten – Musik, Gaming usw.

Unterhaltung brauche ich nicht erklären, Ed Sheeran kommt in in Monaten auf 3 Millarden views, das spricht für sich selbst.

#2: Informieren und unterrichten

Diese Kategorie antwortet auf konkrete Suchanfragen – YouTube ist die zweitgrösste Suchmaschine der Welt. Die Beliebtheit von den seogenannten „How-to-Videos“ ist auch hierzulande groß. Weltweit gibt es etwas mehr als 135 Millionen* How-to-Videos.

Kennt ihr Daniel Jung und seine über 2.200 Mathe Tutorials? Einfach mal nach Satz des Pythagoras auf YouTube suchen. Der Kanal bringt es auf knapp 350.000 Abonnenten und über 100.000.000 Views. Nach Hilfestellung in Mathe wird offensichtlich häufiger gesucht.

#3: Inspirieren – Content, mit emotionalen Geschichten, Überraschungen

 

Auch bei den How-to-Videos geht der Papst voran: Auf Facebook erklärt er Kindern und Erwachsenen, wie man sich richtig bekreuzigt.

 

Die Magie von Bewegtbild ist die Nähe, die das Medium zum Betrachter aufbaut. Das kann kein Bild und kein Text leisten. Bibis Follower und ihre 4,7 Millionen YouTube Abonnenten nehmen Bianca Heineke aka Bibi als Freundin wahr, die sie gut zu kennen glauben. Es entsteht eine Beziehung über ihre Vlogs & Co., die Bibi zu einem Teenie-Star und einem der einflussreichsten Social Influencer gemacht hat.

Deshalb ist das Thema Bewegtbild der Social Media Trend Nummer im nächsten Jahr.

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Quelle: Socialmediatoday 2017

How-to-Videos oder Erklärvideos wären ein konkreter Ansatz, um in den socialen Medien Menschen zu erreichen, die z.B. nach der Bedeutung des Weihnachtsfestes suchen. Wie es darum steht, dass zeigt ein Feldtest in Berlin:

 

Ich suche nach weiteren Beispielen aus der christlichen Hemisphäre, wo gute Digitale Konzepte umgesetzt wurden. Die würde ich gerne auf meinem Blog highlighten und als Blaupause für potentielle Nachahmer sammeln. Ideal wäre, wenn durch Fakten belegt wird, dass es ich um einen Erfolg handelt.

#DigitaleKirchekonkret

 

 

*Quelle: YouTube Creator Academy

 

Die Weihnachtsbotschaft 2017

Mit emotionalen Weihnachtsgeschichten die Beziehung zum Kunden stärken, das ist ein Trend auf den immer mehr Marken aufspringen. Viele der 40 Millionen Youtube-Nutzer werden einen der folgenden Spots in diesem Monat sehen. Wo eigentlich finde ich eine Botschaft zum Thema Weihnachten von den Kirchen oder Ortskirchen?

Hier eine Auswahl:

Marke: IKEA; Thema: Jesus; Views am 01.12.2017: 1,975 Millionen

Marke: OTTO; Thema: Gemeinsam; Views am 01.12.2017: 2,004 Millionen

Marke: EDEKA; Thema: Ohne Liebe ist es nur ein Fest; Views am 01.12.2017: 1,415 Millionen

Marke: SATURN; Thema: Demenz; Views am 01.12.2017: 2,004 Millionen

Teil 4: Was Kirche vom Silicon Valley lernen kann – focus on the user

Ich schreibe hier immer noch Gedanken zum Artikel bzw. zur Frage der Woche (KW 45-2017) auf evangelisch.de auf. Heute der letzte Teil.

Von der „user-centricity“ hängt so viel an, wenn es um den Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung geht. Mit dem Blogpost zu Design Thinking habe ich bereits einen führenden Ansatz aus der Privatwirtschaft vorgestellt, sich diesem Thema zu nähern. Als deutsches NGO würde man sicher eher von „den Menschen in den Mittelpunkt stellen“ sprechen. Aber wir gehen ja vom Silicon Valley aus und daher benutze ich hier auch englische Varianten.

