Ich gehöre zu den zwei Dritteln, die den Gottesdienst ganz schön finden, weil sie ihre eigenen Gedanken nachhängen können.

Um das gleich klar zu stellen: Ich bin nicht dafür Eintritt für Gottesdienste einzuführen. Ich bin aber dafür sich Gedanken zu machen, wie Gottesdienste mehr Menschen begeistern können. Lass Dich einfach auf ein Gedankenexperiment ein.

Für 5 Euro bekomme ich einen Döner, ein Pfund Kaffee und den Flixbus von Berlin nach Hamburg (ab 4,99€). Ich kann mit wenig monetärem Einsatz alltägliche Bedürfnisse befriedigen. Der Deal ist klar und funktioniert, fünf Euro gegen Ware oder Dienstleistung. Geld ist ein knappes Gut, ich muss also immer wieder abwägen, Döner „mit alles“ oder Currywurst mit Pommes. Kirchensteuer oder den Kredit für Haus / Auto ab bezahlen.

Ähnlich ist mit der Zeit, bei den meisten von uns ein knappes und sogar endliches Gut. Die Mechanik ist ähnlich: Gottesdienst um 10 Uhr oder Ausschlafen? Wir wägen stets ab, bewerten buchstäblich den Wert der möglichen Alternativen. Philpp Pfülp bringt es vor seinem Wiedereintritt in die Kirche auf den Punkt:

„Was bringt die Kirche, habe ich mich gefragt?“

Quelle: Zeit Online

Für eine (nicht-kirchliche) Trauung kann man den monetären Wert im Internet recherchieren, ich habe eine Bandbreite von 500,- bis 1.200 Euro gefunden. Letztens habe ich gelesen, dass das Business der freien Redner regelrecht boomt!

Aber neben Trauung, Beerdigung und Konfirmation bzw. Firmung, die ja zu den großen Ausschlägen im Leben gehören – was müsste sich verändern, damit Menschen bereit sind, eine kleine Summe Geld für einen Gottesdienst hinzulegen? Um sich dieser Frage zu nähern machen wir eine…

Virtuelle Übung: Ich gebe Dir jetzt in Gedanken fünf 1 Euro Stücke. Die vergibst Du bitte an die folgenden 10 Optionen. Du kannst auch fünf Euro an eine Option vergeben. Ich habe 7 Varianten vorgelegt, die fehlenden 3 Optionen (x, y, z) vergibst Du nach eigenen Assoziationen.

  • Predigt
  • Liturgie
  • Gesang / Musik
  • Gemeinschaft
  • Gebet
  • Seelsorge / Beichte
  • Stille
  • x
  • y
  • z

Ich würde 3 Euro auf Gemeinschaft und 2 Euro auf Musik setzen. Schreibt mir gerne Eure Aufteilung in den Kommentar hier oder auf Twitter.

In der Theorie sollen Gottesdienste zweckfrei sein. In der Praxis brauchen immer mehr Menschen eine innere Begründung, einen Anlass bzw. Zweck um Zeit im Gottesdienst zu verbringen. „Was bringt es mir?“ klingt egoistisch, ist aber gleichzeitig menschlich. Und entspricht dem Zeitgeist der Selbstoptimierung. So hart es ist, Gottesdienst ist ein Tausch von Zeit gegen – die Frage mag sich jeder selbst beantworten.

Wie groß ist der Graben zwischen dem Gottesdienst Angebot und den Bedürfnissen der Menschen geworden? Wie kann die Schnittmenge wieder größer werden, wenn z.B. der Löwenanteil der 5 Euro Optionen auf Gemeinschaft entfällt? Wie muss sich der Gottesdienst, wie muss sich Kirche verändern, um von mehr Menschen WERTgeschätzt zu werden?

In „meinem“ Kirchkreis (wenn ich nicht vor 20 Jahren ausgetreten wäre) kann man das Predigtthema der Auferstehungskirche Lohbrügge gerade auf ebay ersteigern. Das Höchstgebot liegt acht Tage vor Auktionsende bei über 50,- Euro. Was mir gut gefällt ist der partizipative Gedanke, die Gemeinde hat eine Stimme bzw. kann mitbestimmen. Was mir noch besser gefällt ist der Gedanke des Experimentierens, der hinter der Aktion steht: Jeder 5. Gottesdienst ist ein Experiment.

Experimente bei Kirchens sind schwer vorhersehbar und haben eigene KPIs / Metriken.

Mit einem Explorer Mindset und Experimenten (siehe Grafik unten) kommt man zu neuen, hilfreichen Erkenntnissen. Und wird vermutlich auch Kritik einstecken, Flops erleben. Es ist wichtig zu wissen, dass Experimente andere Ziele verfolgen als Standards. Wir betreten unbekanntes Terrain, das erfordert eine Menge Mut!

Quelle: Strategyzer.com

Für alle, die mit 5 Euro Gedankenspielen und auf ebay ersteigerten Predigtthemen symphatisieren habe ich diese Ermutigung übersetzen lassen.

Das Geschenk, nicht hineinzupassen.
Vor vielen Jahren arbeitete ich eine Woche lang bei einem christlichen Fest, der Frühlingsernte. Es war eigentlich das letzte Mal, dass ich zustimmte zu gehen (obwohl ich dieses Jahr für eine Woche zurückkehre). Es erwies sich als eine schwierige Woche. Ich war eingeladen worden, etwas Kreatives oder Anderes zu tun, aber als ich dort ankam, war die Erwartung offensichtlich nicht so. Aber in dieser Woche bat mich jemand, den ich nicht wirklich kannte, mich zum Kaffee zu treffen, um zu plaudern. Sie wussten nichts von der Erfahrung, die ich hatte.
Aber eines der Dinge, die sie sagten, ist seitdem bei mir geblieben:

Du passt nicht dazu und das ist dein Geschenk.

Es erinnert mich an ein Zitat von Marshall Macluhan – die Rolle des Künstlers besteht darin, eine Anti-Umgebung als Mittel zur Wahrnehmung und Anpassung zu schaffen. Es war so überraschend von dieser speziellen Person und war damals eine große Erleichterung. Es gibt viele Künstler, Propheten, Kreative, Unternehmer und Change Agents, für die dies wahr ist und deshalb sind sie in der Lage, das zu tun, was sie tun. Kulturen brauchen Menschen, die nicht passen – so wird es weitergehen, wenn sie stecken bleiben. Ich wurde auf dieser Reise in die USA daran erinnert, da ich eine Reihe von Menschen getroffen habe, für die diese Aussage sowohl in Okklahoma als auch in Austin gesagt werden konnte. Und sie sind erstaunlich begabte, wunderbare Menschen. Und rate mal was – die institutionelle Kirche bekommt es wirklich nicht richtig mit!

