Heute ist der 31. Oktober 2017 – wir feiern 500 Jahre Reformation, ein Grund zum Feiern. Aber ich mache mir Sorgen um die Kirche. Seit 2001 ist der Anteil der Menschen,, die einer Volkskirche angehören, um 10% oder absolut betrachtet um acht Millionen gesunken. Seit 1990 um 11,8 Millionen Mitglieder. Von den Ende 2016 verbleibenden 45 Millionen gehen nur ein Bruchteil zum Gottesdienst. Quelle: http://www.kirchenaustritt.de/

Auch wenn die Kirchen finanziell gut dastehen, sie stecken in einer Krise – zumindest würden wir das in der Wirtschaft so nennen, wenn das Negativwachstum so nachhaltig ist. Leider hält sich die Selbstkritik teilweise in sehr engen Grenzen, wie die Reaktion auf 162.092 verlorene Mitglieder in 2016 zeigt:

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sagte: „Wir freuen uns, dass fast ein Drittel der Bevölkerung unseres Landes zur katholischen Kirche gehört.“ Die Zahl der Austritte wertete er als „Form der Distanzierung“. Sie zeige, „dass die Weitergabe des kirchlichen Glaubens nicht vollständig gelungen ist“. Es sei nötig, die Beweggründe zu verstehen und das Handeln der Kirche „danach kritisch zu überprüfen, um es da – wo notwendig – auch neu auszurichten“.

Den ganzen Artikel findet ihr auf zeit.de.

Offensichtlich sieht der Sekretär nach 4-5 Millionen Austritten in den letzten 15-16 Jahren keinen akuten Handlungsbedarf. Dabei sind die Gründe erhoben und bekannt, unter anderen geben rund ein Drittel an, dass sie mit der Institution Kirche unzufrieden sind und deshalb austreten.

Und die Statistik der Gottesdienstbesuche weist auf ein weiteres Problem hin, den großen Graben zwischen Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern.

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Im anglo-amerikanischen spricht man von fehlender Stickiness oder mangelndem Engagement. Wie kann es gelingen, die Bindung an die Kirchen zu verbessern? Ganz sicher durch Digitale Kommunikation, die 24/7 zur Verfügung steht.

Laut einer Fachzeitschrift für Kommunikation gelingt es der Evangelischen Kirche, in der ich getauft und konfirmiert wurde, auch im Reformationsjahr nicht die Menschen zu erreichen, ins Gespräch zu bringen. Zu intellektuell sei die Kommunikation fasst es die Redakteurin zusammen und kritisiert den Alltagsbezug:

Werte und Ideale müssen im täglichen Kontext der Menschen immer relevant bleiben, sonst hat der Glaube für das Alltagsleben und die Grundhaltung immer weniger Bedeutung. Denn die Menschen suchen gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit eine Heimat und Orientierung.

Katrin Böhme, Leiterin des Competence Circles Markenmanagement beim Deutschen Marketing Verband

Das würde ich so unterschreiben. Der Bedarf ist zwar da, aber die Kirche bringt die PS nicht richtig auf die Straße. Den ganzen Artikel findet ihr auf Horizont.de.

Nach dem Motto nicht meckern – besser machen habe ich mich gefragt, wo mein Anteil an einer Kehrtwende liegen kann. Und das jenseits des Engagements bei den Christlichen Pfadfindern und Glaubensgrundkursen, die meine Evangelische Freikirche zwei- bis dreimal im Jahr anbietet.

Nutzen wir Christen das volle Potential des Internets? Darum soll es im folgenden gehen, um die Chancen, die Technologie bietet, um unsere Mission vor Ort zu erfüllen, unabhängig davon, ob Ihr Fokus diakonischer, missionarischer, musikalischer oder sonstiger Art sein möge.

Das Internet ist Fluch und Segen zugleich. Wir können es verfluchen oder zum Segen werden lassen. Wenn Sie Probleme mit dem Datenschutz von Facebook und Co. haben und skeptisch gegenüber dem Teilen von Informationen sind, dann können Sie hier aufhören zu lesen. Ich beschäftige mich mit den Chancen des Digitalen, Sie finden ausreichend kritische Blogs im Web, die das Augenmerk auf die Gefahren lenken. Und das zurecht, ich bin mir dessen bewusst, aber mein Thema sind nicht die Schattenseiten des Netzes (wie z.B. Datenmissbrauch, Fakenews und Hatespeech oder schlimmer noch Enthauptungsvideos und Anleitungen zum Bombenbauen). Ich versuche hier die die „Opportunity Seeker“ anzusprechen, „Whitenet“ statt Darknet.

Die Chancen der Digitalisierung entstehen aus meiner Sicht unter anderem dadurch, dass sich jeder Mensch, der Online ist, ausdrücken kann mit Bild, Text und Video – in Echtzeit. Ländergrenzen gibt es nicht mehr, denn das Netz ist ein globales Dorf. Möglicherweise wird das unsere Landesgrenzen in Zukunft beeinflussen und ihre Bedeutung wird abnehmen. Wenn die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung anhält wird der Großteil der acht Milliarden Menschen im Jahr 2025 Internetzugang haben. Und zwar rund um die Uhr, denn der Zugang wird günstiger (und schneller) sein als heute. Zudem werden die Endgeräte immer leistungsfähiger durch Chips, deren Performance sich alle 18 Monate verdoppelt.

