Wir sind uns Alle einig, dass Kirche, wie wir sie heute kennen ein Auslaufmodell ist. Möglicherweise wird erst der Wegfall der Kirchensteuer in 2020ern die notwendigen Reformen anstoßen. Oder sind wir etwa bereit weiter Gema Gebühren zu zahlen, wenn die Mehrheit des Landes Streamingdienste wie Netflix oder Privatsender schaut? Ich denke nicht.

Im Jahr 2025 werden vielleicht immer noch 3,6% der Mitglieder der Evangelischen Kirche in Gottesdienste gehen (Stand 2016), aber absolut gesehen werden es spürbar weniger sein, als heute. Der Grund: Jedes Jahr verliert die Kirche rund 200.000, das Niveau sinkt also stetig. Dafür steigt die Zahl der virtuellen Besucher bei denen, die ihre Gottesdienste live übertragen. In Zukunft wird es reine Online-Gemeinden und Gottesdienste geben. Das wird sich langfristig auch auf Kirchenmitgliedschaft und -finanzierung auswirken. Was bedeutet Zugehörigkeit, wenn der zentrale Treffpunkt nur noch Online stattfindet? Die lokale Gemeinde vor Ort wird weiter bestehen, aber wenn sie Digital nicht stattfindet hat sie kaum Relevanz. Weil die Kirche zu den Menschen gehen muss, ein Paradigmenwechsel. Kirche ist auf dem Weg, dass neue Karstadt zu werden. Um überleben zu können muss es wie Amazon werden: erreichbar, schnell, innovativ.

Schon heute können wir mit einem Handy, einem Mikrofon und einem YouTube oder Facebook-Kanal einen Übertragung starten. Zugegebermassen ist das sehr basic. Es muss nicht gleich der ZDF Fernseh Gottesdienst dabei rauskommen. Wenn Sie 2025 einen virtual reality Gottesdienst ausstrahlen wollen, der den Zuschauern eine dreidimensionale Erfahrung in Ihren Räumen ermöglicht, müssen Sie heute irgendwo anfangen.

Nicht nur, dass potentiell die ganze Welt zuschauen kann, es werden auch ganz sicher Menschen, die sich lokal zur Gemeinde halten und verhindert sind zuschauen. Logistische Hindernisse, Krankheit, Menschenscheu – es gibt viele Gründe, warum es Sinn macht sich von zu Hause oder unterwegs in die Predigt einzuwählen. Oder der Pastor, die Pastorin oder der Priester wählt sich ein und predigt und segnet online in Echtzeit.

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Kann eine Live-Stream die Qualität erreichen wie ein vor Ort Erlebnis? Nein. Auch nicht mit virtual reality? Never! Wobei die Qualität des vor Ort Termins diskussionswürdig ist, oder warum gehen im Schnitt nur 3,6% der Mitglieder hin?? Das Bedürfnis und der Wert persönlicher Begegnungen wird 2025 stärker sein als je zuvor angesichts der digitalen Durchdringung und der damit verbundenen Automatisierung. Menschen werden sich ihren Ort der persönlichen Begegnung und des sozialen Austausches suchen, aber im Kontext der Kirche? Es ist die Gemeinschaft mit Menschen, die motiviert in die Kirche zu gehen. Eine gute Predigt bekomme ich im Netz ohne Probleme.

Anyway, schauen nochmal wir uns nochmal die Vorteile und Beispiele eines Live gestreamten Gottesdienstes an: Der von uns unterstütze Missionar in Afrika kann per Stream die Predigt für uns aus seinem Heimatort halten. Heutzutage fliegt er dafür, um die halbe Welt. Er kann aber auch nur als Teilnehmer dazu kommen, um Kontakt zu seinen Unterstützern zu halten.

Oder ich liege mit gebrochenem Bein und Kopfhörern im UKE und kann mit dem Handy den Jugendgottesdienst verfolgen, den meine Söhne mit gestalten.

Amazon hat dieses Jahr in den USA für über 13 Milliarden Dollar die Handelskette Whole Foods gekauft. Meine Hoffnung ist, dass aus den Online-Gemeinden 2025 eine neue Generation von Kirchen auch mit lokaler, non-digitaler Präsenz ensteht. Und ich gehe fest von einer besseren Ratio als 3,6% aus!

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