Ich habe mehrmals über die Kirche von England gebloggt und Raum geschaffen, um zu erkennen, dass Pioniere eine andere Gabe/Aufruf/Satz von Fähigkeiten haben, und anerkannt, dass sie diese Art von Menschen brauchen, um neue Dinge oft rund um oder abseits der bestehenden Karte zu schaffen. Es gibt viel Arbeit in Bezug auf Training und eine Reihe anderer Themen. Aber zumindest ist die Anerkennung da. Wieder einmal bleibt mir der Gedanke, dass andere Konfessionen daraus lernen könnten. Wenn jemand viele Fragen stellt, nicht passt, kreativ ist – schiebe sie nicht weg. Gib ihnen den Raum, etwas anderes und Neues zu schaffen und der Versuchung zu widerstehen, es zu zweckentfremden.

Die vereinte methodistische Kirchenkonferenz in Oklahoma verlief gut. Die Menschen genossen es besonders, die Anbetung zu erleben. Alternative Anbetung, weil sie sich auf die Tradition stützt und die Liturgie in den Kontexten des Mainlines spielt, wie es scheint. Ich hoffe, die Kirche dort kann darüber nachdenken, was sie mit ihren kreativen, „nicht passenden“ Menschen machen soll, und widersetzt sich, sie in reguläre Kirchen zu bringen, was sie und diese Kirchen wahrscheinlich frustrieren wird.

Übersetzt aus dem Englischen / Blog von Jonny Baker und mit http://www.DeepL.com/Translator

Vor einem Jahr habe ich einen Kommentar zum YouTube Testpiloten der EKD geschrieben, Zeit für eine Bilanz kurz vor dem Auslaufen der ersten Staffel Ende April.

Ich schreibe hier als selbsternannter YouTube-Experte und Möchtergern-YouTuber – Anzeige – 59 Abos nach 11 Jahren.

Worum geht es?

Den Volkskirchen laufen die Jugendlichen davon bzw. haben das schon getan. Von einer ersten „entkirchlichten jungen Generation“ spricht die EKD und bezieht sich dabei auf eigene Studien. Trotz unverändertem Interesse an Glaubens- und spirituellen Themen gehört die Institution Kirche nicht mehr zum relevant set bei Glaubensthemen, Annäherung findet im „privaten Raum“ statt, so heißt es. Dieses Gap gilt es zu schließen.

Im Brand Marketing würden wir sagen, es gibt ein Problem mit der „mental availability“ (=refers to the probability of a consumer noticing, recognizing, and thinking of your brand in a buying situation). Wenn es um Glaubensfragen geht – hier gleichgesetzt mit Kaufsituation – ist die Kirche nicht verfügbar bzw. nicht Teil des privaten Raums, sie findet dort mental nicht statt. Um das zu ändern muss die Kirche Aufmerksamkeit erregen. Und mehr noch, bei jungen Menschen ist sie gezwungen sich Reichweite einzukaufen, da es vermutlich wenige Role Models (engl.) innerhalb der evangelischen Welt gibt, die die Kirche wieder ins relevant set bringen könnten. Vor diesem Hintergrund ist Jana gecastet und engagiert worden.

Data beats opinion

Lassen wir Zahlen und Fakten sprechen, soweit vorhanden und als Sahnehäubchen spekuliere ich ein bisschen:

  • Abos (Fakten): Mediakraft / GEP haben 10.000 Abonnenten in 12 Monaten angestrebt und geliefert. In den letzten 30 Tagen wurden laut Socialblade über 1.500 Abos dazugewonnen. Auf Instagram folgen Jana aktuell 6.200 Menschen, die Überschneidung mit den aktuell 12.300 Abonnenten ist sicherlich erheblich (Mutmaßung von mir). 
  • Zielgruppe (Spekulation): Wenn 75% der Abonnenten (inkl. April) zwischen 14 und 29 Jahren sind wäre es eine Punktlandung von 10.000 Abos in dieser Zielgruppe – meine persönliche Einschätzung liegt zwischen 65 und 70% Zielgruppenmatch.
Quelle: http://www.socialblade.com
  • Views (Fakten): 584.970 Aufrufe bei 114 Uploads ergeben ca. 5.000 Views pro Video. Die 3 beliebtesten: 1. JANA kennenlernen – Was machen Glaube und Religion auf YouTube? (55.000), 2. DESHALB STUDIERE ICH NICHT THEOLOGIE | Q&A MEDIZINSTUDIUM | #5 | JANA, (20.000) 3. WORAN GLAUBST DU? | KAFFEEDATE MIT JANA | #2 (19.000).
  • Views (Fakten): Im März gab es das monatliche all-time-high mit über 120.000 Aufrufen.
  • Kosten / Social Impact (Spekulation): Bei im Netz gemutmaßten €250.000 und ca. 120 Videos insgesamt kostet eine Folge €2.000. Das ergibt folgende Social Impact Metriken gemessen am Kanalschnitt (Basisvideo für die Berechnung) von etwas über 5.000 views:

Was ich genau so gemacht hätte / gut gelaufen ist:

Die EKD hat erkannt, dass sie was tun muss. Da es wenig Fachwissen im Bereich Social Media gab hat die EKD das (oder die?) GEP beauftragt. Das GEP hat erkannt, das sie wenig Ahnung von YouTube hat, schon einmal gescheitert ist und entschieden, ExpertInnen (Mediakraft) ins Boot zu holen. Selbstkritisch zu sein ist in diesem Fall ein Ausdruck von Professionalität.

Mediakraft macht handwerklich gute Arbeit. Die Frequenz von 114 Videos in ca. 11 Monaten ist YouTube-Algorithmus freundlich. Kulturell relevante Themen wie Weihnachten (leider erst am 21.12. und damit ziemlich spät hochgeladen) oder der Weltfrauentag werden smart für die SEO (Search Engine Optimization) aufgegriffen, siehe JEDER HAT EINE (WEIHNACHTS)GESCHICHTE | KAFFEEDATE-SPEZIAL | #4 oder MÜSSEN SICH FRAUEN UNTERORDNEN? DISKUSSION MIT PFARRERIN HANNA | WIR ZUM WELTFRAUENTAG | #32.

Der Buzz um Janaglaubt war von Anfang an und ist immer noch groß, innerkirchlich als auch auch in der (säkularen) Presse. Das hat viel Aufmerksamkeit auf YouTube gelenkt und eventuell einige bei Kirchens motiviert, auf eigene Faust die Reise als Influencer anzutreten.

