#DigitalChurch in England – a meeting with CofE’s Head of Digital

If you prefer the German version click here.

In July I had the opportunity to meet Adrian Harris, the first Head of Digital of the Church of England (CofE). Adrian has been in charge of online activities since October 2016. His department now has six employees who produce content and campaigns, among other things. Impressive what the church posted in the social media in July alone, here is an excerpt of the (translated) headlines:

  • Nomination in four categories on the shortlist of the Digital Impact Award 2018
  • The Church of England Digital Lab is expanding
  • We are looking for a Digital Content Producer

Adrian brings not only a lot of experience, but also a lot of momentum into the role. He was previously responsible for digital communications at the Conservative Party and Tesco. I learn that the CofE has 16,500 churches across the country and is the national, established Church. If I have understood this correctly, the CofE is not financed from tax revenues, but from some historical assets and the money that congregation members give. The controversies and the loss of members on the island are comparable to the German challenges.

I address him to the dwindling trust among young people in the church institution in Germany (83 percent do not trust religious institutions „at all“ or „rather not „*). Adrian is shocked, the problem isn’t the same in England.

  • I am interested in what support the „national office“ offers to the 16,500 worshipping communities across the country? A lot, I see! This gives e.g.
  • a website for churches to add local events and services, with lots more functionality on the way (this site receives more than 13 million page views each year): https://www.achurchnearyou.com/
  • the search function is also available as an Alexa Skill, which has lots of other functionality
  • Resources for the biggest campaign of the year: #FollowTheStar is the motto for Christmas 2018 and planning is already underway
  • A national website (www.churchofengland.org) with lots of video and other resources to help bring people to faith and grow people’s faith. This receives more than 9 million page views per year.

bty

It’s 1 pm, Adrian and I go to the roof terrace to watch the Royal Air Force air show. He is an aircraft enthusiast and does not want to miss the 100 planes that fly over Buckingham Palace.

#RAF100

I ask Adrian if he can tell me more about Justin Welby, Archbishop of Canterbury. I’m interested in how he got his 125,000 Twitter followers!? The next day Welby will announce that he wants to grow 100 new churches. The 27 million £ program focuses on places of greatest need and uses new forms. The whole programm stands for renewal and growth.

We come to the Alpha Course. I learn from my research that HTB Church, to which Alpha founder Nicky Gumbel belongs, belongs to the Anglican Church. I am not only one of Nicky’s 18,000 Instagram followers, but also a huge fan of his work. I recommend Adrian watch one of his last video posts: Nicky filmed his wife at a lecture. The quality is miserable, but the emotion conveyed is simply wonderful. A smile is inevitable!

I am very impressed with the activities that I got to know on July 10th. The CofE seems so agile, forward in a positive sense not interlectual and focused on people and communicating with them.

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The CofE is very transparent with their activities. The further links are definitely worth reading:

*Jugendstudie „Generation What“

Was #DigitaleKirche für die Church of England bedeutet

Hier geht’s zur englischen Version des Blog-Post.

Im Juli hatte ich die Gelegenheit Adrian Harris, den ersten Head of Digital der Church of England (CofE) zu treffen. Adrian leitet seit Oktober 2016 die Onlineaktivitäten. Inzwischen zählt seine Abteilung sechs MitarbeiterInnen, die unter anderem Content und Kampagnen produzieren. Beindruckend was die Kirche allein im Juli in den sozialen Medien gepostet hat, hier ein Auszug der (übersetzten) Überschriften:

  • Nominierung in vier Kategorien auf der Shortlist des Digital Impact Award 2018
  • Das Digitale Lab der Church of England vergrößert sich
  • Wir suchen einen Digitalen Content Producer

Adrian bringt nicht nur eine Menge Erfahrung, sondern auch eine Menge Schwung mit in die Rolle. Er war zuvor bei der Konservativen Partei und bei Tesco für Digitale Kommunikation zuständig. Ich erfahre, dass zur CofE 16.500 Ortsgmeinden gehören und sie die nationale, etablierte Kirche in England ist. Wenn ich das richtig verstanden haben finanziert sich die CofE nicht aus Steuereinnahmen, sondern durch Einnahmen aus ihrem hirstorischen (Immobilien-)Vermögen und den Spenden der Mitglieder. Die Kontroversen und der Mitgliederschwund sind auf der Insel vergleichbar mit den den deutschen Herausforderungen.

Ich spreche ihn auf das schwindende Vertrauen unter Jugendlichen in die Institution Kirche in Deutschland an (83 Prozent trauen religiösen Institutionen „überhaupt nicht“ bzw. „eher nicht“*). Adrian ist geschockt, das Problem gibt es in England in dieser Art nicht.

