In den nächsten Wochen werde ich einzelne Kapitel aus meinem Ebook „YouTube für Kirchens – eine Anleitung für Gemeinden, die mit Storytelling Beziehungen bauen wollen“, veröffentlichen.  Im folgenden fünf einleitende Argumente, warum die Verbreitung von Inhalten über Video- und soziale Plattformen (mit YouTube als Beispiel) Sinn macht:

  1. Wir haben die Gute Botschaft, vielleicht die Beste
  2. Die großen Social Networks (EKD & Kath. Kirche) agieren im Verborgenen
  3. YouTube baut beständige Beziehungen auf
  4. Jeder kann etwas beitragen
  5. YouTube for Non-Profits

Die Gute Botschaft, vielleicht die Beste

Wenn wir selbst daran glauben, dass das Neue Testament die Gute Botschaft Gottes an uns Menschen ist, macht es keinen Sinn, damit hinter dem Berg zu halten. Ich denke da sehr pragmatisch. Ein Beispiel: Man muß nicht 100% mit den Inhalten der Bild-am-Sonntag übereinstimmen, um eine wöchentliche Kolumne über den Glauben zu veröffentlichen. Immerhin haben zehn Millionen Menschen die Chance, den Artikel zu lesen und sich mit christlichen Geschichten und Werten zu beschäftigen. Ich begreife das Engagement als Chance und nicht als fragwürdige Beteiligung an einer umstrittenen Wochenendzeitung. Daher sollte gelten, dass im Zweifel die Gute Botschaft auch in manchmal nicht so guten Umfeldern erscheinen darf und soll – das kann ja durchaus auch für einen guten Kontrast und Abwechselung sorgen.

Darüber hinaus ist die Gute Botschaft potentiell für jeden relevant in dem Sinne, es gibt keine Kernzielgruppe auf die sich kirchliche Kommunikation konzentrieren sollte. Massenmedien qualifizieren sich daher besonders für die Verbreitung. Viel Reichweite bedeutet viel Einfluß – und schon landen wir wieder bei digitalen Medien. Aber auch Bild-am-Sonntag und Fernsehen sind und bleiben attraktive Partner, wenn man relevant bleiben will.

Die großen Social Networks fliegen unter dem Radar

„Funktioniert Christentum im Internet also einfach nicht?“ fragt das Magazin Vice Ende April 2018, nachdem sie sich die Follower der EKD auf Facebook, Instagram und YouTube angeschaut haben. Das stimmt für die Volkskirchen, aber nicht für das Christentum per se: Die Hillsong Church Germany, eine aus Australien stammende Freikirche und mit drei (!) Gemeinden in Deutschland ein Nobody (aber eine wachsender) bringt es auf 1/3 mehr (nämlich 24.000) Follower als das EKD-Angebot. Und wer kleiner ist als Nobody  hat ein Problem, erreicht seine 22 Millionen Mitglieder zumindest über Facebook unverhältnismäßig wenig.

Wie auch immer, jedenfalls haben beide Volkskirchen riesiges Potential als Netzwerk oder Marke erreichbar zu sein. Aber es fehlt die „One-EKD“-Plattform, die Leuchturm-Love-Brand, die Affinität der Evangelischen, die Relevanz der Inhalte oder die Kommunikationsstrategie. Wahrscheinlich ist es ein Mix aus all dem!? Wer aber im Digitalen nicht, dezentral oder leidenschaftslos kommuniziert hinterlässt auch eine Botschaft (!) und zusätzlich viel Raum für die mitstreitenden Anbieter für spirituelles und soziales Leben.

YouTube schafft beständige Beziehungen

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Wenn Sie etwas mitzuteilen haben oder auf dem Herzen haben ist Bewegtbild aus vielen Gründen jeder anderen einseitigen Kommunikationsform (im Sinne one-to-many) überlegen. Schnelligkeit der Aufnahme beim Empfänger, Emotionalität und Einfluss sind nur einige schlagkräftige Argumente, die nicht nur Marken zum Beispiel in Form von 30-sekündigen Werbespots für sich nutzen. Oder schauen wir auf die Mediennutzung, deren Königsdisziplin seit mehr als vier Jahrzehnten das Fernsehen ist – mit beeindruckenden drei Stunden und 41 Minuten Sehdauer täglich in 2017. In Ostdeutschland liegt täglich Sedauer bei über sechs Stunden bei den über 65-Jährigen – what?!

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Morgan Stanley schätzt den Wert von YouTube auf 160 Milliarden Dollar ein. Das liegt über der Schätzung von Disney. Bewegtbild fasziniert uns scheinbar fast alle, richtig? Eine mögliche Erklärung ist diese: Menschen hören, sehen und erzählen gerne Geschichten. Wo nun kann der Wert von YouTube für die Kirche bestehenden? Eine hervorragende Möglichkeit ist aus meiner Sicht, dass auch bei Kirchens Geschichten erzählt und durch ihre Menschen menschlich wrid. YouTube kann eine anonyme Anlaufstelle (z.B. für Suchtkranke, Suizidgefährdete), ein digitaler Katechismus oder virtueller Schaukasten sein, je nachdem wie man es nutzen möchte. Aber es sollte vor allem ein Ort sein, an dem man normalen Menschen und ihren alltäglichen und nicht-alltäglichen, inspirierenden Geschichten begegnet.