Jana hat 114 Videos neben ihrem Medizinstudium gedreht und zeigt keine Ermüdungserscheinungen – das ist eine respektable Leistung.

Was hätte ich anders gemacht / was kann verbessert werden?

  • Die GEP / AEJ / EKD haben durch fehlende Transparenz nach innen und eigene PR nach außen zu wenig Vertrauen und Identität für das Projekt Janaglaubt geschaffen. Oder habe ich was verpasst?
  • Jana ist zum Gesicht und zur Antwort der EKD hochstilisiert worden. Was wäre das für ein Armutszeugnis, dass eine Kirche mit 20 Millionen Mitgliedern nicht mehr in die Waagschale zu werfen hat als eine begabte Medizinstudentin mit frei-kirchlichen Wurzeln. Ich habe was verpasst, oder?
  • Entkirchlichte Jugendliche werden zu entkirchlichten Erwachsenen. Jetzt ist ein Jahr vergangen und demnächst läuft die ersten Staffel aus und vielleicht wird sogar die YouTube-Reset-Taste gedrückt. Die Ziele, den Kontakt zu Jugendlichen aufzubauen sind mir nicht ambitioniert und nachhaltig genug. Was sind 13.000 Abos auf YouTube? Let’s face it: close to nothing. Der offzielle YouTube-Kanal von Ramstein hat einen Durchschnitt von 16.000 Abonnenten in den letzten 30-Tagen – pro Tag. Das ergibt 480.000 neue Abonnenten in den letzten vier Wochen – just saying (Quelle: www.socialblade.com).
  • Ich vermisse in der Debatte um Janaglaubt sowohl eine Risiko- als auch Vertrauenskultur. Ins Risiko geht man nur, wenn man das Vertrauen der KollegInnen hat. Das scheint bei Kirchens zweifelhaft, es gibt oft nur schwarz und weiß, viel innerkirchliche Politik und keine „auf dem Gedanken des anderen aufbauen“-Mentalität. Kein guter Nährboden für innovative Projekte. Innovation muss ab sofort von der lokalen Basis übernommen werden!

By the way: Wir Freikirchler nehmen Jana sicher gern als Botschafterin für den christlichen Glauben, falls sie sich entscheidet nicht mehr weiter zu machen oder die EKD / GEP – auch wenn sie meiner Meinung nach teilweise recht konservative Ansichten vertritt. But that’s just another opinion…

Fazit: Wenn die EKD nicht vollkommen den Anschluss an Jugendliche und junge Erwachsene verlieren will muss es weiter gehen. Auf YouTube oder Instagram, mit oder ohne Jana, das ist total nebensächlich. Es gibt inzwischen eine Playlist mit weiteren Optionen / Influencern. Wenn die Aufgabenstellung war 10.000 Abos zu machen und mit jungen Menschen über Glaubensthemen in Kontakt zu kommen – Haken dran. Wenn 3/4 der Abonnenten zwischen 14-29 Jahre alt sind soll Mediakraft dafür bezahlt werden, denn sie haben geliefert. Jetzt müssen die Ärmel hochgekrempelt werden und es muss in die Tiefe gehen: Wer sind die Abonnenten, worüber haben sie gepostet, was haben sie geliked? Digitale Kommunikation heißt auch mit Daten umgehen zu lernen.

Langfristig muss aus den gewonnen Daten, der gewonnenen Nähe zur Jugend eine kirchliche Präferenz, aus dem Follower ein/e Glaubende/r entstehen – oder wofür steht die EKD nochmal?

Warum nicht groß denken? Mit 10 Influencern in einem Jahr eine Million Abos / Follower anpeilen? Mit mehr Vielfalt und weniger Marketing. Das Gelernte nutzen und die nächste Stufe zünden.

Schaut Euch gerne mal die Angebote von Funk an: Klotzen nicht kleckern, wenn man relevant im Sinne von Jugendkultur bleiben möchte. Warum nicht ein joint venture mit den den Katholiken gründen, so wie es ARD und ZDF mit Funk vorgemacht haben.

Bild: http://www.funk.net / Gemeinschaftsangebot der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF)

Warum Funk mit 69 Kanälen auf YouTube präsent ist kann man unter anderem durch diesen Podcast zur Jugendkultur / Social Media in Deutschland besser verstehen.

Quelle: Deutschlandfunk Kultur Podcasts: Always on! – Digitale Jugendkultur

Because I’m human.

Die 2019er Ausgabe „shift“ stellte die Frage nach unserem schöpferischen Potential in den Mittelpunkt. Für mich ist klar: Wer Ebenbild des Schöpfers ist braucht nach dem Grund seiner Kreativität nicht lange zu suchen. shift ist eine Zukunftskonferenz mit dem Fokus auf Kreativität, Digital / Social und Glaube. Wenn Shift der Wandel ist, in dem wir uns befinden ist Kreativität die Rezeptur, wie wir ihn gestalten.

Es gab für mich eine Reihe Themen, die ich gerne gehört bzw. besucht hätte. Es waren einige Highlights dabei, wie ich von anderen TeilnehmerInnen gehört habe. Ich bin aus verschiedenen Gründen insbesondere dem Thema Design Thinking (vereinfacht: kreatives Problemlösen) nachgegangen. Es gab aber unter anderem auch diese spannenden Anbgebote:

  • Immersives Storytelling
  • CoWorking / CoCreation
  • Verschiedene Tracks zum Thema Unternehmenskultur

Was die Zukunft (der Kirche) angeht: Let’s face it: Niemand weiß es. Was wir aber wissen ist, dass Kreativität eine größere Rolle einnehmen wird. Sie kann helfen der Kirche ein neues Narrative jenseits des Rheinisches Grundgesetzes „es hätt noch immer jot jejange“  zu entwickeln. Rheinisches Grundgesetzes übersetzt heißt, den Optimismus aus der Tatsache zu ziehen, dass Kirche die Trends der letzten zwei Jahrtausende überlebt hat, während die DDR, NOKIA und Kodak nicht reüssiert haben. Die shift-Community verstehe ich einerseits als Gemeinschaft von Gestaltern, die nach vorne schauen („Resonanzraum für Zukunftsfragen“) und andererseits konservative Bewahrer dessen, was Kirche immer ausgemacht hat. Und das war schön zu erleben, die vielen GründerInnen, UnternehmerInnen und experimentierfreudige/n GestalterInnen, die mit sozialen, kirchlichen und kommerziellen Projekten experimentieren bzw. damit ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Ich bin froh, dass ich mich noch kurzfristig entschieden habe Ende Februar in den Design Center der Hochschule nach Hannover zu fahren, um mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, gemeinsam zu lernen und Zukunftsfragen zu diskutieren. Nach eineinhalb Jahren Bloggen und Twittern für mehr kulturellen Wandel endlich angekommen bei den „Just do it“ Kirchen-Pragmatikern? Auch, aber nicht nur würde ich meinen.

