Why are you creative? #shift2019

Because I’m human.

Die 2019er Ausgabe „shift“ stellte die Frage nach unserem schöpferischen Potential in den Mittelpunkt. Für mich ist klar: Wer Ebenbild des Schöpfers ist braucht nach dem Grund seiner Kreativität nicht lange zu suchen. shift ist eine Zukunftskonferenz mit dem Fokus auf Kreativität, Digital / Social und Glaube. Wenn Shift der Wandel ist, in dem wir uns befinden ist Kreativität die Rezeptur, wie wir ihn gestalten.

Es gab für mich eine Reihe Themen, die ich gerne gehört bzw. besucht hätte. Es waren einige Highlights dabei, wie ich von anderen TeilnehmerInnen gehört habe. Ich bin aus verschiedenen Gründen insbesondere dem Thema Design Thinking (vereinfacht: kreatives Problemlösen) nachgegangen. Es gab aber unter anderem auch diese spannenden Anbgebote:

  • Immersives Storytelling
  • CoWorking / CoCreation
  • Verschiedene Tracks zum Thema Unternehmenskultur

Was die Zukunft (der Kirche) angeht: Let’s face it: Niemand weiß es. Was wir aber wissen ist, dass Kreativität eine größere Rolle einnehmen wird. Sie kann helfen der Kirche ein neues Narrative jenseits des Rheinisches Grundgesetzes „es hätt noch immer jot jejange“  zu entwickeln. Rheinisches Grundgesetzes übersetzt heißt, den Optimismus aus der Tatsache zu ziehen, dass Kirche die Trends der letzten zwei Jahrtausende überlebt hat, während die DDR, NOKIA und Kodak nicht reüssiert haben. Die shift-Community verstehe ich einerseits als Gemeinschaft von Gestaltern, die nach vorne schauen („Resonanzraum für Zukunftsfragen“) und andererseits konservative Bewahrer dessen, was Kirche immer ausgemacht hat. Und das war schön zu erleben, die vielen GründerInnen, UnternehmerInnen und experimentierfreudige/n GestalterInnen, die mit sozialen, kirchlichen und kommerziellen Projekten experimentieren bzw. damit ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Ich bin froh, dass ich mich noch kurzfristig entschieden habe Ende Februar in den Design Center der Hochschule nach Hannover zu fahren, um mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, gemeinsam zu lernen und Zukunftsfragen zu diskutieren. Nach eineinhalb Jahren Bloggen und Twittern für mehr kulturellen Wandel endlich angekommen bei den „Just do it“ Kirchen-Pragmatikern? Auch, aber nicht nur würde ich meinen.

Aber zurück in die Zukunft: Gastgeber ist die Medienarbeit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers zusammen mit Prof. Gunnar Spellmeyer und Nexter (Entrepeneurship Center der Hochschule Hannover) sowie dem Mann, der alle Fäden zusammenführt: Klaus Motoki Tonn. Die Liste der Speaker und einige Impressionen findet ihr auf shifthappens.how.

In der ersten Keynote gab Prof. Spellmeyer einen Crash-Kurs in die Methode des Design Thinking ohne allerdings die Brücke zu den Herausforderungen der Kirche zu schlagen. Es war spannend zu verfolgen dass ein Experte für Industriedesign ein ähnliches Methoden-Bild zeichnet wie es bei uns in der Corporate Welt üblich ist.

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Die fünf Phasen des Design Thinking

Ich halte Design Thinking für sehr relevant, um die Kultur von Kirche zu verändern. Wichtig ist nicht nur die Methode als solches, sondern die Mindsets, die damit einhergehen: kreatives Selbstbewusstsein, Empathie, von Fehlern lernen, machen ist besser als planen, Optimismus, Ungewissheit umarmen und eine Kultur der Iterationen. Wann Design Thinking überhaupt Sinn macht erfahren wir in der Nachmittagssession von Meline Costa, Co-Founderin der Berliner Innovationsagentur Coeva.

