Digitalisierung bedeutet nicht die Soft- und Hardware zu erneuern, einen Segensroboter auf Events zu präsentieren, Symposien zum Thema durchzuführen und auf den sozialen Netzwerken zu posten. Führungskräfte müssen die digitale Transformation als den grundlegenden, strategischen Paradigmenwechsel anerkennen, der sie darstellt. Wie jede große Transformation erfordert auch eine digitale Transformation die Vermittlung einer Kultur, die den Wandel unterstützt und gleichzeitig die übergreifende Strategie der Organisation ermöglicht.

Die Einbettung einer digitalen Kultur in eine Organisation ist möglich, erfordert aber eine klare Methodik und einen disziplinierten Aufwand. Warum die Vermittlung einer digitalen Kultur wichtig ist hat die Boston Consulting Group (BCG) für Unternehmen formuliert (1):

  • Ignorieren der Kultur kann zum Scheitern der Transformation führen
  • Eine digitale Kultur ermöglicht es den Menschen, schneller Ergebnisse zu erzielen.
  • Eine digitale Kultur zieht Talente an.

Die 5 Kernelemente einer digitalen Kultur sieht BCG hierin:

  1. Es fördert eine externe und nicht eine interne Orientierung.
  2. Delegation vor Kontrolle.
  3. Es fördert Mut stärker als Vorsicht.
  4. Es betont Maßnahmen stärker und weniger die Planung.
  5. Sie schätzt die Zusammenarbeit mehr als den individuellen Aufwand.

Ich habe die Digitalisierungsbemühungen im „kirchlichen Raum“ ein Jahr aus der Distanz und manchmal auch aus der Nähe verfolgt und sehe im Kulturwandel nach wie vor den größten Wachstumsbereich. In allen 5 oben aufgeführten Punkten sehe ich großen Handlungsbedarf.

Joachim Stängle hat einen interessanten, differenzierten Artikel zum Thema Digitalisierung der Volkskirchen als (letzte) Chance geschrieben. Allerdings ist die von ihm beschriebene Kundenorientierung nicht der Schlüssel, sondern Fokussierung auf Kunden/Mitglieder nur der Ausdruck einer Organisationskultur: Culture eats strategy for breakfast! Neu denken lernen, das trifft den Kern der Herausforderung besser. Transformation ohne Kulturwandel wird scheitern.

Ob und wie die Digitale Revolution gelingt ist völlig offen. Wo ich in den letzten 12 Monaten gute Ansätze bzw. gute Beispiele gefunden habe:

  • Die kleine, aber umtriebige Community #DigitaleKirche auf Twitter zeigt viel Mut und hat viele Ideen
  • In verschiedenen BarCamps wird Kollaboration und Vernetzung betrieben
  • In Liveübertragungen in den sozialen Netzwerken wird Interaktion und Participation geprobt – siehe aktuelles Beispiel der Hauptkirche St. Nikolai – Hamburg
  • Die Church of England hat den Kulturwandel erfolgreich eingeläutet, das findet Ausdruck zum Beispiel im Churchfinder
  • Shifthappens
  • Die Bewegung GottDigital
  • Das Bibel-Projekt
  • Christlicher Poetry Slam

(1): It’s Not a Digital Transformation Without a Digital Culture

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