Aber zurück in die Zukunft: Gastgeber ist die Medienarbeit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers zusammen mit Prof. Gunnar Spellmeyer und Nexter (Entrepeneurship Center der Hochschule Hannover) sowie dem Mann, der alle Fäden zusammenführt: Klaus Motoki Tonn. Die Liste der Speaker und einige Impressionen findet ihr auf shifthappens.how.

In der ersten Keynote gab Prof. Spellmeyer einen Crash-Kurs in die Methode des Design Thinking ohne allerdings die Brücke zu den Herausforderungen der Kirche zu schlagen. Es war spannend zu verfolgen dass ein Experte für Industriedesign ein ähnliches Methoden-Bild zeichnet wie es bei uns in der Corporate Welt üblich ist.

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Die fünf Phasen des Design Thinking

Ich halte Design Thinking für sehr relevant, um die Kultur von Kirche zu verändern. Wichtig ist nicht nur die Methode als solches, sondern die Mindsets, die damit einhergehen: kreatives Selbstbewusstsein, Empathie, von Fehlern lernen, machen ist besser als planen, Optimismus, Ungewissheit umarmen und eine Kultur der Iterationen. Wann Design Thinking überhaupt Sinn macht erfahren wir in der Nachmittagssession von Meline Costa, Co-Founderin der Berliner Innovationsagentur Coeva.

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Design Thinking hilft dabei eine Innovationskultur aufzubauen

Design Thinking war vielleicht auch deshalb ein Schwerpunkt der Veranstaltung, weil  sich Kirchens aus meiner Sicht nicht so ganz smart mit der Auswahl der Themen der Zukunftgestaltung umgeht. BlessU-2, der Segensroboter hat ja eher Probleme aufgeworfen, wo vorher keine waren. Und während ich hier schreibe wird auf der Konferenz Menschen-Maschine gefragt, ob man Roboter, die ein Bewusstsein haben, zum Gottesdienst einladen soll?! Sind das wirklich die Themen, die Gläubige umtreiben?

Empathie steht ja am Anfang des Design-Thinking Prozesses und ich bin sicher, wenn man den Menschen gut zuhört und mit ihnen spricht – und nicht seinen eigenen Annahmen als das Non plus ultra begreift – dann kommen auch Herausforderungen zum Vorschein, die einen stärkeren Bezug zu unserem Leben und einer Zukunft haben, die noch unserer Vorstellungskraft entspricht. Robotics ist ja durchaus ein aktuelles Thema, aber eher bei stupiden, wiederkehrenden Aufgaben z.B. in der Autoproduktion. Wie schwierig es ist Fragen der digitalen Ethik mit Zukunfts-Kirchen-Design zu verbinden ist ja unter anderem daran abzulesen, dass viele in dem Prototypen einen Ersatz für den bzw. die PastorIn gesehen haben. Viele der shift-Teilnehmer und Speaker sind durch ihre Projekte und Firmen geerdet und nah an den Bedürfnissen des Menschen. Diese Erfahrung in das Design der Kirche von morgen einzubringen ist ein großer Gewinn und hätte vermutlich verhindern können, dass die Roboter-Diskussion in eine völlig quere Richtung läuft: #human-centered.

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Jedenfalls bin ich der Ansicht, dass Design Thinking wieder für mehr Bodenhaftung und eine Vielfalt der Perspektiven sorgen kann. Oder wie es das shift -Team formuliert: „die eigene bias verlassen.“

Ist ja bei Unternehmen nicht anders, dass die Führungsmannschaft z.B. eines Telekomanbieters selbst nicht mehr in der Hotline hängt oder im Laden kauft. Aber von diesen Menschen leben nun mal Konzerne, von Kunden die einen Wunsch oder ein Problem haben, das sie gelöst bekommen haben wollen. Betriebsblindheit ist ja etwas Menschliches! Und wenn man sich ihrer bewusst wird kann man sie auch steuern / überwinden – self-awareness kommt vor self-management.

Neben den oben genannten ReferentInnen war es eine große Freude neue Bekanntschaften zu schließen bzw. alte aufzuwärmen, z.B.

Ja, zugegeben: die Community ist nicht sehr riesig. Vielleicht ist das auch nie der Plan gewesen, aber sie ist wichtig, um Optimismus und neue Optionen in die traditionelle Kirchendenke zu bringen. Und sinnvolle Prozesse und Kulturwandel – Kreativität sowieso. Schön, dass diese Gemeinschaft schon feste Anlaufstellen hervorgebracht hat: den Heimathafen in Wiesbaden und mit Abstrichen den Hafven Hannover (?). Muss ich Klaus nochmal fragen, ob das zweite so stimmt.

Eine Frage stellt sich nachdem wir alle den Segen empfangen haben und wieder auseinander gehen: Wie skaliert man diesen Forscher-, Pionier und Gründergeist in der Organisation Kirche? Wir waren vielleicht 60-70 Leute, die sich einmal im Jahr treffen – was viel und gleichzeitig viel zu wenig ist. Für meinen Teil mache ich mich auf die Suche nach Gleichgesinnten, die sich auch einen „Hafen“ für Hamburg wünschen.

Wenn ich mich wirklich als eine Abbild des Schöpfers begreife, dann kann es nur so sein, dass auch ein „Creator“ in mir steckt. Aus Gründen ist das nicht die erste Assoziation, die man bei uns Christen hat. Diese schöpferische Power zu heben und sichtbar zu machen ist eine gute Investition!

Vielleicht auch interessant: „Meine erste BarCamp-Erfahrung“ bei der Nordkirche im Februar 2019.

 

 

Für die ersten zwei Stunden bin ich am 11. Februar 2019 in das Hansebarcamp in Hamburg-Altona eingetaucht. Wenn die Internet-Community der Nordkirch(n) sich so geballt trifft wird das bestimmt eine spannende Erfahrung. Und tatsächlich, die 120 Minuten haben sich gelohnt.

Der Reihe nach: Der Check-in wurde von den Pfadfinder durchgeführt, das gab direkt einen Pluspunkt. Man vergisst ja leicht, dass so ein kostenloses Camp vermutlich auch von einigen Freiwilligen mitgetragen wird. Catering, Räume, Technik, Moderation und die Twitterwall – alles war am Start. Aufräumen nicht zu vergessen!