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Design Thinking hilft dabei eine Innovationskultur aufzubauen

Design Thinking war vielleicht auch deshalb ein Schwerpunkt der Veranstaltung, weil  sich Kirchens aus meiner Sicht nicht so ganz smart mit der Auswahl der Themen der Zukunftgestaltung umgeht. BlessU-2, der Segensroboter hat ja eher Probleme aufgeworfen, wo vorher keine waren. Und während ich hier schreibe wird auf der Konferenz Menschen-Maschine gefragt, ob man Roboter, die ein Bewusstsein haben, zum Gottesdienst einladen soll?! Sind das wirklich die Themen, die Gläubige umtreiben?

Empathie steht ja am Anfang des Design-Thinking Prozesses und ich bin sicher, wenn man den Menschen gut zuhört und mit ihnen spricht – und nicht seinen eigenen Annahmen als das Non plus ultra begreift – dann kommen auch Herausforderungen zum Vorschein, die einen stärkeren Bezug zu unserem Leben und einer Zukunft haben, die noch unserer Vorstellungskraft entspricht. Robotics ist ja durchaus ein aktuelles Thema, aber eher bei stupiden, wiederkehrenden Aufgaben z.B. in der Autoproduktion. Wie schwierig es ist Fragen der digitalen Ethik mit Zukunfts-Kirchen-Design zu verbinden ist ja unter anderem daran abzulesen, dass viele in dem Prototypen einen Ersatz für den bzw. die PastorIn gesehen haben. Viele der shift-Teilnehmer und Speaker sind durch ihre Projekte und Firmen geerdet und nah an den Bedürfnissen des Menschen. Diese Erfahrung in das Design der Kirche von morgen einzubringen ist ein großer Gewinn und hätte vermutlich verhindern können, dass die Roboter-Diskussion in eine völlig quere Richtung läuft: #human-centered.

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Jedenfalls bin ich der Ansicht, dass Design Thinking wieder für mehr Bodenhaftung und eine Vielfalt der Perspektiven sorgen kann. Oder wie es das shift -Team formuliert: „die eigene bias verlassen.“

Ist ja bei Unternehmen nicht anders, dass die Führungsmannschaft z.B. eines Telekomanbieters selbst nicht mehr in der Hotline hängt oder im Laden kauft. Aber von diesen Menschen leben nun mal Konzerne, von Kunden die einen Wunsch oder ein Problem haben, das sie gelöst bekommen haben wollen. Betriebsblindheit ist ja etwas Menschliches! Und wenn man sich ihrer bewusst wird kann man sie auch steuern / überwinden – self-awareness kommt vor self-management.

Neben den oben genannten ReferentInnen war es eine große Freude neue Bekanntschaften zu schließen bzw. alte aufzuwärmen, z.B.

Ja, zugegeben: die Community ist nicht sehr riesig. Vielleicht ist das auch nie der Plan gewesen, aber sie ist wichtig, um Optimismus und neue Optionen in die traditionelle Kirchendenke zu bringen. Und sinnvolle Prozesse und Kulturwandel – Kreativität sowieso. Schön, dass diese Gemeinschaft schon feste Anlaufstellen hervorgebracht hat: den Heimathafen in Wiesbaden und mit Abstrichen den Hafven Hannover (?). Muss ich Klaus nochmal fragen, ob das zweite so stimmt.

Eine Frage stellt sich nachdem wir alle den Segen empfangen haben und wieder auseinander gehen: Wie skaliert man diesen Forscher-, Pionier und Gründergeist in der Organisation Kirche? Wir waren vielleicht 60-70 Leute, die sich einmal im Jahr treffen – was viel und gleichzeitig viel zu wenig ist. Für meinen Teil mache ich mich auf die Suche nach Gleichgesinnten, die sich auch einen „Hafen“ für Hamburg wünschen.

Wenn ich mich wirklich als eine Abbild des Schöpfers begreife, dann kann es nur so sein, dass auch ein „Creator“ in mir steckt. Aus Gründen ist das nicht die erste Assoziation, die man bei uns Christen hat. Diese schöpferische Power zu heben und sichtbar zu machen ist eine gute Investition!

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