In den nächsten Wochen werde ich einzelne Kapitel aus meinem Ebook „YouTube für Kirchens – eine Anleitung für Gemeinden, die mit Storytelling Beziehungen bauen wollen“, veröffentlichen.  Im folgenden fünf einleitende Argumente, warum die Verbreitung von Inhalten über Video- und soziale Plattformen (mit YouTube als Beispiel) Sinn macht:

  1. Wir haben die Gute Botschaft, vielleicht die Beste
  2. Die großen Social Networks (EKD & Kath. Kirche) agieren im Verborgenen
  3. YouTube baut beständige Beziehungen auf
  4. Jeder kann etwas beitragen
  5. YouTube for Non-Profits

Die Gute Botschaft, vielleicht die Beste

Wenn wir selbst daran glauben, dass das Neue Testament die Gute Botschaft Gottes an uns Menschen ist, macht es keinen Sinn, damit hinter dem Berg zu halten. Ich denke da sehr pragmatisch. Ein Beispiel: Man muß nicht 100% mit den Inhalten der Bild-am-Sonntag übereinstimmen, um eine wöchentliche Kolumne über den Glauben zu veröffentlichen. Immerhin haben zehn Millionen Menschen die Chance, den Artikel zu lesen und sich mit christlichen Geschichten und Werten zu beschäftigen. Ich begreife das Engagement als Chance und nicht als fragwürdige Beteiligung an einer umstrittenen Wochenendzeitung. Daher sollte gelten, dass im Zweifel die Gute Botschaft auch in manchmal nicht so guten Umfeldern erscheinen darf und soll – das kann ja durchaus auch für einen guten Kontrast und Abwechselung sorgen.

Darüber hinaus ist die Gute Botschaft potentiell für jeden relevant in dem Sinne, es gibt keine Kernzielgruppe auf die sich kirchliche Kommunikation konzentrieren sollte. Massenmedien qualifizieren sich daher besonders für die Verbreitung. Viel Reichweite bedeutet viel Einfluß – und schon landen wir wieder bei digitalen Medien. Aber auch Bild-am-Sonntag und Fernsehen sind und bleiben attraktive Partner, wenn man relevant bleiben will.

Die großen Social Networks fliegen unter dem Radar

„Funktioniert Christentum im Internet also einfach nicht?“ fragt das Magazin Vice Ende April 2018, nachdem sie sich die Follower der EKD auf Facebook, Instagram und YouTube angeschaut haben. Das stimmt für die Volkskirchen, aber nicht für das Christentum per se: Die Hillsong Church Germany, eine aus Australien stammende Freikirche und mit drei (!) Gemeinden in Deutschland ein Nobody (aber eine wachsender) bringt es auf 1/3 mehr (nämlich 24.000) Follower als das EKD-Angebot. Und wer kleiner ist als Nobody  hat ein Problem, erreicht seine 22 Millionen Mitglieder zumindest über Facebook unverhältnismäßig wenig.

Wie auch immer, jedenfalls haben beide Volkskirchen riesiges Potential als Netzwerk oder Marke erreichbar zu sein. Aber es fehlt die „One-EKD“-Plattform, die Leuchturm-Love-Brand, die Affinität der Evangelischen, die Relevanz der Inhalte oder die Kommunikationsstrategie. Wahrscheinlich ist es ein Mix aus all dem!? Wer aber im Digitalen nicht, dezentral oder leidenschaftslos kommuniziert hinterlässt auch eine Botschaft (!) und zusätzlich viel Raum für die mitstreitenden Anbieter für spirituelles und soziales Leben.

YouTube schafft beständige Beziehungen

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Wenn Sie etwas mitzuteilen haben oder auf dem Herzen haben ist Bewegtbild aus vielen Gründen jeder anderen einseitigen Kommunikationsform (im Sinne one-to-many) überlegen. Schnelligkeit der Aufnahme beim Empfänger, Emotionalität und Einfluss sind nur einige schlagkräftige Argumente, die nicht nur Marken zum Beispiel in Form von 30-sekündigen Werbespots für sich nutzen. Oder schauen wir auf die Mediennutzung, deren Königsdisziplin seit mehr als vier Jahrzehnten das Fernsehen ist – mit beeindruckenden drei Stunden und 41 Minuten Sehdauer täglich in 2017. In Ostdeutschland liegt täglich Sedauer bei über sechs Stunden bei den über 65-Jährigen – what?!

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Morgan Stanley schätzt den Wert von YouTube auf 160 Milliarden Dollar ein. Das liegt über der Schätzung von Disney. Bewegtbild fasziniert uns scheinbar fast alle, richtig? Eine mögliche Erklärung ist diese: Menschen hören, sehen und erzählen gerne Geschichten. Wo nun kann der Wert von YouTube für die Kirche bestehenden? Eine hervorragende Möglichkeit ist aus meiner Sicht, dass auch bei Kirchens Geschichten erzählt und durch ihre Menschen menschlich wrid. YouTube kann eine anonyme Anlaufstelle (z.B. für Suchtkranke, Suizidgefährdete), ein digitaler Katechismus oder virtueller Schaukasten sein, je nachdem wie man es nutzen möchte. Aber es sollte vor allem ein Ort sein, an dem man normalen Menschen und ihren alltäglichen und nicht-alltäglichen, inspirierenden Geschichten begegnet.

Lies dazu auch meinen Artikel „Franziskus & Bibi – was man von diesen Influencern lernen kann: #DigitaleKirchekonkret“.

Mobile Video explodiert

Alles spricht für einen beispiellosen Siegeszug dieser Disziplin: Internet-, Wlan und vor allem die Durchdringung unserer Gesellschaft durch mobile Endgeräte. 2020 soll der 5G-Standard eingeführt werden, was die ohnehin nicht schlechten Übertragungszeiten nochmal deutlich verkürzen sollte. Wir stehen noch ganz am Anfang vom Konsum von mobilen Videos, wenn man dieser globalen Hochrechnung von Cisco Glauben schenkt.