Die Atmosphäre war einladend, ich fand sofort Anschluss unter ca. 100 TeilnehmerInnen. Der Löwenanteil schien hauptberuflich für Kirchens im weiteren Sinne zu arbeiten, es gab aber auch LehrerInnen und Sponsoren – oder heißt es SponsorInnen? Und LöwInnenanteil? Egal, Vernetzung hat gut funktioniert.

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Von Berlin bis Oldenburg kommen die Digitalexperten – und von noch weiter her.

Das Timing haben die Veranstalter sehr gut im Griff, sie starteten mit einer persönlichen Vorstellungsrunde. Das gab mir einen guten, ersten Eindruck, mit wem ich es hier zu tun habe.

Die unterhaltsame Keynote von Martin Fehrensen könnt ihr besser beim Bericht der Nordkirche nachlesen. Der Überblick mir gut gefallen, allerdings wurde aus meiner Sicht nicht ganz deutlich, ob er jetzt für oder gegen ein kirchliches Social Media Engagement ist. War vielleicht auch gar nicht gebrieft, es ging mehr um die allgemeinen Trends.

Martin hat jedenfalls mehrmals den Begriff „Fahrwasser“ für Facebook & Co. verwendet, dessen man sich bewusst sein müsste. Das ist erstmal ein guter Ansatz, aber eine klare Haltung hätte nicht geschadet. TikTok, bist Du nun eine Option oder wirst Du nur zur Abschreckung gezeigt, damit wir sehen, wie schlimm und exponiert soziale Plattformen betrieben werden. Martin hat nach der Keynote eine Session zum Thema Facebook-Gruppen angeboten, daher ist er vermutlich (unter bestimmten Bedingungen) vermutlich durchaus für den Einsatz von Social Media.

By the way: Bei Facebook Inc. arbeitet die gläubige Nona Jones als Global Faith-Based Partnerships Leader @facebook daran, christliche Communities zu entwickeln. In den USA haben die Facebook-Gruppen einen viel größeren Stellenwert, das lässt sich nicht mit Deutschland vergleichen.

Da TikTok auf großes Interesse gestoßen ist mache ich hier kurz Werbung für meinen Blogpost vom November (inklusive Tipps, was wir von China lernen können).

Leider konnte ich nur bis zur Vorstellung und Konsolidierung der Sessions bleiben. Aber großartig, wie hoch die Beteiligung und die Vielfalt der Themen war. Meine persönliche Nummer 1: Einen Gottesdienst partizipativ gestalten mit Hilfe von Design Thinking. Da es viel zu viele Themen gibt werden pragmatisch Sessions zusammengelegt. Mein Favorit z.B. fusionierte mit einem interaktiven Gottesdienst, der schon in der Hamburger St. Nicolai Kirche stattgefunden hat mit der Hilfe von Sublan.tv. Aber auch die Sessions Chatbots, Insta, Crowdfunding, Podcasts / Vlogging und klangen super spannend!

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Was mir an dem Barcamp gut gefallen hat:

  • Das Mindset mit- und voneinander zu lernen.
  • Die Vielfalt der Teilnehmer und Themen, denn wir sind eine vielfältige Kirche
  • Der Praxisbezug! Da wurde z.B. – so vermute ich zumindest – live an einem Prototypen für ein Jugendportal gearbeitet.
  • Die Bereitschaft zusammen zu arbeiten in dem Sinne, dass ich nicht davon ausgehen dass meine Session exklusiv nur ein Thema behandeln wird
  • Das Barcamp war sehr basisnah und demokratisch. Mit Theologie, Theorie und Fußnoten habe ich keinen Vertrag, daher kam mir die Form sehr entgegen.
  • Das offene und zugleich professionelle Auftreten des Orga-Teams, das sorgte für eine kollaborative, gute Atmosphäre. Auch die digitale Begleitung bzw. Nachbereitung war klasse.
  • Und last but not least: Ich habe Optimismus gespürt. Ich dachte immer Theologen können nur analytisch-urteilend  und „ja, aber“. Das war hier nicht so oder es waren einfach keine Theologen? JA, ich habe Vorurteile. Vielleicht sollte ich mehr auf Barcamps abhängen und weniger auf Twitter?! Deal.

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Bei der Sessionvorstellung bildete sich eine lange Schlange – ein gutes Zeichen!

Was ich an Tipps geben würde, wenn mich jemand fragt:

  • Duzen erleichtert die Zusammenarbeit, das könnte man einfach bei der Begrüßung einführen oder als Punktesystem ergänzen (Hintergrund: ein roter Punkt bedeutete, dass man nicht fotografiert werden möchte).
  • Ein spielerisches Element hätte ich mir zu dem Format gut vorstellen können. Lockert auf, fördert das kreative Denken und die Durchblutung. Eine Giraffe hinter dem Rücken aus Papier basteln in einer Minute oder sowas.

Fazit: Auf Twitter lese ich viel Konjunktiv und wir brauchen dies und jenes im Kontext der DigitaleKirche. Und theologische Abhandlungen und in einer Sprache, die ich oft nicht verstehe. Beim Barcamp habe ich mich besser aufgehoben gefühlt: Menschen, die MACHEN wollen, die anpacken können und im positiven Sinne normal sind. Naja, ich habe ja nur ein paar wenige gesprochen – also bleibt es ein sehr persönlicher Eindruck.

Meine Überzeugung ist: Jede Theologie und Theorie löst sich in Luft auf sobald sie auf Menschen trifft. Daher zügig ran an das Objekt – und weniger Fußnoten!

Vielen Dank #Hansebarcamp! De Zeit, die ich dabei sein konnte war richtig gut!

 

 

Mit 16 Jahren startet Diana zur Löwen ihren YouTube-Kanal. Inzwischen ist die 23-jährige Influencerin und Unternehmerin am Ende ihres BWL-Studium. Sie beherrscht die Social Media Klaviatur perfekt. Sie engagiert sich gegen HateSpeech, für STARTUP TEENS, das Deutsche Rote Kreuz und Europa. Im Dezember hat die gefragte Rednerin ihren ersten TED TALK aufgenommen. Ich finde Dianas Podcast sehr inspirierend und nicht nur für die Gen Y relevant, für die sie ein prominentes  Role Model darstellt. Ich habe ihren letzten Podcast aufgegriffen um uns alle auf das neue Jahr 2019 einzustimmen. In dem Podcast geht es um…

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Foto: Instagram

 

6 Buchstaben, die mein Leben verändert haben

GROWTH ist ein Ansatz, den Diana über die letzten Jahre entwickelt hat und den habe ich für Euch zusammengefasst und hoffe, es ist nur der Appetizer für Dianas Podcast (siehe unten).

