5 Euro Eintritt für den Gottesdienst verändern alles

Ich gehöre zu den zwei Dritteln, die den Gottesdienst ganz schön finden, weil sie ihre eigenen Gedanken nachhängen können.

Um das gleich klar zu stellen: Ich bin nicht dafür Eintritt für Gottesdienste einzuführen. Ich bin aber dafür sich Gedanken zu machen, wie Gottesdienste mehr Menschen begeistern können. Lass Dich einfach auf ein Gedankenexperiment ein.

Für 5 Euro bekomme ich einen Döner, ein Pfund Kaffee und den Flixbus von Berlin nach Hamburg (ab 4,99€). Ich kann mit wenig monetärem Einsatz alltägliche Bedürfnisse befriedigen. Der Deal ist klar und funktioniert, fünf Euro gegen Ware oder Dienstleistung. Geld ist ein knappes Gut, ich muss also immer wieder abwägen, Döner „mit alles“ oder Currywurst mit Pommes. Kirchensteuer oder den Kredit für Haus / Auto ab bezahlen.

Ähnlich ist mit der Zeit, bei den meisten von uns ein knappes und sogar endliches Gut. Die Mechanik ist ähnlich: Gottesdienst um 10 Uhr oder Ausschlafen? Wir wägen stets ab, bewerten buchstäblich den Wert der möglichen Alternativen. Philpp Pfülp bringt es vor seinem Wiedereintritt in die Kirche auf den Punkt:

„Was bringt die Kirche, habe ich mich gefragt?“

Quelle: Zeit Online

Für eine (nicht-kirchliche) Trauung kann man den monetären Wert im Internet recherchieren, ich habe eine Bandbreite von 500,- bis 1.200 Euro gefunden. Letztens habe ich gelesen, dass das Business der freien Redner regelrecht boomt!

Aber neben Trauung, Beerdigung und Konfirmation bzw. Firmung, die ja zu den großen Ausschlägen im Leben gehören – was müsste sich verändern, damit Menschen bereit sind, eine kleine Summe Geld für einen Gottesdienst hinzulegen? Um sich dieser Frage zu nähern machen wir eine…

Virtuelle Übung: Ich gebe Dir jetzt in Gedanken fünf 1 Euro Stücke. Die vergibst Du bitte an die folgenden 10 Optionen. Du kannst auch fünf Euro an eine Option vergeben. Ich habe 7 Varianten vorgelegt, die fehlenden 3 Optionen (x, y, z) vergibst Du nach eigenen Assoziationen.

  • Predigt
  • Liturgie
  • Gesang / Musik
  • Gemeinschaft
  • Gebet
  • Seelsorge / Beichte
  • Stille
  • x
  • y
  • z

Ich würde 3 Euro auf Gemeinschaft und 2 Euro auf Musik setzen. Schreibt mir gerne Eure Aufteilung in den Kommentar hier oder auf Twitter.

In der Theorie sollen Gottesdienste zweckfrei sein. In der Praxis brauchen immer mehr Menschen eine innere Begründung, einen Anlass bzw. Zweck um Zeit im Gottesdienst zu verbringen. „Was bringt es mir?“ klingt egoistisch, ist aber gleichzeitig menschlich. Und entspricht dem Zeitgeist der Selbstoptimierung. So hart es ist, Gottesdienst ist ein Tausch von Zeit gegen – die Frage mag sich jeder selbst beantworten.

Wie groß ist der Graben zwischen dem Gottesdienst Angebot und den Bedürfnissen der Menschen geworden? Wie kann die Schnittmenge wieder größer werden, wenn z.B. der Löwenanteil der 5 Euro Optionen auf Gemeinschaft entfällt? Wie muss sich der Gottesdienst, wie muss sich Kirche verändern, um von mehr Menschen WERTgeschätzt zu werden?

In „meinem“ Kirchkreis (wenn ich nicht vor 20 Jahren ausgetreten wäre) kann man das Predigtthema der Auferstehungskirche Lohbrügge gerade auf ebay ersteigern. Das Höchstgebot liegt acht Tage vor Auktionsende bei über 50,- Euro. Was mir gut gefällt ist der partizipative Gedanke, die Gemeinde hat eine Stimme bzw. kann mitbestimmen. Was mir noch besser gefällt ist der Gedanke des Experimentierens, der hinter der Aktion steht: Jeder 5. Gottesdienst ist ein Experiment.