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Deutschland hängt ja bekanntermaßen im Breitbandbereich und generell im Digitalen hinterher, daher sind eventuell noch größere Wachstumsraten für Mobile Video denkbar.

Jeder kann etwas beitragen

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Über 400 Stunden Inhalte werden pro Minute auf YouTube hochgeladen. Das kann also nicht so schwer sein, oder? Ein Handy, Internet und eine Person, die filmt – so haben viele YouTuber Karrieren begonnen. Damit sind wir alle zu potentiellen Fernsehmachern geworden und Bewegtbild ist demokratischer geworden.

Es gibt wirklich zu so fast allen Themen einen Überfluss an Videos, z.B. für Handwerker Besprechungen von Werkzeugkästen. Oder für Schüler: „Mathe by Daniel Jung„, ein Kanal mit über 2.200 Mathe-Tutorials und -skripten. Herr Jung unterrichtet nach eigenen Angaben jeden Monat über eine Million SchülerInnen und StudentInnen. Wenn schon eine Mathe-Community über 400.000 Abonnenten hervorbringt, dann sollten wir Christen uns nicht mit weniger zufrieden geben. Wer glaubt, dass Mathe ein Nischenthema ist sollte den Kanal TheSimpleMath besuchen, der bringt es auf knapp 700.000 Abonnenten.

Ist christlicher Glaube und Kirche ein Nischenthema geworden? Analog zu Facebook sprechen die YouTube-Zahlen eine eindeutige Sprache. Wir haben es aber selbst in der Hand. Lasst uns mutig und kreativ sein – wir haben viel zu sagen und zu geben. Oder hat der kircheninterne „hate speech“ gegen Whatsapp und Facebook die eigenen Mitglieder so sehr eingeschüchtert, dass die Freiheit einfach nicht da ist, bei einem global Player Videos hochzuladen?

Jeder von uns kann einen Unterschied machen. Und denkt bitte daran:

It’s More Important to Start, Than to Succeed

In den nächsten Kapiteln werde ich darauf eingehen, wie man mit einem eigenen YouTube-Kanal starten kann. Grundlage für sehr viele Kanäle ist Leidenschaft – siehe Mathe by Daniel Jung. Ein potentieller Lehrer, der sein Examen nicht geschafft hat brennt weiter für das Fach und findet seinen ganz eigenen Weg.

Was ist deine Leidenschaft? Wofür brennst Du? Die Antwort ist ein guter Punkt um zu starten.

YouTube for Non-Profits

„Über YouTube für Non-Profits erhalten gemeinnützige Organisationen Zugang zu exklusiven YouTube-Funktionen für die Interaktion mit Helfern, Freiwilligen und Spendern.“

So heißt es bei Google auf entsprechenden Hilfe-Seite. Wie kann nun die Kirche von diesem Programm profitieren?

  1. Finanziell können registrierte gemeinnützige Organisation am AdGrants Programm teilnehmen.  Dahinter verbirgt sich kostenlose Werbung über AdWords, der Online-Werbelösung von Google, im Wert von bis zu 10.000 $ USD pro Monat. YouTube Werbung wird zum grössten Teil über AdWords ausgespielt. Sie erhalten also faktisch Zugang zu YouTube-Werbung.
  2. Ressourcen: Man kann sich für einen Termin im YouTube Space, Berlin bewerben. Das ist eine Art Filmstudio, wo Kurse für YouTuber angeboten werden und solche, die es werden wollen. Es gibt auch Hard- und Software sowie wechselnde Kulissen, die vor Ort zum Drehen und Schneiden genutzt werden können. Kernzielgruppe sind Creator, die mit YouTube auch beruflich durchstarten wollen, oft sind 10.000 Abonnenten die Untergrenze. Als Non-Profit hat man bessere Chancen, auch ohne die Standard-Voraussetzungen zu partizipieren.

Die Bedingungen für AdGrants wurden Anfang 2018 geändert. Die neuen Richtlinien zielen in Richtung höhere Relevanz bei Suchwortanzeigen. Details finden Sie in dem folgenden Artikel des Fundraiser-Magazins oder der Google-Hilfe.

PS: Ich schreibe hier als Privatperson, bin aber seit mehr als vier Jahren bei Google beschäftigt. Alle Informationen sind öffentlich zugänglich. Meine Meinung spiegelt nicht notwendigerweise die meines Arbeitgebers wider.

Quellennachweis: Pixabay

 

Diese Woche hat die EKD über das Gemeinschaftswesen der Evangelischen Publizistik (GEP) und die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend (AEJ) bekannt gegeben einen YouTube-Kanal aufzubauen. Als Creator wurde die Medizinstudentin und Poetry-Slammerin Jana Highholder gewonnen. Als weiterer Partner ist das Multi-Channel-Netzwerk Mediakraft an Bord geholt worden.

Die Akteure

GEP: Die Unsicherheit schwingt schon zwischen den Zeilen mit, Jörg Bollmann klingt zugleich verhalten und entschlossen:

„Glaube und Youtube, evangelisch und soziale Medien, Religion und Video: Geht das zusammen?“, fragt GEP-Direktor Jörg Bollmann und gibt die Antwort selbst: „Wir wissen es nicht wirklich und noch nicht, wir hoffen es aber! Sicher ist, es gibt auf Youtube viel zu wenig davon. Das wollen wir ändern.“

Für die GEP bedeutet dieser mutige Schritt ein Verlassen der Komfortzone. Sie betritt das Haifischbecken der globalen Plattformen YouTube, Facebook inklusive Instagram mit dem Ziel junge Menschen zu erreichen. Ein überfälliger Schritt!

AEJ: Die aej ist die Dachorganisation der Evangelischen Jugend und steht nach eigenen Angaben für mehr als eine Million junger Menschen. AEJ-Generalsekretär Mike Corsa liegt meiner Meinung nach richtig, wenn er feststellt, dass Sinnfragen auf YouTube bisher kaum gestellt werden.