G: Get out of you comfort zone

Hier geht es darum Neues auszutesten und zu lernen. Neue Leute ansprechen und neue Sportarten auszuprobieren sind nur zwei Beispiele. Teste Deine Grenzen aus und gehe darüber hinaus, denn dann wirst Du in der Lage sein zu wachsen.

R: Read

Bücher tragen zur Entspannung bei. Du musst aber die Disziplin haben weniger Zeit am  am Handy zu verbringen, damit es wirklich klappt mit dem Lesen. Ein Buch ist voll von wertvoller Information und ein „statischer“ Ausgleich, der nicht vibriert.

O: Open up to others

Social Media kann ein Druckmittel sein, dass Dir suggeriert, dass Du den perfekten Zustand anstreben musst z.B. beim Beruf oder der Partnerwahl. Öffne Dich Deinen Herzensmenschen in den Punkten, die eben nicht perfekt sind. Gib Dich nicht mir dem Status Quo zufrieden und verändere das eine Leben, das Du hast.

Inspiriert wurde Diana durch das Buch Lean in von Sheryl Sandberg.

W: Find your WHY?

Inspiriert durch Simon Sineks Ted Talk with „Start with why“. Stell Dich, Deine Vergangenheit und Deine Beziehungen immer wieder in Frage. Wer und was macht mich glücklich? Nimm nicht als gegeben hin und hinterfrage den Status Quo.

T: Time Management

Kennt ihr die Leute, die immerzu beschäftigt sind? Das ist doch uncool. Hast Du Deine Zeit mit den richtigen Dingen wir Sport und Beziehungen pflegen gefüllt? Organisiere Dich so, dass Du genug Zeit für Dich selbst und die Dinge hast, die Dir am wichtigsten sind.

H: Helping others helps you

Soziales Engagement erweitert Deinen Horizont. Du lernst nicht nur tolle Leute sondern auch Dich selbst besser kennen.

Nicht nur der letzte Podcast aus 2018 lohnt sich.

Das Thema Weihnachten kommunikativ digital zu besetzen ist bisher v.a. eine Kompetenz von Elektronik-Händlern und Lebensmittel-Einzelhändlern gewesen. Siehe Blogpost zu Weihnachten 2017 von vor einem Jahr.

Mitte Dezember ist es dem Bistum Essen gelungen durch eine kreative Einladung zum Weihnachts-Gottesdienst weit über die Bistumsgrenzen hinaus Buzz zu kreieren.

Nicht nur die knapp 100.000 Views sind bemerkenswert (der geschätzte Durchschnitt liegt eher um die 400), sondern vor allem das große Presseecho darunter die Bild und Sat1 Fernsehen. Der YouTube-Kanal zeigt insgesamt, dass hier keine Anfänger am Werk sind: Preacher Slams, Sprachtipps, ein Pfingsten-Erklärvideo und Playmobil Stories machen Appetit darauf, die Gemeinde kennen zu lernen. Mir persönlich gefällt das Video zum Pfarreientwicklungsprozess auch sehr gut.

Was haben die pfiffigen Social Media Redakteure des Bistums richtig gemacht? Aus meiner Sicht 3 Dinge:

Keine Scheu Risiko einzugehen: Dieses Experiment hätte auch schief gehen können. Das Bistum war mutig und erntet viel Lob – auch von Atheisten (siehe Video-Kommentare). Die Kritiker finden sich eher unter den Gläubigen.

Achte auf das Timing: Das Video wurde etwa eine Woche vor Weihnachten hochgeladen. Für die Presse eine Meldung wert, vielleicht weil man vom Bistum Essen so gute Unterhaltung nicht erwartet hat. Die Wahrscheinlichkeit als Kirche Aufmerksamkeit zu bekommen ist an den großen, christlichen Feiertagen am höchsten.

Sei kreativ: Es wurde hier die sogenannte Mash-up Kreativitästechnik angewendet (wahrscheinlich unbewusst). Zwei Dinge oder Branchen werden gemixt und es kommt etwas Neues dabei heraus. Was Kreativität bewirken kann zeigt das Beispiel Bistum Essen sehr deutlich: Sichtbarkeit in einer mit Informationen überfluteten Welt.

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Quelle: IDEO, Mash-up Technik: Gottesdienst + Flugsicherheit = Weihnachts-Video

Bin gespannt, ob der ein oder andere Essener zwischen Playstation- und Edekawerbung die Einladung zum Weihnachtsgottesdienst gesehen hat und sogar annehmen wird.

Hier findet ihr den Pressetext des Bistums Essen.

Ist Facebook das nächste MySpace? Zumindest mit Blick auf die Zahlen in Europa deutet sich eine Trendwende an. In den jüngst veröffentlichten Quartalszahlen beeindruckte der Konzern zwar mit einem 33%-tigen Umsatzplus auf 13,7 Milliarden Dollar, konnte aber in Europa überhaupt kein Nutzerwachstum generieren , sondern hat sogar 1 Millionen Nutzer verloren und zwar auf täglicher- als auch auf monatlicher Basis.

Wer Kinder im Teenageralter hat weiß, dass es das soziale Netzwerk Facebook in Zukunft schwer haben wird. Zum einen wächst die Bedeutung des hauseigenen Fotodienstes Instagram rasant (Quelle: futurebiz). Mittlerweile dürfte die Reichweite bei 20 Mio.

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Nutzern in Deutschland liegen (MAU=monthly active users). Und dann ist da dieses Tik Tok? Die Plattform versteht sich als Social Network mit Schwerpunkt Musik (v.a. Lippen-synchronisation von populären Songs) und Tanz. Nach eigenen Angaben „..designed for the next generation of creators.“

Da die Social Media Welt so schnelllebig ist möchte ich eine weitere Trendwende in den Fokus nehmen, die vielleicht einige nicht ganz so auf dem Schirm haben: „Rising China“.

Tik Tok hat im September zum ersten Mal Facebook, Instagram, YouTube und Snapchat in monatlichen Installationen überholt hat – in den USA. Das ist insofern erwähnenswert, da es sich bei Tik Tok um eine Video Sharing App mit chinesischen Eigentümer handelt. Die Firma Bytedance hat 2017 Tik Tok und musical.ly „gemerched“, um den US-Markt zu erobern, scheinbar mit Erfolg. Tik Tok war schon im Q1/2018 die Nummer 1 der Non-Gaming Apps im Apple Store, Zielgruppe sind ausschließlich an Teens und Twens. Zum Vergleich: Tik Tok hatte im Juli 2018 500 MAUs und ist damit (noch) etwa halb so groß wie Instagram. Beide sind wie auch Snapchat als Mobile First Produkte entwickelt worden.