Mich interessiert, was das „National Office“ für die 16.500 gottesdienstlichen Gemeinschaften im ganzen Land an Unterstützung anbietet? Eine ganze Menge, wie ich feststelle! Da gibt z.B.

  • eine Website für Kirchen, um lokale Veranstaltungen und Dienste hinzuzufügen, mit vielen weiteren Funktionalitäten (diese Website erhält mehr als 13 Millionen Seitenaufrufe pro Jahr): https://www.achurchnearyou.com/
  • die Suchfunktion gibt es auch als einen Alexa Skill, der ebenfalls mit vielen weiteren Funktionen ausgestattet ist
  • Ressourcen für die größte Kampagne des Jahres: #FollowTheStar ist das Motto für Weihnachten 2018 und die Planungen laufen bereits.
  • Eine nationale Website (www.churchofengland.org) mit vielen Videos und anderen Ressourcen, um Menschen zum Glauben zu bringen und den Glauben der Menschen zu fördern. Diese erhält mehr als 9 Millionen Seitenaufrufe pro Jahr.

bty

 

Es ist 1 pm, Adrian und ich gehen auf die Dachterasse um die Flugshow der Royal Airforce anläßlich ihres 100-jährigen Bestehens anzuschauen. Adrian ist ein echter Flugzeug Enthusiast und scheint jedes Modell der Flugstaffeln, die heute über den Buckingham Palace fliegen, zu kennen.

#RAF100

 

Ich frage Adrian, ob er mir von Justin Welby, dem Erzbischbischof von Canterbury erzählen kann. Mich interessiert, wie dieser zu seinen 125.000 Twitter-Followern gekommen ist!? Am nächsten Tag wird Welby bekannt geben, 100 neue Gemeinden gründen zu wollen. Das 27 Millionen Pfund schwere Programm fokussiert sich auf „places of greatest need“ und nutzt neue Formen. Das ganze Programm steht für Erneuerung und Wachstum.

Wir kommen auf den Alpha-Kurs zu sprechen, durch den – so zumindest ist es auf Wikipedia zulesen – auch der Erzbischof zum Glauben fand. Ich habe herausgefunden, dass die HTB Church, zu der auch der Alpha-Gründer Nicky Gumbel gehört, zur anglikanischen Kirche gehört. Ich bin nicht nur einer der 18.000 Instagram-Follower von Nicky, sondern schon lange ein großer Fan seiner Arbeit. Ich empfehle Adrian, sich seinen letzten Video-Posts anzuschauen: Nicky hat seine Frau Pippa bei einem Vortrag gefilmt. Die Qualität des Beitrags ist miserabel, aber die transportierte Emotion ist einfach wunderbar. Ein Schmunzeln ist unvermeidbar!

Ich bin beeindruckt von dem kleinen Ausschnitt an Aktivitäten, die ich an diesem 10. Juli kennen lernen durfte. Die CofC wirkt auf mich auf den ersten Blick agil, vorwärtsgerichet, interlektuell geerdet und auf Menschen und Kommunikation mit denselben fokussiert.

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Die CofC ist zudem sehr transparent mit Ihren Aktivitären. Die weiterführenden Links lohnen sich unbedingt zum Lesen:

*Jugendstudie „Generation What“

 

 

Teil 4: Was Kirche vom Silicon Valley lernen kann – Focus on the user

Ich schreibe hier immer noch Gedanken zum Artikel bzw. zur Frage der Woche (KW 45-2017) auf evangelisch.de auf. Heute der letzte Teil.

Von der „user-centricity“ hängt so viel an, wenn es um den Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung geht. Mit dem Blogpost zu Design Thinking habe ich bereits einen führenden Ansatz aus der Privatwirtschaft vorgestellt, sich diesem Thema zu nähern. Als deutsches NGO würde man sicher eher von „den Menschen in den Mittelpunkt stellen“ sprechen. Aber wir gehen ja vom Silicon Valley aus und daher benutze ich hier auch englische Varianten.

Gehen wir die Sache mal ganz praktisch an und buchstabieren „focus on the user“ an der Aufgabenstellung durch, das Kirche wieder stärker in Kontakt mit jungen Menschen treten möchte. Da gibt es hunderte Möglichkeiten, aber mir geht es im folgenden darum, dass Prinzip „focus on the user“ zu adaptieren. Als Rahmen dient das Design Thinking Konzept (siehe auch Blogpost Teil 3) – stark verkürzt und vereinfacht. Dieser kreative Ansatz ist im Silicon Valley beliebt und hat als Ausgangspunkt die Situation des Nutzers.