„Das wollen wir mit dem neuen Youtube-Kanal ändern, um im Alltag junger Menschen mit unseren Antworten auf ihre Sinnfragen präsenter zu werden.“

Die Kombination aus einem Publizistik- und Jugendverband klingt zunächst sinnvoll, kann aber auch zu zusätzlicher Komplexität beitragen. Aber das dürfte innerhalb der EKD eine bekannte und machbare Herausforderung sein. Als dritte Partei haben sich die beiden einen YouTube bzw. Social Media Influencer Experten ins Boot geholt.

Mediakraft: Multichannel Netztwerke (MCNs) betreuen und vermarkten Social Influencer, sie bilden sie aus und vernetzen sie untereinander. Das Geschäftsmodell hat sich in den letzten Jahren (gezwungenermaßen) immer wieder verändert. MCNs sind kommerzielle Unternehmen, die ihr Geld im wesentlichen mit der Vermittlung bezahlter Werbung und Product Placements verdienen. Weitere Einnahmequellen sind Digitalkonzepte und -produktionen. Mediakraft hat insbesondere 2015 viele große YouTuber verloren und gehört sein 2017 zu gamigo, einem deutschen Publisher für Browserspiele.

MCNs sind mit dem Aufkommen der großen YouTuber immer wieder in die Kritik geraten, weil sie Influencer wie Littfaßsäulen an die großen Werbetreibenden vermarktet haben. Viele Creator haben darauf allergisch reagiert, da sie ihren Content aus Leiderschaft und nicht aus kommerziellen Gründen hochladen. Sie verstehen sich als Künstler, Redakteure und Kreative – das passte oft nicht zum Vermarktungsansatz der MCNs. Alle Beteiligten haben inzwischen dazu gelernt. Heute steht Mediakraft für Branded Channels, das sind Auftritte von Marken und Organisationen in den sozialen Medien, die  – grob gesagt – zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt liegen. Der wahrscheinlich bekannteste ist Branded Channel auf YouTube ist Coke.TV. Sehr erfolgreich ist auch der Kanal der Bundeswehr.

Jana Highholder: Die erst Anfang 20-jährige Medizinstudentin ist ein Multitalent. Neben ihrem Studium ist sie auf Poetry Slam Tournee und promotet ihr eigenes Hörbuch „Ebbe und Flut“. Sie hat einen eigenen YouTube-Kanal auf dem ihre sechs Videos auf ca. 100.000 Views kommen.

Christlicher Poetry Slam ist neben der Musik ein Bereich, der gut funktioniert. Der größte deutsche Kanal hat über  7.700 Abonnenten und nennt sich Redeemed.

Jana ist auch auf Facebook und Instagram gut unterwegs, hat sogar ihren eigenen kleinen Shop auf ihrer Website.

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Fazit: Die EKD packt’s an, das gefällt mir. Ein Synodenbeschluß ist nichts wert, wenn man nichts umsetzt. Oder eine Idee nur ein Prozent der Umsetzung.

Der Kanal ist zwar kein organisches Gewächs, sondern hat eher etwas von einer Kampagne, aber wichtig und richtig ist irgendwo zu starten. Ich gehe davon aus, dass aus diesem Projekt jede Menge Learnings gezogen werden, die für die weiteren digitalen Aktivitäten der EKD enorm hilfreich sein werden.

Das Potential ist groß mit der EKD-Maschinerie im Hintergrund. Und ich halte Jana für eine medientaugliche Botschafterin, die etwas zu sagen hat. Viel Erfolg!

 

Die Hillsong Church ist eine 1983 in Sydney gegründete Megachurch der Pfingstbewegung. Eigenen Angaben zufolge hat sie allein in Australien über 21.000 Mitglieder. Die Hillsong Church wurde international vor allem durch ihre Musikgruppen sowie ihre Fernsehsendungen bekannt. Das Hillsong Fernsehprogramm wird in mehr als 160 Ländern gesehen.

Da die große Gemeinde etwas außerhalb von Sydney liegt sind wir zur Tochtergemeinde Waterloo. Wir hatten die Qual der Wahl zwischen fünf Gottesdiensten zwischen 8 Uhr morgens und 7 Uhr Abends. Zunächst hatten wir den ersten ins Auge gefasst, haben uns aber nach dem Wetterbericht orientiert und sind dann um 7 Uhr abends aufgeschlagen. Die Hillsong bietet einen Concierge Service über das Internet an, den wir in Anspruch genommen haben.

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Das Erstkontaktformular der Hillsong Waterloo.

Natürlich haben wir das getestet und bekamen prompt eine freundliche Mail von Jess, die uns in Empfang nehmen würde und Plätze reserviert hatte.

Als wir kurz vor 7 Uhr ankamen wurden wir mit Plakaten „Willkommen zu Hause“ begrüßt. Es warteten auch junge Leute auf uns, die ein Schild hochhielten „I want to sit next to you“. Berührungsängste Fehlanzeige.

Am wuseligen Empfang wurden wir an Jess vermittelt und herzlich begrüßt. Sie brachte uns in die dritte Reihe und saß auch bei uns in der Nähe.

Der Gottesdienst wurde von einer 15-köpfigen Band eröffnet, die von einer hochprofessionellen Bühnenshow buchstäblich ins rechte Licht gerückt wurden. Niemand der ca. 800 Gottesdienst Besucher hielt es auf den Stühlen. Ich fühlte mich fast wie in einer Disko. Ich vermute, dass der Abendgottesdienst auch der für die Jugend ist. Jedenfalls war ich mit Abstand der Älteste und auch der Jugendpastor, der später eine gute Predigt hinlegte, war mit ca. 25 Jahren etwa halb so alt wie ich.

Am Anfang des Gottesdienstes wurde wie selbstverständlich fotografiert und gepostet, das legte sich aber nach der offiziellen Begrüßung. Zum Beginn wurde wir aufgefordert, dass das Ritual „60 seconds“ zu praktizieren: Du drehst Dich zu jemanden den Du noch nicht kennst und hast eine Minute das zu ändern. So lernte ich Anthony kennen, einen Business Consultant aus Melbourne.
Während wir willkommen geheißen wurden wurde eine App beworben, die Hillsong selbst entwickelt hat: „Next Steps“. Die App ist eine Mischung aus Facebook und Medium, es geht um persönliches Wachstum mit einem starken Community Gedanken.