Spannend ist Tik Tok vielleicht für Religionspädagogen. Offensichtlich lieben Teens und Twens (immer noch) Musik, Tanzen und die Selbstinszenierung. Ich habe selbst keine Töchter, habe aber gehört, dass sich v.a. die Nutzerinnen ziemlich aufbrezeln auf der Suche nach Likes und um wahrgenommen und gemocht zu werden. Unternehmen wie Beiersdorf haben bereits Kampagnen für 8×4 getestet. „Money follows eyeballs“ heisst es bei uns in der Kommunikationsbranche. Kirche follows …? Datenschutz? Schwierig, den Satz auf Kirchens zu übertragen, oder?

Ein Wort zu Bytedance, der Firma hinter Tik Tok: Bytemod Pte Ltd., so der offizielle Name, ist ein chinesisches Unternehmen für Internettechnologie, das mehrere auf maschinellem Lernen basierende Content-Plattformen betreibt. Das Kernprodukt von ByteDance, Jinri Toutiao, ist eine beliebte Content-Plattform in China. Bytedance nutzt auch für Tik Tok künstliche Intelligenz, um Inhalte basierend auf dem Interesse der Nutzer in Echtzeit zu verbreiten.

Und gut zu wissen: 4% der Unicorns außerhalb der USA kommen aus Deutschland, 52% aus China. Just saying. Wer mehr Interesse an globalen Entwicklungen und insbesondere dem aufstrebenden China hat, dies ist ein sehr lesenswerter Artikel auf gruenderszene.de zum Thema Start-Ups go East!

Autor Olaf Rotax (arbeitet im globalen Accenture-Netzwerk) gibt 8 Tipps, was Deutsche von den Start-Ups in Fernost lernen können – hier die Kurzfassung.

  1. Chinesische Schnelligkeit
  2. Iterative Prozesse als Erfolgsgeheimnis
  3. Förderungsmöglichkeiten sind der Treiber
  4. Der User steht im Mittelpunkt
  5. Innovative Technologien sind der Schlüssel
  6. Fehlendes Know-How muss kein Hindernis sein
  7. Integration digitaler und physischer Komponenten in Ökosysteme
  8. Open Source als Innovationstreiber

Während hierzulande noch die Offenlegung der Algorithmen und Zerschlagung der GAFA-Plattformen gefordert wird nutzen einige unser Töchter und Söhne vielleicht schon ein Jahr eine App, die nach den Privacy Regeln der Chinesen funktioniert. Das führt mich zu der Frage des Datenschutzes – werden Nutzer außerhalb von China schon im Social Scoring erfasst? I don’t know… Es gilt einmal mehr: User Experience schlägt Datenschutz. Datenschutz ist sicher wichtig, darf aber kein Selbstzweck sein. Die Balance zu finden, das ist die Kunst.

Noch nicht mit dem Überwachungssystem der Chinesen vertraut? Dann empfehle ich den Artikel „Big Brother takes giant steps in China“ als Einstiegslektüre.

Wenn wir nicht anfangen unseren Blick viel stärker nach Osten zu wenden und wir uns in Deutschland weiter auf dem Erfolg der letzten Jahrzehnte ausruhen wird es schwer. Das Gute sollten wir übernehmen und gegen die Überwachung Stimmung machen. Meiner Meinung nach besteht in beiden Richtungen – Innovation und Big Brother – Handlungsbedarf, den unsere Politik noch nicht erfasst hat.

 

Digitalisierung bedeutet nicht die Soft- und Hardware zu erneuern, einen Segensroboter auf Events zu präsentieren, Symposien zum Thema durchzuführen und auf den sozialen Netzwerken zu posten. Führungskräfte müssen die digitale Transformation als den grundlegenden, strategischen Paradigmenwechsel anerkennen, der sie darstellt. Wie jede große Transformation erfordert auch eine digitale Transformation die Vermittlung einer Kultur, die den Wandel unterstützt und gleichzeitig die übergreifende Strategie der Organisation ermöglicht.

Die Einbettung einer digitalen Kultur in eine Organisation ist möglich, erfordert aber eine klare Methodik und einen disziplinierten Aufwand. Warum die Vermittlung einer digitalen Kultur wichtig ist hat die Boston Consulting Group (BCG) für Unternehmen formuliert (1):

  • Ignorieren der Kultur kann zum Scheitern der Transformation führen
  • Eine digitale Kultur ermöglicht es den Menschen, schneller Ergebnisse zu erzielen.
  • Eine digitale Kultur zieht Talente an.

Die 5 Kernelemente einer digitalen Kultur sieht BCG hierin:

  1. Es fördert eine externe und nicht eine interne Orientierung.
  2. Delegation vor Kontrolle.
  3. Es fördert Mut stärker als Vorsicht.
  4. Es betont Maßnahmen stärker und weniger die Planung.
  5. Sie schätzt die Zusammenarbeit mehr als den individuellen Aufwand.

Ich habe die Digitalisierungsbemühungen im „kirchlichen Raum“ ein Jahr aus der Distanz und manchmal auch aus der Nähe verfolgt und sehe im Kulturwandel nach wie vor den größten Wachstumsbereich. In allen 5 oben aufgeführten Punkten sehe ich großen Handlungsbedarf.

Joachim Stängle hat einen interessanten, differenzierten Artikel zum Thema Digitalisierung der Volkskirchen als (letzte) Chance geschrieben. Allerdings ist die von ihm beschriebene Kundenorientierung nicht der Schlüssel, sondern Fokussierung auf Kunden/Mitglieder nur der Ausdruck einer Organisationskultur: Culture eats strategy for breakfast! Neu denken lernen, das trifft den Kern der Herausforderung besser. Transformation ohne Kulturwandel wird scheitern.