Gehen wir die Sache mal ganz praktisch an und buchstabieren „focus on the user“ an der Aufgabenstellung durch, das Kirche wieder stärker in Kontakt mit jungen Menschen treten möchte. Da gibt es hunderte Möglichkeiten, aber mir geht es im folgenden darum, dass Prinzip „focus on the user“ zu adaptieren. Als Rahmen dient das Design Thinking Konzept (siehe auch Blogpost Teil 3) – stark verkürzt und vereinfacht. Dieser kreative Ansatz ist im Silicon Valley beliebt und hat als Ausgangspunkt die Situation des Nutzers.

1. Am Nutzer / Menschen orientiert (focus on the user):

Wir fangen also nicht mit dem Nachwuchsproblem der Kirchen an. Wir schauen zuerst auf die Lebenswelt von Jugendlichen. Es gibt frei zugängliche Studien zur Lebenswelt von Jugendlichen, ich bin bei dieser aus 2017 vom BR hängen geblieben. Oder die Sinus-Studie von 2016, die u.a. besagt, dass die 14- bis 17-Jährigen an Sinnfragen interessiert sind. Auf spiegel.de findet man ebenfalls eine Zusammenfassung der Sinus-Sudie, unter anderem mit diesen Aussagen zu Glaube & Religion:

  • Egal ob christlich, muslimisch oder konfessionslos – generell interessieren sich Jugendliche sehr für die Fragen des Lebens: Woher kommen wir, wohin gehen wir nach dem Tod, was ist gerecht und moralisch?
  • Allerdings haben diese Fragen mit Kirche und Gottesdienst oft wenig zu tun. Der Trend geht zum individuell zusammengestellten „Patchwork aus vielen religiösen, quasireligiösen und spirituellen Angeboten“.

Neben Glaube aus multiplen Quellen (zu denen die Kirche offensichtlich eher selten gehört) sind es Liebe und Partnerschaft, Umweltschutz, Flüchtlinge sowie Identität und Herkunft. Verändert hat sich vor allem die Mediennutzung.

Tipp: Zusätzlich zu den Studien kann man natürlich auch Stichproben in Form von qualitativen Interviews o.ä. durchführen, was in der Regel immer hilfreich und erkenntnisreich ist.

Wie geht man nun konkret weiter vor: Aus den o.g. Themen sucht man sich eines heraus und filtert eine Problemstellung heraus. Ich greife mal das Thema Mediennutzung auf und setze an zwei Punkten an, die für Teenager kritisch sind. Der nächste Schritt ist die Formulierung eines realen Problems, das den Ausgangspunkt unseres Design Thinking Ansatzes bildet.

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a) „Wenn Teenager unterwegs sind und wenig / keinen Akku auf ihrem Handy mehr haben werden sie nervös und fühlen sich unvollständig.“

b) „Ohne kostenlose Wlan-Verbindung laufen Jugendliche, die unterwegs sind und keine echte Flatrate besitzen Gefahr, ihr oft begrenztes, mobiles Datenvolumen schnell aufzubrauchen. Die Konsequenz ist eine Drosselung der Datennutzung.“

2. Getrieben von Möglichkeiten

Für zentral gelegene Kirchen in Ballungszentren / Innenstädten sehe ich folgende Opportunitäten, diesen Problemen zu begegnen:

– Mobile Ladestation mit oder ohne persönlichem Klönschnack

– Feste Ladestation mit Schließfach

– Gebrandeter Powercharger mit Landingpage Aufdruck („chargeyourlife.info“) als Geschenk

– Gebrandeter Powercharger mit Landingpage Aufdruck („chargeyourlife.info“) im Verleih für 30-60 Minuten

– Solarbetriebene Ladestation nur bei schönen Wetter

Anmerkung: Es ist alles möglich im Prozeß des Design Thinking. Also Anmerkungen, dass ist viel zu teuer o.ä. Einwände bitte vorerst zurückstellen.