Es wurde auch zum Geben ermutigt. Bemerkenswert fand ich, dass drei von vier Spendenoptionen digital waren (z.B. Paypal).

Der Gottesdienst dauerte ungefähr eineinhalb Stunden, von denen Musik den Löwenanteil und die Predigt ca. zwanzig Minuten einnahm. Am Ende wurden die Neuen dazu eingeladen, sich in der „connect“ Ecke einzufinden. Neben einer kostenlosen Bibel gab es die Möglichkeit, sich mit Neuen und alten Hasen zu verbinden / connecten. Der Wunsch, dass wir Newbies Anbindung finden, wenn wir das wünschten wurde sehr groß geschrieben.

Jess fragte höflich, nachdem offiziell Schluss war, wie es uns gefallen hat und ob wir Lust auf die Connect Area hätten. Das haben wir dann nicht mehr in Anspruch genommen.

Wir bahnten uns einen Weg durch die Menge und nahmen einen der kostenlosen Shuttlebusse, die die Besucher zum Hauptbahnhof befördern.

Fazit: Digitale Medien sind wie selbstverständlich und in viele Bereiche eingearbeitet, z.B. als ….

  • Concierge: Neue Form des Begrüßungsdienstes
  • Spenden mit neuen Bezahltdiensten möglich
  • Geistliches Wachstum mit meiner Community: „Next Steps“ App

Digital hin oder her: Den stärksten Impuls hat auf mich persönlich der Fokus auf die Verbindung mit dem Gottesdienst Besucher ausgemacht. Das zog sich wie ein roter Faden durch die 90 Minuten.

Website Hillsong Waterloo: Hillsong City Campus

Es gibt inzwischen drei Hillsong Ableger in Deutschland: Düsseldorf, Konstanz und München, siehe hillsong.com/germany.

Auch für diejenigen, die Vorturteile gegenüber Pfingstgemeinden hegen sei ein Besuch wärmstens empfohlen. Das erweitert den Horizont und gibt eine Menge Anregungen für den eigenen Gemeindealltag. #openminded #learner. Aber aufgepasst beim Timing: Die Hillsong Konstanz z. B. hat drei Gottesdienste.

Ich bin ja in den letzten 3-4 Jahren großer YouTube-Fan geworden. Vor allem habe ich Abos rund um das Thema Reisen, aber auch Comedy-Videos von Thorsten Sträter & Co. schaue ich nicht gerade selten. Mich hat mal interessiert, was die fromme Musikszene so in diesem Jahr hochgeladen hat. Diese Playlist zeigt Euch die besten Songs des Jahres 2017 – soweit ich sie aufspüren konnte.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. So bin ich vorgegangen: Es wird allein die Anzahl der Views im Kalenderjahr 2017 zu Grunde gelegt. Nicht berücksichtigt habe ich Songs mit Lyrics, also Lieder, die nur mit Text unterlegt wurde. Ab wann ein Songtext christlich ist, habe ich willkürlich und nach bestem Gewissen festgelegt – Weihnachtslieder von säkularen Künstler z.B. habe ich ausgeschlossen.

Ich würde mich freuen, wenn ich viele beliebte Songs vergessen habe und ihr mir einen Hinweis gebt, welche noch aufgenommen werden sollten. Bitte Mail an: digitalmissionblog@gmail.com. Es ist schon auffällig, dass die Top Songs von einer überschaubaren Gruppe gestellt werden, allen voran die Band Koenige & Priester, die ohne Frage ein gutes Jahr hatten. Zuletzt habe ich sie im ZDF-Fersehgarten auftreten sehen!

Platz 10: Kanal Gebetshaus, 45.990 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 9: Kanal Gebetshaus, 55.051 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 8: Kanal Koenige und Priester, 57.403 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 7: Kanal Koenige und Priester, 74.164 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 6: Kanal Gerth Medien, 75.262 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 5: Kanal Glaubenszentrum, 83.007 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 4: Kanal Alive Worship, 87.840 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 3: Kanal thesolidbase, 98.978 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 2: Kanal DiePriesterVEVO, 178.394 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Platz 1: Kanal Urban Life Church, 370.027 Aufrufe (Stand: 31.12.2017)

Mit 569k Followern in Deutschland ist der Papst wahrscheinlich der Geistliche mit der grössten Reichweite auf Twitter. Und zwar mit Abstand: Die Rangobersten der lokalen Landeskirchen sind mit 3,4k (Bedford-Strohm, EKD) bzw. nicht dabei (Marx, Katholische Kirche) eher abgeschlagen. Der EKD-Ratsvorsitzenden hat bei meiner Stichprobe allerdings die besseren Engagment-Werte (= (Likes + Shares + Comments) / Follower). Das spricht dafür, dass er eine qualifizierte Followerschaft hat, soweit man das aus dieser Stichprobe (n=4) überhaupt sagen kann.

So kann man sich das besser vorstellen:

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Mich begeistert, dass der Papst Twitter als Leitmedium nutzt und jeden Tag den Kontakt mit potentiell knapp 43 Millionen Followern in 9 Sprachen sucht. Gerade weil Twitter im deutschsprachigen Raum gar nicht so verbereitet ist sind die halbe Million um so bemerkenswerter.

Warum die YouTuber auf Twitter, das hierzulande als reichweitenschwaches Medium mit Kernzielgruppe Journalisten und Multiplikatoren so weit vorne und auf Augenhöhe mit dem Angebot von Spiegel, die Zeit und Tagesschau sind ist mir ein Rätsel.

Hier eine Liste der Top Twitterer in Deutschland (aus der Brille von Journalisten & Medienmachern).

Schauen wir uns mal an, was auf YouTube funktioniert. Vielleicht gibt es Hinweise darauf, wie es die über einhundert YouTube Abo-Millionäre auch auf Twitter geschafft haben die Million zu knacken.