Ob und wie die Digitale Revolution gelingt ist völlig offen. Wo ich in den letzten 12 Monaten gute Ansätze bzw. gute Beispiele gefunden habe:

  • Die kleine, aber umtriebige Community #DigitaleKirche auf Twitter zeigt viel Mut und hat viele Ideen
  • In verschiedenen BarCamps wird Kollaboration und Vernetzung betrieben
  • In Liveübertragungen in den sozialen Netzwerken wird Interaktion und Participation geprobt – siehe aktuelles Beispiel der Hauptkirche St. Nikolai – Hamburg
  • Die Church of England hat den Kulturwandel erfolgreich eingeläutet, das findet Ausdruck zum Beispiel im Churchfinder
  • Shifthappens
  • Die Bewegung GottDigital
  • Das Bibel-Projekt
  • Christlicher Poetry Slam

(1): It’s Not a Digital Transformation Without a Digital Culture

Es ist der 30. Oktober 2018 und kurz nach 19 Uhr. Seit einem Jahr blogge ich über Digitale Reformation / Kommunikation. Das ist der Grund, warum ich mich in den Livestream der Ev.-Luth. Kirchengemeinde in St. Jürgen klicke und versuche dem Redner zu folgen. Der Ton ist bisher nicht optimal ausgesteuert, was mich zu dem Gedanken verleitet, dass die Kirche im Digitalen Raum – ein Begriff, den ich in den vergangenen 12 Monaten lernen durfte – immer noch zu leise auftritt. Später wird der Ton besser und ich lausche Herrn Heilig, seinerseits Studienleiter der Ev. Akademie der Nordkirche.ist, der Videos und die Glaubwürdigkeit von Jana auseinanderpflückt. Es ist zwar offiziell ein Kanal der EKD, aber die meisten TheologInnen und hauptamtlichen der Kirchengemeinden stehen nicht dahinter. Viele mit denen ich persönlich gesprochen habe wünschten sich eine(n) Theologen/in als Influencer. Jürgen Heilig ist auch einer von diesen und mutmaßt gerade, dass Jana teilweise keine eigenen Texte vorträgt und spielt ein Video von Jana ein, die einem Ohrring nachtrauert.

Vor einem Jahr hatte ich in meinem ersten Post geschrieben, dass ich mir Sorgen um die Kirchen mache, weil sie Digital kaum stattfinden. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Angesichts der Frage einer entkirchlichten jungen Generation kann ich den Wunsch nach einem theologischen Influencer anstelle von Jana nur schwer deuten. Wie zäh der ganze Angang insgesamt ist wird klar, wenn man hinter die Kulissen blickt: Jana, die dem freikirchlichen Umfeld zugeordnet wird, wurde von einer YouTube-Agentur namens Mediakraft gecastet und wird von der EKD für ihre Videos bezahlt, siehe Kommentar vom 30. März.

Zurück zum Livestream: Jürgen Heilig versucht gar erst mit seiner Meinung nicht hinterm Berg zu halten und zitiert neben der Süddeutschen und Vice.com auch ein Video-Kommentar, der das Kunstwort „Verdummbibelung“ enthält. Es ist ihm einfach zu inszeniert, zu viel Marketing und zu wenig Soziales. An der Zielgruppe vorbei und zu wenig Leichtigkeit, zu angestrengt locker und überhaupt die Themen? Ich bin offenbar einer der wenigen Fans vom Projekt Jana, der Studienleiter findet scheinbar endlos Argumente (als Fragen getarnt) – Zweifel an der Strategie legt er noch oben drauf -, warum Janas Kanal ein Flop ist. Herr Heilig entlässt uns mit diesem Gegenteil von best practice in den nächsten Vortrag ohne ein einziges Wort zu sagen, wie man es besser machen kann. Wie erreicht die Kirchengemeinde St. Jürgen / die Nordkirche die 14-19-Jährigen oder ist die Entkirchlichung der Jugend bereits im Norden angekommen?

Ingo Dachwitz, Autor bei Netzpolitik und bekennender Gegner der Netzökonomie startet nach einer handwerklichen Einordnung mit einer persönlichen Einschätzung und findet Janas Videos – und schließt Herrn Heilig in einem Nebensatz mitein – hochgradig langweilig. Er saß offenbar nicht im YouTube-Projektteam der EKD. Fällt er hier als ehemaliger Jugenddelegierter der EKD-Synode seinen „Genossen“ von der GEP / AEJ gerade ein Stück weit in den Rücken frage ich mich? Kann ja jeder selbst nachschauen (ab Minute 60) und beurteilen.

Weiter im Stream: Christliche Inhalte und Identifikationsfiguren kommen seiner Meinung nach zwar auf YouTube nicht vor, aber Jana passt ihm auch nicht. Zum ersten Punkt: agree – und zum zweiten: Jana wird sich angesichts der kritischen Töne wohl auch bald wieder ihrem Poetry-Kanal widmen und einen Studentenjob suchen fürchte ich. Dann beginnt die EKD zumindest auf YouTube wieder nahe bei Null, richtig?

Nun muss ich schmunzeln: Ingo Dachwitz betritt „mein“ Terrain und bezeichnet MrWissen2Go als „einen der wenigen ernsthaften YouTuber“, er hat ihn auf einer kirchlichen Veranstaltung getroffen. Ist das nun Unwissen oder Überheblichkeit? Dreht man die Aussage um gibt es viele nicht ernsthafte YouTuber, korrekt? Dünnes Eis, auch wenn mir selbst nicht alles auf YouTube gefällt. Aber 2 Mrd. Menschen, so viele loggen sich bei YouTube jeden Monat ein, legen scheinbar weniger Wert auf Ernsthaftigkeit – klingt irgendwie elitär finde ich.

Zudem er urteilt hier über Menschen, die er selbst nie getroffen hat – ich aber einige schon. Creator, die mit viel Leidenschaft und teilweise großem künstlerischen und redaktionellem Anspruch ihren Traum leben, z.B.:

On top kommt natürlich, dass sich Herr Dachwitz über uns Zuschauer erhebt, die wir uns mit nicht ernsthaftem Content abgeben. Danke, das saß!

Wenn schon die jüngeren Referenten sich so abweisend über das Angebot aus dem eigenen Stall äußern („vorgaukeln“, „click-bait“, „Pseudo-Authentizität“) ohne einen einzigen Satz über mögliche Alternativen zu verlieren zeigt das die große Zerrissenheit und Verzweiflung innerhalb der Kirche(n). Zu viel Konjunktiv, zu wenig konstruktiv. Unter „Das späte Interesse der Kirche an den Chancen digitaler Kommunikation“, so der Untertitel des Livestreams, das hatte ich mir anders vorgestellt als Jana-Bashing und rückwärtsgewandter Alt-Herren-Talk, wie Olaf Ton wahrscheinlich gesagt hätte. Ich verabschiede mich als jemand, der einen eigenen YouTube-Kanal hat und weiß, wie schwer es ist, relevanten Content zu produzieren.

Ich kann nur hoffen, dass keine Teenies und Jugendlichen diesen nahezu empathiefreien Teil des Livestreams zu sehen bekommen oder schlimmer noch – im Publikum saßen.

Die ersten 3 Posts unter Janas letztem Video unterstreichen nochmal wie egozentrisch, einseitig oder unwissend die beiden Referenten unterwegs waren.

jana