Diese Woche hat die EKD über das Gemeinschaftswesen der Evangelischen Publizistik (GEP) und die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend (AEJ) bekannt gegeben einen YouTube-Kanal aufzubauen. Als Creator wurde die Medizinstudentin und Poetry-Slammerin Jana Highholder gewonnen. Als weiterer Partner ist das Multi-Channel-Netzwerk Mediakraft an Bord geholt worden.

Die Akteure

GEP: Die Unsicherheit schwingt schon zwischen den Zeilen mit, Jörg Bollmann klingt zugleich verhalten und entschlossen:

„Glaube und Youtube, evangelisch und soziale Medien, Religion und Video: Geht das zusammen?“, fragt GEP-Direktor Jörg Bollmann und gibt die Antwort selbst: „Wir wissen es nicht wirklich und noch nicht, wir hoffen es aber! Sicher ist, es gibt auf Youtube viel zu wenig davon. Das wollen wir ändern.“

Für die GEP bedeutet dieser mutige Schritt ein Verlassen der Komfortzone. Sie betritt das Haifischbecken der globalen Plattformen YouTube, Facebook inklusive Instagram mit dem Ziel junge Menschen zu erreichen. Ein überfälliger Schritt!

AEJ: Die aej ist die Dachorganisation der Evangelischen Jugend und steht nach eigenen Angaben für mehr als eine Million junger Menschen. AEJ-Generalsekretär Mike Corsa liegt meiner Meinung nach richtig, wenn er feststellt, dass Sinnfragen auf YouTube bisher kaum gestellt werden.

„Das wollen wir mit dem neuen Youtube-Kanal ändern, um im Alltag junger Menschen mit unseren Antworten auf ihre Sinnfragen präsenter zu werden.“

Die Kombination aus einem Publizistik- und Jugendverband klingt zunächst sinnvoll, kann aber auch zu zusätzlicher Komplexität beitragen. Aber das dürfte innerhalb der EKD eine bekannte und machbare Herausforderung sein. Als dritte Partei haben sich die beiden einen YouTube bzw. Social Media Influencer Experten ins Boot geholt.

Mediakraft: Multichannel Netztwerke (MCNs) betreuen und vermarkten Social Influencer, sie bilden sie aus und vernetzen sie untereinander. Das Geschäftsmodell hat sich in den letzten Jahren (gezwungenermaßen) immer wieder verändert. MCNs sind kommerzielle Unternehmen, die ihr Geld im wesentlichen mit der Vermittlung bezahlter Werbung und Product Placements verdienen. Weitere Einnahmequellen sind Digitalkonzepte und -produktionen. Mediakraft hat insbesondere 2015 viele große YouTuber verloren und gehört sein 2017 zu gamigo, einem deutschen Publisher für Browserspiele.

MCNs sind mit dem Aufkommen der großen YouTuber immer wieder in die Kritik geraten, weil sie Influencer wie Littfaßsäulen an die großen Werbetreibenden vermarktet haben. Viele Creator haben darauf allergisch reagiert, da sie ihren Content aus Leiderschaft und nicht aus kommerziellen Gründen hochladen. Sie verstehen sich als Künstler, Redakteure und Kreative – das passte oft nicht zum Vermarktungsansatz der MCNs. Alle Beteiligten haben inzwischen dazu gelernt. Heute steht Mediakraft für Branded Channels, das sind Auftritte von Marken und Organisationen in den sozialen Medien, die  – grob gesagt – zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt liegen. Der wahrscheinlich bekannteste ist Branded Channel auf YouTube ist Coke.TV. Sehr erfolgreich ist auch der Kanal der Bundeswehr.

Jana Highholder: Die erst Anfang 20-jährige Medizinstudentin ist ein Multitalent. Neben ihrem Studium ist sie auf Poetry Slam Tournee und promotet ihr eigenes Hörbuch „Ebbe und Flut“. Sie hat einen eigenen YouTube-Kanal auf dem ihre sechs Videos auf ca. 100.000 Views kommen.

Christlicher Poetry Slam ist neben der Musik ein Bereich, der gut funktioniert. Der größte deutsche Kanal hat über 600.000 Abonnenten und nennt sich Redeemed.

Jana ist auch auf Facebook und Instagram gut unterwegs, hat sogar ihren eigenen kleinen Shop auf ihrer Website.

youtube-2844504_1280

Fazit: Die EKD packt’s an, das gefällt mir. Ein Synodenbeschluß ist nichts wert, wenn man nichts umsetzt. Oder eine Idee nur ein Prozent der Umsetzung.

Der Kanal ist zwar kein organisches Gewächs, sondern hat eher etwas von einer Kampagne, aber wichtig und richtig ist irgendwo zu starten. Ich gehe davon aus, dass aus diesem Projekt jede Menge Learnings gezogen werden, die für die weiteren digitalen Aktivitäten der EKD enorm hilfreich sein werden.

Das Potential ist groß mit der EKD-Maschinerie im Hintergrund. Und ich halte Jana für eine medientaugliche Botschafterin, die etwas zu sagen hat. Viel Erfolg!

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s