Es gibt auf YouTube 3 Kategorien, die sich als besonders erfolgreich hervor getan haben:

#1: Unterhalten – Musik, Gaming usw.

Unterhaltung brauche ich nicht erklären, Ed Sheeran kommt in in Monaten auf 3 Millarden views, das spricht für sich selbst.

#2: Informieren und unterrichten

Diese Kategorie antwortet auf konkrete Suchanfragen – YouTube ist die zweitgrösste Suchmaschine der Welt. Die Beliebtheit von den seogenannten „How-to-Videos“ ist auch hierzulande groß. Weltweit gibt es etwas mehr als 135 Millionen* How-to-Videos.

Kennt ihr Daniel Jung und seine über 2.200 Mathe Tutorials? Einfach mal nach Satz des Pythagoras auf YouTube suchen. Der Kanal bringt es auf knapp 350.000 Abonnenten und über 100.000.000 Views. Nach Hilfestellung in Mathe wird offensichtlich häufiger gesucht.

#3: Inspirieren – Content, mit emotionalen Geschichten, Überraschungen

Auch bei den How-to-Videos geht der Papst voran: Auf Facebook erklärt er Kindern und Erwachsenen, wie man sich richtig bekreuzigt.

Die Magie von Bewegtbild ist die Nähe, die das Medium zum Betrachter aufbaut. Das kann kein Bild und kein Text leisten. Bibis Follower und ihre 4,7 Millionen YouTube Abonnenten nehmen Bianca Heineke aka Bibi als Freundin wahr, die sie gut zu kennen glauben. Es entsteht eine Beziehung über ihre Vlogs & Co., die Bibi zu einem Teenie-Star und einem der einflussreichsten Social Influencer gemacht hat.

Deshalb ist das Thema Bewegtbild der Social Media Trend Nummer im nächsten Jahr.

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Quelle: Socialmediatoday 2017

How-to-Videos oder Erklärvideos wären ein konkreter Ansatz, um in den socialen Medien Menschen zu erreichen, die z.B. nach der Bedeutung des Weihnachtsfestes suchen. Wie es darum steht, dass zeigt ein Feldtest in Berlin:

Ich suche nach weiteren Beispielen aus der christlichen Hemisphäre, wo gute Digitale Konzepte umgesetzt wurden. Die würde ich gerne auf meinem Blog highlighten und als Blaupause für potentielle Nachahmer sammeln. Ideal wäre, wenn durch Fakten belegt wird, dass es ich um einen Erfolg handelt.

#DigitaleKirchekonkret

*Quelle: YouTube Creator Academy

Mit emotionalen Weihnachtsgeschichten die Beziehung zum Kunden stärken, das ist ein Trend auf den immer mehr Marken aufspringen. Viele der 40 Millionen Youtube-Nutzer werden einen der folgenden Spots in diesem Monat sehen. Wo eigentlich finde ich eine Botschaft zum Thema Weihnachten von den Kirchen oder Ortskirchen?

Hier eine Auswahl:

Marke: IKEA; Thema: Jesus; Views am 01.12.2017: 1,975 Millionen

Marke: OTTO; Thema: Gemeinsam; Views am 01.12.2017: 2,004 Millionen

Marke: EDEKA; Thema: Ohne Liebe ist es nur ein Fest; Views am 01.12.2017: 1,415 Millionen

Marke: SATURN; Thema: Demenz; Views am 01.12.2017: 2,004 Millionen

Ich schreibe hier immer noch Gedanken zum Artikel bzw. zur Frage der Woche (KW 45-2017) auf evangelisch.de auf. Heute der letzte Teil.

Von der „user-centricity“ hängt so viel an, wenn es um den Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung geht. Mit dem Blogpost zu Design Thinking habe ich bereits einen führenden Ansatz aus der Privatwirtschaft vorgestellt, sich diesem Thema zu nähern. Als deutsches NGO würde man sicher eher von „den Menschen in den Mittelpunkt stellen“ sprechen. Aber wir gehen ja vom Silicon Valley aus und daher benutze ich hier auch englische Varianten.

Gehen wir die Sache mal ganz praktisch an und buchstabieren „focus on the user“ an der Aufgabenstellung durch, das Kirche wieder stärker in Kontakt mit jungen Menschen treten möchte. Da gibt es hunderte Möglichkeiten, aber mir geht es im folgenden darum, dass Prinzip „focus on the user“ zu adaptieren. Als Rahmen dient das Design Thinking Konzept (siehe auch Blogpost Teil 3) – stark verkürzt und vereinfacht. Dieser kreative Ansatz ist im Silicon Valley beliebt und hat als Ausgangspunkt die Situation des Nutzers.

1. Am Nutzer / Menschen orientiert (focus on the user):

Wir fangen also nicht mit dem Nachwuchsproblem der Kirchen an. Wir schauen zuerst auf die Lebenswelt von Jugendlichen. Es gibt frei zugängliche Studien zur Lebenswelt von Jugendlichen, ich bin bei dieser aus 2017 vom BR hängen geblieben. Oder die Sinus-Studie von 2016, die u.a. besagt, dass die 14- bis 17-Jährigen an Sinnfragen interessiert sind. Auf spiegel.de findet man ebenfalls eine Zusammenfassung der Sinus-Sudie, unter anderem mit diesen Aussagen zu Glaube & Religion:

  • Egal ob christlich, muslimisch oder konfessionslos – generell interessieren sich Jugendliche sehr für die Fragen des Lebens: Woher kommen wir, wohin gehen wir nach dem Tod, was ist gerecht und moralisch?
  • Allerdings haben diese Fragen mit Kirche und Gottesdienst oft wenig zu tun. Der Trend geht zum individuell zusammengestellten „Patchwork aus vielen religiösen, quasireligiösen und spirituellen Angeboten“.