Lies dazu auch meinen Artikel „Franziskus & Bibi – was man von diesen Influencern lernen kann: #DigitaleKirchekonkret“.

Mobile Video explodiert

Alles spricht für einen beispiellosen Siegeszug dieser Disziplin: Internet-, Wlan und vor allem die Durchdringung unserer Gesellschaft durch mobile Endgeräte. 2020 soll der 5G-Standard eingeführt werden, was die ohnehin nicht schlechten Übertragungszeiten nochmal deutlich verkürzen sollte. Wir stehen noch ganz am Anfang vom Konsum von mobilen Videos, wenn man dieser globalen Hochrechnung von Cisco Glauben schenkt.

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Deutschland hängt ja bekanntermaßen im Breitbandbereich und generell im Digitalen hinterher, daher sind eventuell noch größere Wachstumsraten für Mobile Video denkbar.

Jeder kann etwas beitragen

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Über 400 Stunden Inhalte werden pro Minute auf YouTube hochgeladen. Das kann also nicht so schwer sein, oder? Ein Handy, Internet und eine Person, die filmt – so haben viele YouTuber Karrieren begonnen. Damit sind wir alle zu potentiellen Fernsehmachern geworden und Bewegtbild ist demokratischer geworden.

Es gibt wirklich zu so fast allen Themen einen Überfluss an Videos, z.B. für Handwerker Besprechungen von Werkzeugkästen. Oder für Schüler: „Mathe by Daniel Jung„, ein Kanal mit über 2.200 Mathe-Tutorials und -skripten. Herr Jung unterrichtet nach eigenen Angaben jeden Monat über eine Million SchülerInnen und StudentInnen. Wenn schon eine Mathe-Community über 400.000 Abonnenten hervorbringt, dann sollten wir Christen uns nicht mit weniger zufrieden geben. Wer glaubt, dass Mathe ein Nischenthema ist sollte den Kanal TheSimpleMath besuchen, der bringt es auf knapp 700.000 Abonnenten.

Ist christlicher Glaube und Kirche ein Nischenthema geworden? Analog zu Facebook sprechen die YouTube-Zahlen eine eindeutige Sprache. Wir haben es aber selbst in der Hand. Lasst uns mutig und kreativ sein – wir haben viel zu sagen und zu geben. Oder hat der kircheninterne „hate speech“ gegen Whatsapp und Facebook die eigenen Mitglieder so sehr eingeschüchtert, dass die Freiheit einfach nicht da ist, bei einem global Player Videos hochzuladen?

Jeder von uns kann einen Unterschied machen. Und denkt bitte daran:

It’s More Important to Start, Than to Succeed

In den nächsten Kapiteln werde ich darauf eingehen, wie man mit einem eigenen YouTube-Kanal starten kann. Grundlage für sehr viele Kanäle ist Leidenschaft – siehe Mathe by Daniel Jung. Ein potentieller Lehrer, der sein Examen nicht geschafft hat brennt weiter für das Fach und findet seinen ganz eigenen Weg.

Was ist deine Leidenschaft? Wofür brennst Du? Die Antwort ist ein guter Punkt um zu starten.

YouTube for Non-Profits

„Über YouTube für Non-Profits erhalten gemeinnützige Organisationen Zugang zu exklusiven YouTube-Funktionen für die Interaktion mit Helfern, Freiwilligen und Spendern.“

So heißt es bei Google auf entsprechenden Hilfe-Seite. Wie kann nun die Kirche von diesem Programm profitieren?

  1. Finanziell können registrierte gemeinnützige Organisation am AdGrants Programm teilnehmen.  Dahinter verbirgt sich kostenlose Werbung über AdWords, der Online-Werbelösung von Google, im Wert von bis zu 10.000 $ USD pro Monat. YouTube Werbung wird zum grössten Teil über AdWords ausgespielt. Sie erhalten also faktisch Zugang zu YouTube-Werbung.
  2. Ressourcen: Man kann sich für einen Termin im YouTube Space, Berlin bewerben. Das ist eine Art Filmstudio, wo Kurse für YouTuber angeboten werden und solche, die es werden wollen. Es gibt auch Hard- und Software sowie wechselnde Kulissen, die vor Ort zum Drehen und Schneiden genutzt werden können. Kernzielgruppe sind Creator, die mit YouTube auch beruflich durchstarten wollen, oft sind 10.000 Abonnenten die Untergrenze. Als Non-Profit hat man bessere Chancen, auch ohne die Standard-Voraussetzungen zu partizipieren.

Die Bedingungen für AdGrants wurden Anfang 2018 geändert. Die neuen Richtlinien zielen in Richtung höhere Relevanz bei Suchwortanzeigen. Details finden Sie in dem folgenden Artikel des Fundraiser-Magazins oder der Google-Hilfe.

PS: Ich schreibe hier als Privatperson, bin aber seit mehr als vier Jahren bei Google beschäftigt. Alle Informationen sind öffentlich zugänglich. Meine Meinung spiegelt nicht notwendigerweise die meines Arbeitgebers wider.

Quellennachweis: Pixabay

 

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