– Gratis Wlan per Beacon, QR-Code oder Registrierung anbieten: Schalte eine Stunde Gratis Wlan frei indem du dir ein Video anschaust (Kurze! Botschaft vom Jugendpfarrer o.ä.). Oder eine Follow auf Instagramm oder Snapchat, Mitglied Whatsapp-Gruppe oder eine Emailadresse.

3. Iterativ arbeiten

Es spielt keine Rolle, für welche Variante sich der Pfarrer, die Pfarrerin oder der Priester mit seinem / ihrem Team entscheidet. Wichtig ist loszulegen, Erfahrungen zu sammeln und im Zeitverlauf besser zu werden.

Der Deal zusammengefasst ist ungefähr dieser: Ich, die Kirche löse dein Problem und du nimmst dafür Kontakt mit mir in Kauf, digital oder persönlich. Zu Beginn steht schon mal eine positive Assoziation mit Kirche: “ Danke, dass ich meinen Akku bei euch aufladen darf. Ich muß dringend snappen!“ Dieser Eindruck darf nicht ausgenutzt werden, indem man überzogene Forderungen damit verbindet. Es sollte sich am Marktüblichen orientieren, z.B. an Starbucks, ein beliebter Hot Spot mit kostenlosem Wifi (und teurem Latte). Und ja, datenschutztechnisch muß alles blitzsauber sein.

Wenn ich an unsere Hamburger Hauptkirche St. Jacobi in der Mönckebergstraße denke, da laufen sicher Dutzende Teenies pro Tag vorbei. Mit Akkuproblemen 2-3 pro Tag vielleicht und Wlanjunkies 50? Anyway, es geht ja nur darum mal an diesem Beispiel zu zeigen, wie Nutzerorientierung funktioniert und wie man sich mit Design Thinking einen Prototypen ausdenkt.

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Einigen dürfte das Projekt godspot bekannt sein. Godspot ist ein kostenfreies, offenes Wlan-Angebot der Kirchen in Berlin und Brandenburg. Hier wurde „focus on the user“ umgesetzt und unter anderem auch für Flüchtlinge ein echtes Problem gelöst. Es wäre spannend zu erfahren, welche Learnings gemacht wurden und ob – im Sinne der Iteration des Design Thinkings – Verbesserungen seit dem Start letztes Jahr vorgenommen wurden.

 

Teil 3: Was Kirche vom Silicon Valley lernen kann – Fail often

Scheitere oft / fail often haben Kirchenmanager als Lernfeld bei einem Besuch der Bay Area mitgenommen (siehe Frage der Woche (KW 45-2017 auf evangelisch.de). Aber was bedeutet das genau? Der Claim wird sich ja wohl kaum auf die Qualität der Bestellungen von Amazon oder das iPhone beziehen? Er bedarf einer Einordnung und ich bin mir ziemlich sicher, dass „fail often“ im Kontext von Innovationskultur von Unternehmen Anwendung findet. Denn im laufenden Kerngeschäft scheitert man nicht gerne, weder in der Auto-, noch in der Medizinbranche noch sonst wo. Auch NGOs nicht.

Es geht also darum, mit welchen Konzepten und welcher Haltung wir uns dem Neuen, der Zukunft widmen. Dafür gibt es einen beliebten, in Kalifornien geprägten Ansatz oder nennen wir es ruhig eine Bewegung namens DESIGN THINKING, die inzwischen auch in Deutschland immer beliebter wird. Der Ansatz katalysiert die Unterhaltung über Veränderung, verbessert gleichzeitig die Team Zusammenarbeit und kann deshalb Kirche als Institution, aber auch Verbände und Ortskirchen in ihrer Entwicklung befruchten.

Design Thinking hat bereits in den 20er Jahren in der Bauhausphilossphie „form follows function“ seine Vorstufe  gehabt. Hier deutet sich schon an, wo die Reise beginnt: bei einem Nutzerproblem. Aber der Reihe nach, was ist Design Thinking?

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Design Thinking ist ein lösungsorientierter Ansatz mit einer Reihe einzigartiger Qualitätsmerkmale: es ist menschenzentriert, orientiert sich an Möglichkeiten, bietet Optionen an und arbeitet iterativ. Adios „German Angst“ sage ich da nur.