Neben Glaube aus multiplen Quellen (zu denen die Kirche offensichtlich eher selten gehört) sind es Liebe und Partnerschaft, Umweltschutz, Flüchtlinge sowie Identität und Herkunft. Verändert hat sich vor allem die Mediennutzung.
Tipp: Zusätzlich zu den Studien kann man natürlich auch Stichproben in Form von qualitativen Interviews o.ä. durchführen, was in der Regel immer hilfreich und erkenntnisreich ist.

Wie geht man nun konkret weiter vor: Aus den o.g. Themen sucht man sich eines heraus und filtert eine Problemstellung heraus. Ich greife mal das Thema Mediennutzung auf und setze an zwei Punkten an, die für Teenager kritisch sind. Der nächste Schritt ist die Formulierung eines realen Problems, das den Ausgangspunkt unseres Design Thinking Ansatzes bildet.

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a) „Wenn Teenager unterwegs sind und wenig / keinen Akku auf ihrem Handy mehr haben werden sie nervös und fühlen sich unvollständig.“

b) „Ohne kostenlose Wlan-Verbindung laufen Jugendliche, die unterwegs sind und keine echte Flatrate besitzen Gefahr, ihr oft begrenztes, mobiles Datenvolumen schnell aufzubrauchen. Die Konsequenz ist eine Drosselung der Datennutzung.“

2. Getrieben von Möglichkeiten

Für zentral gelegene Kirchen in Ballungszentren / Innenstädten sehe ich folgende Opportunitäten, diesen Problemen zu begegnen:

– Mobile Ladestation mit oder ohne persönlichem Klönschnack

– Feste Ladestation mit Schließfach

– Gebrandeter Powercharger mit Landingpage Aufdruck („chargeyourlife.info“) als Geschenk

– Gebrandeter Powercharger mit Landingpage Aufdruck („chargeyourlife.info“) im Verleih für 30-60 Minuten

– Solarbetriebene Ladestation nur bei schönen Wetter

Anmerkung: Es ist alles möglich im Prozeß des Design Thinking. Also Anmerkungen, dass ist viel zu teuer o.ä. Einwände bitte vorerst zurückstellen.

– Gratis Wlan per Beacon, QR-Code oder Registrierung anbieten: Schalte eine Stunde Gratis Wlan frei indem du dir ein Video anschaust (Kurze! Botschaft vom Jugendpfarrer o.ä.). Oder eine Follow auf Instagramm oder Snapchat, Mitglied Whatsapp-Gruppe oder eine Emailadresse.

3. Iterativ arbeiten

Es spielt keine Rolle, für welche Variante sich der Pfarrer, die Pfarrerin oder der Priester mit seinem / ihrem Team entscheidet. Wichtig ist loszulegen, Erfahrungen zu sammeln und im Zeitverlauf besser zu werden.

Der Deal zusammengefasst ist ungefähr dieser: Ich, die Kirche löse dein Problem und du nimmst dafür Kontakt mit mir in Kauf, digital oder persönlich. Zu Beginn steht schon mal eine positive Assoziation mit Kirche: “ Danke, dass ich meinen Akku bei euch aufladen darf. Ich muß dringend snappen!“ Dieser Eindruck darf nicht ausgenutzt werden, indem man überzogene Forderungen damit verbindet. Es sollte sich am Marktüblichen orientieren, z.B. an Starbucks, ein beliebter Hot Spot mit kostenlosem Wifi (und teurem Latte). Und ja, datenschutztechnisch muß alles blitzsauber sein.

Wenn ich an unsere Hamburger Hauptkirche St. Jacobi in der Mönckebergstraße denke, da laufen sicher Dutzende Teenies pro Tag vorbei. Mit Akkuproblemen 2-3 pro Tag vielleicht und Wlanjunkies 50? Anyway, es geht ja nur darum mal an diesem Beispiel zu zeigen, wie Nutzerorientierung funktioniert und wie man sich mit Design Thinking einen Prototypen ausdenkt.

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Einigen dürfte das Projekt godspot bekannt sein. Godspot ist ein kostenfreies, offenes Wlan-Angebot der Kirchen in Berlin und Brandenburg. Hier wurde „focus on the user“ umgesetzt und unter anderem auch für Flüchtlinge ein echtes Problem gelöst. Es wäre spannend zu erfahren, welche Learnings gemacht wurden und ob – im Sinne der Iteration des Design Thinkings – Verbesserungen seit dem Start letztes Jahr vorgenommen wurden.

Scheitere oft / fail often haben Kirchenmanager als Lernfeld bei einem Besuch der Bay Area mitgenommen (siehe Frage der Woche (KW 45-2017 auf evangelisch.de). Aber was bedeutet das genau? Der Claim wird sich ja wohl kaum auf die Qualität der Bestellungen von Amazon oder das iPhone beziehen? Er bedarf einer Einordnung und ich bin mir ziemlich sicher, dass „fail often“ im Kontext von Innovationskultur von Unternehmen Anwendung findet. Denn im laufenden Kerngeschäft scheitert man nicht gerne, weder in der Auto-, noch in der Medizinbranche noch sonst wo. Auch NGOs nicht.

Es geht also darum, mit welchen Konzepten und welcher Haltung wir uns dem Neuen, der Zukunft widmen. Dafür gibt es einen beliebten, in Kalifornien geprägten Ansatz oder nennen wir es ruhig eine Bewegung namens DESIGN THINKING, die inzwischen auch in Deutschland immer beliebter wird. Der Ansatz katalysiert die Unterhaltung über Veränderung, verbessert gleichzeitig die Team Zusammenarbeit und kann deshalb Kirche als Institution, aber auch Verbände und Ortskirchen in ihrer Entwicklung befruchten.

Design Thinking hat bereits in den 20er Jahren in der Bauhausphilossphie „form follows function“ seine Vorstufe  gehabt. Hier deutet sich schon an, wo die Reise beginnt: bei einem Nutzerproblem. Aber der Reihe nach, was ist Design Thinking?

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Design Thinking ist ein lösungsorientierter Ansatz mit einer Reihe einzigartiger Qualitätsmerkmale: es ist menschenzentriert, orientiert sich an Möglichkeiten, bietet Optionen an und arbeitet iterativ. Adios „German Angst“ sage ich da nur.