1. Am Nutzer / Menschen orientiert (focus on the user):

Wir fangen also nicht mit dem Nachwuchsproblem der Kirchen an. Wir schauen zuerst auf die Lebenswelt von Jugendlichen. Es gibt frei zugängliche Studien zur Lebenswelt von Jugendlichen, ich bin bei dieser aus 2017 vom BR hängen geblieben. Oder die Sinus-Studie von 2016, die u.a. besagt, dass die 14- bis 17-Jährigen an Sinnfragen interessiert sind. Auf spiegel.de findet man ebenfalls eine Zusammenfassung der Sinus-Sudie, unter anderem mit diesen Aussagen zu Glaube & Religion:

  • Egal ob christlich, muslimisch oder konfessionslos – generell interessieren sich Jugendliche sehr für die Fragen des Lebens: Woher kommen wir, wohin gehen wir nach dem Tod, was ist gerecht und moralisch?
  • Allerdings haben diese Fragen mit Kirche und Gottesdienst oft wenig zu tun. Der Trend geht zum individuell zusammengestellten „Patchwork aus vielen religiösen, quasireligiösen und spirituellen Angeboten“.

Neben Glaube aus multiplen Quellen (zu denen die Kirche offensichtlich eher selten gehört) sind es Liebe und Partnerschaft, Umweltschutz, Flüchtlinge sowie Identität und Herkunft. Verändert hat sich vor allem die Mediennutzung.
Tipp: Zusätzlich zu den Studien kann man natürlich auch Stichproben in Form von qualitativen Interviews o.ä. durchführen, was in der Regel immer hilfreich und erkenntnisreich ist.

Wie geht man nun konkret weiter vor: Aus den o.g. Themen sucht man sich eines heraus und filtert eine Problemstellung heraus. Ich greife mal das Thema Mediennutzung auf und setze an zwei Punkten an, die für Teenager kritisch sind. Der nächste Schritt ist die Formulierung eines realen Problems, das den Ausgangspunkt unseres Design Thinking Ansatzes bildet.

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a) „Wenn Teenager unterwegs sind und wenig / keinen Akku auf ihrem Handy mehr haben werden sie nervös und fühlen sich unvollständig.“

b) „Ohne kostenlose Wlan-Verbindung laufen Jugendliche, die unterwegs sind und keine echte Flatrate besitzen Gefahr, ihr oft begrenztes, mobiles Datenvolumen schnell aufzubrauchen. Die Konsequenz ist eine Drosselung der Datennutzung.“

2. Getrieben von Möglichkeiten

Für zentral gelegene Kirchen in Ballungszentren / Innenstädten sehe ich folgende Opportunitäten, diesen Problemen zu begegnen:

– Mobile Ladestation mit oder ohne persönlichem Klönschnack

– Feste Ladestation mit Schließfach

– Gebrandeter Powercharger mit Landingpage Aufdruck („chargeyourlife.info“) als Geschenk

– Gebrandeter Powercharger mit Landingpage Aufdruck („chargeyourlife.info“) im Verleih für 30-60 Minuten

– Solarbetriebene Ladestation nur bei schönen Wetter

Anmerkung: Es ist alles möglich im Prozeß des Design Thinking. Also Anmerkungen, dass ist viel zu teuer o.ä. Einwände bitte vorerst zurückstellen.

– Gratis Wlan per Beacon, QR-Code oder Registrierung anbieten: Schalte eine Stunde Gratis Wlan frei indem du dir ein Video anschaust (Kurze! Botschaft vom Jugendpfarrer o.ä.). Oder eine Follow auf Instagramm oder Snapchat, Mitglied Whatsapp-Gruppe oder eine Emailadresse.

3. Iterativ arbeiten

Es spielt keine Rolle, für welche Variante sich der Pfarrer, die Pfarrerin oder der Priester mit seinem / ihrem Team entscheidet. Wichtig ist loszulegen, Erfahrungen zu sammeln und im Zeitverlauf besser zu werden.

Der Deal zusammengefasst ist ungefähr dieser: Ich, die Kirche löse dein Problem und du nimmst dafür Kontakt mit mir in Kauf, digital oder persönlich. Zu Beginn steht schon mal eine positive Assoziation mit Kirche: “ Danke, dass ich meinen Akku bei euch aufladen darf. Ich muß dringend snappen!“ Dieser Eindruck darf nicht ausgenutzt werden, indem man überzogene Forderungen damit verbindet. Es sollte sich am Marktüblichen orientieren, z.B. an Starbucks, ein beliebter Hot Spot mit kostenlosem Wifi (und teurem Latte). Und ja, datenschutztechnisch muß alles blitzsauber sein.