  1. Menschenzentriert: Es geht immer mit echten Menschen los und zwar in dem Sinne, dass ein tiefes Eintauchen in die Lebenswelt und damit verbundenen Herausforderungen / Problemen an erster Stelle steht. Bevor Lösungen auf den Tisch kommen wird die Lage der Personen und die Problemstellung antitzipiert. Design Thinking geht davon aus, dass das Potential, das Problem neu zu definieren groß ist und durch ein gemischtes, diverses Team ein „re-framing“ gelingt.
  2. Design Think ist auch getrieben von Möglichkeiten. Die Frage zu Beginn muss lauten: „Was, wenn alles möglich wäre?“. In diesem Zuge werden mehrere Optionen generiert, nicht nur der eine Weg ist der richtige.  Entscheidern wird ein Portfolio von neuen Ideen vorgelegt, zu denen sie Feedback geben. Wir erwarten, dass einige verworfen werden, das ist völlig ok.
  3. Und schließlich ist der Prozeß iterativ. Das bedeutet, dass wir Erfahrungen in der Realität hernehmen, um unsere Ideen zu überprüfen und zu verbessern. Es gibt keinen Blick auf historische Daten, es wird im hier und jetzt gelernt. Aber dass muß auch nicht bei erstem Mal klappen, unser Weg zum Erfolg ist iterativ.

Die führenden Quellen von Design Thinking sind die Stanford Univercity in Kalifornien und Tim Brown mit seiner Firma IDEO aus San Francisco. Hier Tims Definition:

“Design thinking is a human-centered approach to innovation that draws from the designer’s toolkit to integrate the needs of people, the possibilities of technology, and the requirements for business success.”

Die Stanford Uni kooperiert mit dem deutschen Hanno-Plattner-Institut. Die befassen sich schon seit 2005 mit Design Thinking und bieten seit 2007 einen gleichnamigen Studiengang an. Für interessierte Einstieger gibt es ganz neu ein bezahlbares Angebot in Kooperation mit der Zeit Akademie, siehe Video:

Fail often sollte also eingebettet sein in die Innovationskulutur einer Organisation. Und Design Thinking kann ein hilfreicher Katalysator sein, diese weiter zu entwickeln. Dennoch frage mich schon, wie es damit bei der Kirche bestellt ist. Ist sie innovationsfeindlich oder eher desinterssiert? Ist die digitale Müdigkeit vielleicht nur das Symtom einer Krankheit, die auch analoge Organe schwächt?

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Futter zum Nachdenken:

Interview mit dem Chief Innovation Evangelist bei Google, Dr. Ferderic Pferdt über Firmenkultur.

Culture eats Stratgy for breakfast – ein Blogpost zum Thema Geschwindigkeit und Kultur.

Videotipp: Wie man in seiner Organisation einen Failiure Award installiert: Bild klicken!

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Wenn ich auf einem anderen Stern lebe und Design Thinking nichts für die Kirche ist schreibt das bitte in den Kommentar.

 

 

Teil 2: Was Kirche vom Silicon Valley lernen kann – Move fast

Bewege Dich schnell / move fast haben Kirchenmanager als Lernfeld bei einem Besuch von globalen Playern und Start-Ups im Silicon Valley mitgenommen (siehe Frage der Woche (KW 45-2017 auf evangelisch.de). Aber muss Kirche überhaupt schnell sein wie die großen und kleinen Techies? Und wenn ja, in welchen Bereichen? Was wäre der Vorteil? Oder steht Kirche für Kontinuität und Entschleunigung, als Gegengewicht und Anker in unserer schnelllebigen Zeit? Ich merke sofort, dass sich Kirche in einem Spannungsfeld befindet und die Übersetzung von Schnelligkeit nicht sofort auf der Hand liegt.