  1. Menschenzentriert: Es geht immer mit echten Menschen los und zwar in dem Sinne, dass ein tiefes Eintauchen in die Lebenswelt und damit verbundenen Herausforderungen / Problemen an erster Stelle steht. Bevor Lösungen auf den Tisch kommen wird die Lage der Personen und die Problemstellung antitzipiert. Design Thinking geht davon aus, dass das Potential, das Problem neu zu definieren groß ist und durch ein gemischtes, diverses Team ein „re-framing“ gelingt.
  2. Design Think ist auch getrieben von Möglichkeiten. Die Frage zu Beginn muss lauten: „Was, wenn alles möglich wäre?“. In diesem Zuge werden mehrere Optionen generiert, nicht nur der eine Weg ist der richtige.  Entscheidern wird ein Portfolio von neuen Ideen vorgelegt, zu denen sie Feedback geben. Wir erwarten, dass einige verworfen werden, das ist völlig ok.
  3. Und schließlich ist der Prozeß iterativ. Das bedeutet, dass wir Erfahrungen in der Realität hernehmen, um unsere Ideen zu überprüfen und zu verbessern. Es gibt keinen Blick auf historische Daten, es wird im hier und jetzt gelernt. Aber dass muß auch nicht bei erstem Mal klappen, unser Weg zum Erfolg ist iterativ.

Die führenden Quellen von Design Thinking sind die Stanford Univercity in Kalifornien und Tim Brown mit seiner Firma IDEO aus San Francisco. Hier Tims Definition:

“Design thinking is a human-centered approach to innovation that draws from the designer’s toolkit to integrate the needs of people, the possibilities of technology, and the requirements for business success.”

Die Stanford Uni kooperiert mit dem deutschen Hanno-Plattner-Institut. Die befassen sich schon seit 2005 mit Design Thinking und bieten seit 2007 einen gleichnamigen Studiengang an. Für interessierte Einstieger gibt es ganz neu ein bezahlbares Angebot in Kooperation mit der Zeit Akademie, siehe Video:

Fail often sollte also eingebettet sein in die Innovationskulutur einer Organisation. Und Design Thinking kann ein hilfreicher Katalysator sein, diese weiter zu entwickeln. Dennoch frage mich schon, wie es damit bei der Kirche bestellt ist. Ist sie innovationsfeindlich oder eher desinterssiert? Ist die digitale Müdigkeit vielleicht nur das Symtom einer Krankheit, die auch analoge Organe schwächt?

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Futter zum Nachdenken:

Interview mit dem Chief Innovation Evangelist bei Google, Dr. Ferderic Pferdt über Firmenkultur.

Culture eats Stratgy for breakfast – ein Blogpost zum Thema Geschwindigkeit und Kultur.

Videotipp: Wie man in seiner Organisation einen Failiure Award installiert: Bild klicken!

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Wenn ich auf einem anderen Stern lebe und Design Thinking nichts für die Kirche ist schreibt das bitte in den Kommentar.

 

 

Bewege Dich schnell / move fast haben Kirchenmanager als Lernfeld bei einem Besuch von globalen Playern und Start-Ups im Silicon Valley mitgenommen (siehe Frage der Woche (KW 45-2017 auf evangelisch.de). Aber muss Kirche überhaupt schnell sein wie die großen und kleinen Techies? Und wenn ja, in welchen Bereichen? Was wäre der Vorteil? Oder steht Kirche für Kontinuität und Entschleunigung, als Gegengewicht und Anker in unserer schnelllebigen Zeit? Ich merke sofort, dass sich Kirche in einem Spannungsfeld befindet und die Übersetzung von Schnelligkeit nicht sofort auf der Hand liegt.

Treten wir einen Schritt zurück und werfen einen Blick in den Schmelztiegel der Innovation: Für Technologie-Unternehmen gilt, wer nicht agil ist in einer Welt, die sich teilweise exponentiell verändert, droht abgehängt zu werden. Um dem Anspruch „move fast“ etwas Kontext zu geben filtere ich die aus meiner Sicht wesentlichen Trigger für die Notwendigkeit von „move fast“:

TRIGGER 1: DER ENABLER

Computing Power: Eine nicht unerhebliche Rolle spielt, wenn wir von Geschwindigkeit im Tech Sektor sprechen, das Mooresches Gesetz. Moore war Intel Mitgründer und er sagte voraus, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten alle 24 Monate verdoppelt.

Unter Komplexität verstand Gordon Moore die Anzahl der Schaltkreiskomponenten auf einem integrierten Schaltkreis. Mit meinen eigenen Worten: Mikrochips sind echte Killer geworden. Diese technische Entwicklung bildet eine wesentliche Grundlage der „digitalen Revolution“.

Schauen wir uns die konkrete Bedeutung auf der Zeitleiste an: Zehn Jahre vor dem iPhone Launch kostete der erste Computer $55m (Asci Red, 1.3 Teraflops; Flops ist ein Akronym aus dem Englischen und steht für „Floating Point Operations Per Second“. Auf Deutsch bedeutet das „Gleitkomma-Operationen pro Sekunde“.). 2006 hatte eine Sony Playstation für €499 bereits mehr Kapazität (PS3, 2,1 Teraflops). Innerhalb von 9 Jahren wurde ein Computer von nationaler Dimension Normalität in deutschen Haushalten.

Unter diesem Link findest Du einen super-kleinen, programmierbaren Minicomputer für €5,66, den Raspberry Pi Zero (191 Megaflops). Der hat mehr als doppelt so viel Rechenpower, wie die NASA in den Siebzigern, um die Mondlandung zu bewerkstelligen.