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Die Technologie wird sich also unaufhaltsam weiter entwickeln und uns bessere Nutzererlebnisse verschaffen. Intelligente Sprachsteuerung und ruckelfreie HD Videos auf dem Smartphone sind schon heute einigen von uns nicht unbekannt.

Soweit so gut, wie schlagen wir Frommen nun Kapital aus dieser Digitalen Revolution? Ist dies auch der Beginn einer Kulturrevolution, wie ihn die Erfindung des Buchdrucks und Luthers Reformation ausgelöst hat? Die Rolle der Distribution von Luthers Anliegen ist meiner Ansicht nach auf keinen Fall zu unterschätzen.

Ein Artikel der christlichen Medienzeitschrift Pro widmete sich vor Kurzem der Frage, ob die Christen die Digitalisierung verschlafen: „Sie twittern nicht, sie ernten nicht.“ Die These würde ich bejahen in dem Sinne, dass es wichtig ist im Alltag der Menschen sichtbar und relevant zu sein. Es reicht auch nicht aus nur eine Webseite zu haben, die erstmal gefunden werden will. Außerdem verbringen die Deutschen schon heute mehr Zeit auf dem Handy als im Web, insbesondere in Social Apps.

Wie weit die Kirchenoberen von der Realität entfernt sind beweißt der Aufsichtsratschef des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP) und EKHN-Präsident Jung mit der Aussage, sich für Facebook ein ganzes Jahr Zeit zu nehmen, um nachher eine „gründliche“ Bewertung dieses Mediums vornehmen zu können. Jung gilt als „Medienbischof“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und unterschätzt die teilweise exponentielle Entwicklung des Internets. Wer so wenig agil ist und keinen Mut zeigt wird nicht viel erreichen.

Wer die Geschwindigkeit verfolgt, in der sich die Digitale Welt entwickelt kommt schnell darauf, dass eine Entwicklungszeit von einem Jahr nicht geeignet ist, um Schritt zu halten – Stichwort MySpace oder StudiVZ. Wir brauchen eine Start-Up Kultur für unsere digitalen Auftritt. Der Pro-Artikel vermutet, dass die „German Angst“ dieser neuen Kultur im Wege steht. Christen sind traditionell eher Bewahrer und stehen nicht für Innovation. Sprechen wir lieber von Reformation, die in unserem säkularen Land so dringend gebraucht wird. Die Volkskirchen schließen immer mehr „Filialen“, die sprudelnden Steuereinnahmen verzerren, dass die Volkskirchen rapide an Bedeutung verlieren. Diese Gemengelage verhindert das Aufkommen einer Start-up- und Freiwilligenkultur, wie die Autoren des Pro Artikels richtig schlussfolgern. Hier finden Sie den Link zum Download des Magazins.

Die Digitale Transformation unserer Gesellschaft ist eine große Chance für uns Christen, Präsenz zu zeigen, unsere Gotteshäuser virtuell zu öffnen und unsere Gute Botschaft zu den Menschen zu bringen. Die Digitalisierung ist dabei und wird schneller als wir es uns vorstellen können, unsere Gesellschaft, unserer Arbeitsleben und unsere Freizeit fundamental verändern. Digital ist nicht das Allheilmittel, aber kann unsere großen Stärken der Gemeinschaft und persönlichen Beziehungen wunderbar ergänzen. Nicht umsonst boomen Soziale Netzwerke, eben weil unsere Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Anerkennung, Likes, Erlebnisse zu teilen und Beziehungen zu pflegen so groß ist. Wir Menschen sind zutiefst soziale Wesen, weil Gott uns so geschaffen hat. Ob es uns passt oder nicht, ein Teil dieses sozialen Lebens findet heute Online statt. Dazu ein Beispiel uns meiner Gemeinde, einer Freikirche mir ca. neunzig Mitgliedern und ebenso vielen Gottesdienstbesuchern. Auf Facebook folgen uns 277 Freunde, also dreimal so viele wie am Sonntag für ca. zwei Stunden in unseren Räumen zu Gast sind. Offensichtlich erreichen wir also eine Followerschaft, die weit über den engeren Kreis hinaus geht und das potentiell sieben Tage die Woche. Darunter sind Menschen, die wahrscheinlich noch nie einen Gottesdienst besucht haben, aber unsere Stadtteilarbeit schätzen. Aber auch unsere Mitglieder werden mit Terminen und Fotos auf dem Laufenden gehalten. Was darüber hinaus möglich ist werden wir uns zusammen anschauen.

Bei meinem ersten Tipp geht es um ein kostenloses Tool, das beinahe in Echtzeit zeigt, womit sich die Republik beschäftigt. Google Trends bereitet die aktuellen Suchtrends von Google und YouTube seit 2004 auf. Auf dem Bild finden Sie die Trends von heute, dem Reformationstag:

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Und als weiteres Beispiel die indexierte Nachfrage von „Gottesdienst“ in meiner Heimat Hamburg seit 2004.

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Dieses kostenlose Tool lege ich Ihnen ans Herz, um im Auge zu behalten bzw. auch frühzeitig zu erkennen, was die Gesellschaft beschäftigt.

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