Treten wir einen Schritt zurück und werfen einen Blick in den Schmelztiegel der Innovation: Für Technologie-Unternehmen gilt, wer nicht agil ist in einer Welt, die sich teilweise exponentiell verändert, droht abgehängt zu werden. Um dem Anspruch „move fast“ etwas Kontext zu geben filtere ich die aus meiner Sicht wesentlichen Trigger für die Notwendigkeit von „move fast“:

TRIGGER 1: DER ENABLER

Computing Power: Eine nicht unerhebliche Rolle spielt, wenn wir von Geschwindigkeit im Tech Sektor sprechen, das Mooresches Gesetz. Moore war Intel Mitgründer und er sagte voraus, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten alle 24 Monate verdoppelt.

Unter Komplexität verstand Gordon Moore die Anzahl der Schaltkreiskomponenten auf einem integrierten Schaltkreis. Mit meinen eigenen Worten: Mikrochips sind echte Killer geworden. Diese technische Entwicklung bildet eine wesentliche Grundlage der „digitalen Revolution“.

Schauen wir uns die konkrete Bedeutung auf der Zeitleiste an: Zehn Jahre vor dem iPhone Launch kostete der erste Computer $55m (Asci Red, 1.3 Teraflops; Flops ist ein Akronym aus dem Englischen und steht für „Floating Point Operations Per Second“. Auf Deutsch bedeutet das „Gleitkomma-Operationen pro Sekunde“.). 2006 hatte eine Sony Playstation für €499 bereits mehr Kapazität (PS3, 2,1 Teraflops). Innerhalb von 9 Jahren wurde ein Computer von nationaler Dimension Normalität in deutschen Haushalten.

Unter diesem Link findest Du einen super-kleinen, programmierbaren Minicomputer für €5,66, den Raspberry Pi Zero (191 Megaflops). Der hat mehr als doppelt so viel Rechenpower, wie die NASA in den Siebzigern, um die Mondlandung zu bewerkstelligen.

TRIGGER 2: UX

User Experimente (UX). UX oder Nutzererfahrung ist nicht zwingend mit dem Thema Geschwindigkeit in Zusammenhang zu bringen, aber im Bereich Technologie davon auch nicht zu trennen. Apple schaffte durch die Verbindung von exklusivem Design und einem intuitiven Produkterlebnis ein Kultobjekt, dessen Jünger nicht nur bereit sind, vor einem Launch vor dem Flagship Store zu übernachten, sie sind auch bereit fast jeden Preis zu bezahlen. UX und Computing Power sind eng verzahnt und entfalten im Smartphone ihren ganzen Charme. Ein Supercomputer im Taschenformat, den ich immer dabei haben kann. Siri bzw. Sprachsteuerung allgemein zündet die nächste Stufe UX. Darauf gehe ich beim nächsten Trigger (Künstliche Intelligenz) noch stärker ein.

Vor etwas mehr als 10 Jahren im August 2007 hat Steve Jobs das iPhone vorgestellt. Nokia, die eher auf Funktionalität ausgerichtet waren, war seinerzeit der Platzhirsch. Für Business Leute gab es Blackberry. An die Nokias zumindest können sich alle, die vor 1990 geboren sind, noch gut erinnern, richtig? Ein Jahrzehnt reicht offensichtlich aus, um eine ganze Branche auf den Kopf zu stellen.

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(Bild: Google)

TRIGGER 3: KÜNSTLICHE INTELLIGENZ (KI)

Erst im März diesen Jahres besiegte die Künstliche Intelligenz AlphaGo, eine von der Google-KI-Schmiede DeepMind entwickelte Software, den bis dahin als unbesiegbar geltenden koreanischen Weltmeister Lee Sedol. Go ist das schwerste Brettspiel der Welt (Bild oben) und wird vor allem in Asien gespielt. Die Spieler setzen abwechselnd ihre Steine in weiß und schwarz auf einem Brett mit 19 mal 19 Feldern. Das Ziel ist es, Steine des Gegners einzukreisen und so mehr Fläche als er auf dem Spielfeld zu erobern. Wer mehr als die Hälfte des Bretts eingenommen hat, gewinnt.