TRIGGER 2: UX

User Experimente (UX). UX oder Nutzererfahrung ist nicht zwingend mit dem Thema Geschwindigkeit in Zusammenhang zu bringen, aber im Bereich Technologie davon auch nicht zu trennen. Apple schaffte durch die Verbindung von exklusivem Design und einem intuitiven Produkterlebnis ein Kultobjekt, dessen Jünger nicht nur bereit sind, vor einem Launch vor dem Flagship Store zu übernachten, sie sind auch bereit fast jeden Preis zu bezahlen. UX und Computing Power sind eng verzahnt und entfalten im Smartphone ihren ganzen Charme. Ein Supercomputer im Taschenformat, den ich immer dabei haben kann. Siri bzw. Sprachsteuerung allgemein zündet die nächste Stufe UX. Darauf gehe ich beim nächsten Trigger (Künstliche Intelligenz) noch stärker ein.

Vor etwas mehr als 10 Jahren im August 2007 hat Steve Jobs das iPhone vorgestellt. Nokia, die eher auf Funktionalität ausgerichtet waren, war seinerzeit der Platzhirsch. Für Business Leute gab es Blackberry. An die Nokias zumindest können sich alle, die vor 1990 geboren sind, noch gut erinnern, richtig? Ein Jahrzehnt reicht offensichtlich aus, um eine ganze Branche auf den Kopf zu stellen.

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(Bild: Google)

TRIGGER 3: KÜNSTLICHE INTELLIGENZ (KI)

Erst im März diesen Jahres besiegte die Künstliche Intelligenz AlphaGo, eine von der Google-KI-Schmiede DeepMind entwickelte Software, den bis dahin als unbesiegbar geltenden koreanischen Weltmeister Lee Sedol. Go ist das schwerste Brettspiel der Welt (Bild oben) und wird vor allem in Asien gespielt. Die Spieler setzen abwechselnd ihre Steine in weiß und schwarz auf einem Brett mit 19 mal 19 Feldern. Das Ziel ist es, Steine des Gegners einzukreisen und so mehr Fläche als er auf dem Spielfeld zu erobern. Wer mehr als die Hälfte des Bretts eingenommen hat, gewinnt.

Doch schon eine halbes Jahr später, im Oktober 2017 sehen auch die Fähigkeiten von AlphaGo eher bescheiden aus, denn der Nachfolger AlphaGo Zero spielt noch besser. Viel besser. AlphaGo Zero gewinnt nahezu jede Partie gegen seinen Vorgänger. Nur einige Trainings haben gereicht, um mehrere Millionen Partien gegen sich selbst zu spielen – und deutlich besser zu sein als der Vorgänger und jeder andere Go-Spiel, ob menschlich oder digital.

AlphaGo haben noch Menschen antrainiert: Sie haben das KI-System mit Spielsituationen von Go-Gurus gefüttert. Die Software hat die Spielzüge genau analysiert und Lehren daraus gezogen. „Supervised Learning“ nennen das die Experten. Das KI-System lernt zwar selbständig und probiert auch viel aus, aber wird sozusagen betreut. Das ist beim neuen AlphaGo Zero anders. AlphaGo Zero greift erstmals nicht auf menschliches Expertenwissen zurück. Das neue System kennt nur die Spielregeln, mehr nicht.

Nochmal zusammengefasst: Über Jahrhunderte haben sich Spielstrategien vom Brettspiel Go, das um ein Vielfaches komplexer ist als Schach, bewährt und wurden weiter entwickelt. Der amtierende Weltmeister wurde von AlphaGo, einem Supercomputer geschlagen. Das „Update“ AlphaGo Zero spielt in ein paar Tagen mehrere Millionen Partien und ist dann seinem Vorgänger und dem Weltmeister sowieso überlegen, braucht nur noch die Spielregeln. Wir schreiben das Jahr 2017.

KI findet Anwendung z.B. in selbstlernenden Sprachassisten und selbstfahrenden Autos. Das Benzin sind extrem viele Daten und der Motor die sogenannten Supercomputer.

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Die Technologiebranche steht an der Speerspitze einer Revolution, die bereits in unserem Leben Einzug hält (Staubsauger Roboter, Alexa) und zurecht kontrovers diskutiert wird. Wir leben in der Zeit, in der die Kapazität der Computer erstmals die menschliche Intelligenz überholt und den Menschen nicht nur am Steuer ersetzen könnten. Völlig klar, dass hier politische und ethische Fragen aufkommen.

Das in Mountain View, Kalifornien anssäsige Singularity Univercity rät zum „Exponential Thinking“ als neues Mindset und Antwort auf globale Probleme. Hier ein Auszug von der Homepage:

We empower a global community with the mindset, skillset, and network to create an abundant future. Join us on a transformative journey from inspiration to impact, and discover what being exponential means to you.

Was bedeutet nun das aufkommende Zeitalter der KI für die Kirche? Gibt es analog zu Supercomputern, UX und Künstlicher Intelligenz kirchenspezifische Trigger? Oder sollte man vielleicht erst mit den Triggern anfangen, die Kirche langsam machen? Ich empfehle einen Blick auf die folgende Untersuchung:

Global-Disruption-Map

Kirche betrifft die Digitale Tranformation wie die Branchen im Quadraten rechts unten: später als die meisten (lange Lunte) und nicht so substantiell (kleiner Knall). Und damit wir uns richtig verstehen, es geht um fast alles – wie Kirche arbeitet, interagiert, kommuniziert usw. Social Media ist ein Feld unter vielen anderen.

In Bezug auf ihre Kern-Mission sollte Kirche Kontinuität und Kante zeigen, in den Formen diese zu den Menschen zu bringen schneller, kreativer werden und die User Experience verbessern, das wäre mein persönliches Fazit zum Thema Speed & Kirche. Dazu folgende Fragen zum Nachdenken:

Was müsste sich ändern, damit Kirche in Deutschland exponentiell wächst?

Wie müsste ein Gottesdienst aussehen, damit Menschen vor der Kirche übernachten, um dabei zu sein?

PS: Ein Gottesdienst ist kein iPhone, das hinkt, ist schon klar. Aber ruhig mal durchspielen, denn vielleicht ergeben sich dadurch Ideen, die das kirchliche Leben näher an den Menschen und seine Bedürfnisse zu bringen.