Experimente bei Kirchens sind schwer vorhersehbar und haben eigene KPIs / Metriken.

Mit einem Explorer Mindset und Experimenten (siehe Grafik unten) kommt man zu neuen, hilfreichen Erkenntnissen. Und wird vermutlich auch Kritik einstecken, Flops erleben. Es ist wichtig zu wissen, dass Experimente andere Ziele verfolgen als Standards. Wir betreten unbekanntes Terrain, das erfordert eine Menge Mut!

Quelle: Strategyzer.com

Für alle, die mit 5 Euro Gedankenspielen und auf ebay ersteigerten Predigtthemen symphatisieren habe ich diese Ermutigung übersetzen lassen.

Das Geschenk, nicht hineinzupassen.
Vor vielen Jahren arbeitete ich eine Woche lang bei einem christlichen Fest, der Frühlingsernte. Es war eigentlich das letzte Mal, dass ich zustimmte zu gehen (obwohl ich dieses Jahr für eine Woche zurückkehre). Es erwies sich als eine schwierige Woche. Ich war eingeladen worden, etwas Kreatives oder Anderes zu tun, aber als ich dort ankam, war die Erwartung offensichtlich nicht so. Aber in dieser Woche bat mich jemand, den ich nicht wirklich kannte, mich zum Kaffee zu treffen, um zu plaudern. Sie wussten nichts von der Erfahrung, die ich hatte.
Aber eines der Dinge, die sie sagten, ist seitdem bei mir geblieben:

Du passt nicht dazu und das ist dein Geschenk.

Es erinnert mich an ein Zitat von Marshall Macluhan – die Rolle des Künstlers besteht darin, eine Anti-Umgebung als Mittel zur Wahrnehmung und Anpassung zu schaffen. Es war so überraschend von dieser speziellen Person und war damals eine große Erleichterung. Es gibt viele Künstler, Propheten, Kreative, Unternehmer und Change Agents, für die dies wahr ist und deshalb sind sie in der Lage, das zu tun, was sie tun. Kulturen brauchen Menschen, die nicht passen – so wird es weitergehen, wenn sie stecken bleiben. Ich wurde auf dieser Reise in die USA daran erinnert, da ich eine Reihe von Menschen getroffen habe, für die diese Aussage sowohl in Okklahoma als auch in Austin gesagt werden konnte. Und sie sind erstaunlich begabte, wunderbare Menschen. Und rate mal was – die institutionelle Kirche bekommt es wirklich nicht richtig mit!

Ich habe mehrmals über die Kirche von England gebloggt und Raum geschaffen, um zu erkennen, dass Pioniere eine andere Gabe/Aufruf/Satz von Fähigkeiten haben, und anerkannt, dass sie diese Art von Menschen brauchen, um neue Dinge oft rund um oder abseits der bestehenden Karte zu schaffen. Es gibt viel Arbeit in Bezug auf Training und eine Reihe anderer Themen. Aber zumindest ist die Anerkennung da. Wieder einmal bleibt mir der Gedanke, dass andere Konfessionen daraus lernen könnten. Wenn jemand viele Fragen stellt, nicht passt, kreativ ist – schiebe sie nicht weg. Gib ihnen den Raum, etwas anderes und Neues zu schaffen und der Versuchung zu widerstehen, es zu zweckentfremden.

Die vereinte methodistische Kirchenkonferenz in Oklahoma verlief gut. Die Menschen genossen es besonders, die Anbetung zu erleben. Alternative Anbetung, weil sie sich auf die Tradition stützt und die Liturgie in den Kontexten des Mainlines spielt, wie es scheint. Ich hoffe, die Kirche dort kann darüber nachdenken, was sie mit ihren kreativen, „nicht passenden“ Menschen machen soll, und widersetzt sich, sie in reguläre Kirchen zu bringen, was sie und diese Kirchen wahrscheinlich frustrieren wird.

Übersetzt aus dem Englischen / Blog von Jonny Baker und mit http://www.DeepL.com/Translator