Doch schon eine halbes Jahr später, im Oktober 2017 sehen auch die Fähigkeiten von AlphaGo eher bescheiden aus, denn der Nachfolger AlphaGo Zero spielt noch besser. Viel besser. AlphaGo Zero gewinnt nahezu jede Partie gegen seinen Vorgänger. Nur einige Trainings haben gereicht, um mehrere Millionen Partien gegen sich selbst zu spielen – und deutlich besser zu sein als der Vorgänger und jeder andere Go-Spiel, ob menschlich oder digital.

AlphaGo haben noch Menschen antrainiert: Sie haben das KI-System mit Spielsituationen von Go-Gurus gefüttert. Die Software hat die Spielzüge genau analysiert und Lehren daraus gezogen. „Supervised Learning“ nennen das die Experten. Das KI-System lernt zwar selbständig und probiert auch viel aus, aber wird sozusagen betreut. Das ist beim neuen AlphaGo Zero anders. AlphaGo Zero greift erstmals nicht auf menschliches Expertenwissen zurück. Das neue System kennt nur die Spielregeln, mehr nicht.

Nochmal zusammengefasst: Über Jahrhunderte haben sich Spielstrategien vom Brettspiel Go, das um ein Vielfaches komplexer ist als Schach, bewährt und wurden weiter entwickelt. Der amtierende Weltmeister wurde von AlphaGo, einem Supercomputer geschlagen. Das „Update“ AlphaGo Zero spielt in ein paar Tagen mehrere Millionen Partien und ist dann seinem Vorgänger und dem Weltmeister sowieso überlegen, braucht nur noch die Spielregeln. Wir schreiben das Jahr 2017.

KI findet Anwendung z.B. in selbstlernenden Sprachassisten und selbstfahrenden Autos. Das Benzin sind extrem viele Daten und der Motor die sogenannten Supercomputer.

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Die Technologiebranche steht an der Speerspitze einer Revolution, die bereits in unserem Leben Einzug hält (Staubsauger Roboter, Alexa) und zurecht kontrovers diskutiert wird. Wir leben in der Zeit, in der die Kapazität der Computer erstmals die menschliche Intelligenz überholt und den Menschen nicht nur am Steuer ersetzen könnten. Völlig klar, dass hier politische und ethische Fragen aufkommen.

Das in Mountain View, Kalifornien anssäsige Singularity Univercity rät zum „Exponential Thinking“ als neues Mindset und Antwort auf globale Probleme. Hier ein Auszug von der Homepage:

We empower a global community with the mindset, skillset, and network to create an abundant future. Join us on a transformative journey from inspiration to impact, and discover what being exponential means to you.

Was bedeutet nun das aufkommende Zeitalter der KI für die Kirche? Gibt es analog zu Supercomputern, UX und Künstlicher Intelligenz kirchenspezifische Trigger? Oder sollte man vielleicht erst mit den Triggern anfangen, die Kirche langsam machen? Ich empfehle einen Blick auf die folgende Untersuchung:

Global-Disruption-Map

Kirche betrifft die Digitale Tranformation wie die Branchen im Quadraten rechts unten: später als die meisten (lange Lunte) und nicht so substantiell (kleiner Knall). Und damit wir uns richtig verstehen, es geht um fast alles – wie Kirche arbeitet, interagiert, kommuniziert usw. Social Media ist ein Feld unter vielen anderen.

In Bezug auf ihre Kern-Mission sollte Kirche Kontinuität und Kante zeigen, in den Formen diese zu den Menschen zu bringen schneller, kreativer werden und die User Experience verbessern, das wäre mein persönliches Fazit zum Thema Speed & Kirche. Dazu folgende Fragen zum Nachdenken:

Was müsste sich ändern, damit Kirche in Deutschland exponentiell wächst?

Wie müsste ein Gottesdienst aussehen, damit Menschen vor der Kirche übernachten, um dabei zu sein?

PS: Ein Gottesdienst ist kein iPhone, das hinkt, ist schon klar. Aber ruhig mal durchspielen, denn vielleicht ergeben sich dadurch Ideen, die das kirchliche Leben näher an den Menschen und seine Bedürfnisse zu bringen.

Was kann die Kirche vom Silicon Valley lernen? Thoughts…

Mein Post bezieht sich auf die Frage der Woche (KW 45-2017) auf evangelisch.de.

Mich hat die Frage nach der Übersetzung der 3 „Mantras“ des Silicon Valley Punkte move fast, fail often und look at the user in die Sprache bzw. Welt der Kirche angesprochen. Aber heute schreibe ich zunächst über den kulturellen Aspekt, um die o.g. Maximen in den richtigen Kontext zu bringen. Sonst könnte man auch sagen, oft Scheitern, daran sind die Kirchen ja schon vorne mit dabei.

Seit einem Jahrzehnt arbeite ich mit großer Freude auf der „dunklen Seite der Macht“, davon 3,8 Jahre bei Google. Welche Inspirationen aus Kalifornien hierzulande Sinn machen und wie Anwendungsbeispiele aussehen – und das ist weit mehr als ein bisschen Facebook – sollten wir als #DigitaleKirche gemeinsam erarbeiten. Dazu gehört auch die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Einstellung und Haltung.

Culture eats strategy for breakfast

 

Die Kirche hat in meinen Augen vor allem ein Kulturproblem. Sie braucht nicht nur neue Strategien oder Methoden, sondern eine neues Mindset. Ich bin wenig in Landeskirchlichen Kreisen unterwegs, aber was ich im Kontext von #DigitaleKirche so lese ist, dass der typische Kirchenfunktionär eher von ängstlicher Natur, mit wenig agilen Strukturen konfrontiert ist und zuweilen wenig selbstkritisch zu Werke geht. Mitunter wird viel philosophiert und wenig umgesetzt, ist da was dran?

Jedenfalls bin ich der Meinung, dass die Kirche jüngere Leiterinnen und Leiter benötigt, die einen Kulturwandel einleiten. Es darf auch gerne mehr Unterschiedlichkeit einkehren, um die Kreativität und Innovationskraft anzukurbeln. Mit der bestehenden Haltung werden auch weitere Besuche im Silicon Valley verpuffen. Und wenn hierzulande Kirchenpromis wie Margot Kässmann raushauen, dass sie Facebook ausprobiert, für nicht gut befunden und wieder beendet hat, dann zeigt sich an dieser Stelle eine große Ich-Bezogenheit. Denn 2,1 Milliarden Menschen, also jeder Vierte Erdenbürger sieht das anders. Diese unfassbare Anzahl loggt sich jeden Monat ein, 1,37 Milliarden täglich. Liebe Frau Kässmann, ich persönlich kann Facebook auch wenig abgewinnen, aber die haben immerhin 16% mehr Nutzer vs. Vorquartal dazu gewonnen, das sind ca. 300.000 Millionen in nur 3 Monaten. Vielleicht können einige von uns von der Dynamik etwas lernen und daran partizipieren?

Am Ende wird jede Form von Kirche ohne einen Kulturwandel scheitern, die #DigitaleKirche wie die analoge. Daher braucht die Kirche Menschen – nicht nur solche, aber auch – die neugierig und mutig sind und die Bereitschaft mitbringen, ständig zu lernen, Stichwort #lifelonglearning. Und Leiter, die einen großen Glauben haben, eine Vision im Sinne von THINK BIG. 10X Thinking und Moonshot Projects sind die entsprechenden Google Attribute. Die Börse spricht in dem Zusammenhang von den Big Bets (Autonomes Fahren, Smart Home Technologie, Künstliche Inteligenz usw.).

Zur Erklärung ein kurzes Beispiel: Der 10X Ansatz würde z.B. bedeuten, dass die Zahl der Kirchenbesucher im Zeitraum N von aktuell 3,6% auf 36% in der Evangelischen Kirche steigt.

Weiteres Gedankenfutter zum Thema:

  • Der Diakoniepräsident bloggt über seinen Besuch im Silicon Valley. Falls der Besuch von Kirchensteuergeldern finanziert wurde – gut investiert!
  • Es gibt einen lesenswerten Artikel zum Thema #DigitalKirche & Kultur in einer aktuellen Ausgabe des christlichen Medienmagazin Pro (Sie twittern nicht, sie ernten nicht).