Wenn ich an unsere Hamburger Hauptkirche St. Jacobi in der Mönckebergstraße denke, da laufen sicher Dutzende Teenies pro Tag vorbei. Mit Akkuproblemen 2-3 pro Tag vielleicht und Wlanjunkies 50? Anyway, es geht ja nur darum mal an diesem Beispiel zu zeigen, wie Nutzerorientierung funktioniert und wie man sich mit Design Thinking einen Prototypen ausdenkt.

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Einigen dürfte das Projekt godspot bekannt sein. Godspot ist ein kostenfreies, offenes Wlan-Angebot der Kirchen in Berlin und Brandenburg. Hier wurde „focus on the user“ umgesetzt und unter anderem auch für Flüchtlinge ein echtes Problem gelöst. Es wäre spannend zu erfahren, welche Learnings gemacht wurden und ob – im Sinne der Iteration des Design Thinkings – Verbesserungen seit dem Start letztes Jahr vorgenommen wurden.

Teil 3: Was Kirche vom Silicon Valley lernen kann – Fail often

Scheitere oft / fail often haben Kirchenmanager als Lernfeld bei einem Besuch der Bay Area mitgenommen (siehe Frage der Woche (KW 45-2017 auf evangelisch.de). Aber was bedeutet das genau? Der Claim wird sich ja wohl kaum auf die Qualität der Bestellungen von Amazon oder das iPhone beziehen? Er bedarf einer Einordnung und ich bin mir ziemlich sicher, dass „fail often“ im Kontext von Innovationskultur von Unternehmen Anwendung findet. Denn im laufenden Kerngeschäft scheitert man nicht gerne, weder in der Auto-, noch in der Medizinbranche noch sonst wo. Auch NGOs nicht.

Es geht also darum, mit welchen Konzepten und welcher Haltung wir uns dem Neuen, der Zukunft widmen. Dafür gibt es einen beliebten, in Kalifornien geprägten Ansatz oder nennen wir es ruhig eine Bewegung namens DESIGN THINKING, die inzwischen auch in Deutschland immer beliebter wird. Der Ansatz katalysiert die Unterhaltung über Veränderung, verbessert gleichzeitig die Team Zusammenarbeit und kann deshalb Kirche als Institution, aber auch Verbände und Ortskirchen in ihrer Entwicklung befruchten.

Design Thinking hat bereits in den 20er Jahren in der Bauhausphilossphie „form follows function“ seine Vorstufe  gehabt. Hier deutet sich schon an, wo die Reise beginnt: bei einem Nutzerproblem. Aber der Reihe nach, was ist Design Thinking?

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Design Thinking ist ein lösungsorientierter Ansatz mit einer Reihe einzigartiger Qualitätsmerkmale: es ist menschenzentriert, orientiert sich an Möglichkeiten, bietet Optionen an und arbeitet iterativ. Adios „German Angst“ sage ich da nur.

  1. Menschenzentriert: Es geht immer mit echten Menschen los und zwar in dem Sinne, dass ein tiefes Eintauchen in die Lebenswelt und damit verbundenen Herausforderungen / Problemen an erster Stelle steht. Bevor Lösungen auf den Tisch kommen wird die Lage der Personen und die Problemstellung antitzipiert. Design Thinking geht davon aus, dass das Potential, das Problem neu zu definieren groß ist und durch ein gemischtes, diverses Team ein „re-framing“ gelingt.
  2. Design Think ist auch getrieben von Möglichkeiten. Die Frage zu Beginn muss lauten: „Was, wenn alles möglich wäre?“. In diesem Zuge werden mehrere Optionen generiert, nicht nur der eine Weg ist der richtige.  Entscheidern wird ein Portfolio von neuen Ideen vorgelegt, zu denen sie Feedback geben. Wir erwarten, dass einige verworfen werden, das ist völlig ok.
  3. Und schließlich ist der Prozeß iterativ. Das bedeutet, dass wir Erfahrungen in der Realität hernehmen, um unsere Ideen zu überprüfen und zu verbessern. Es gibt keinen Blick auf historische Daten, es wird im hier und jetzt gelernt. Aber dass muß auch nicht bei erstem Mal klappen, unser Weg zum Erfolg ist iterativ.

Die führenden Quellen von Design Thinking sind die Stanford Univercity in Kalifornien und Tim Brown mit seiner Firma IDEO aus San Francisco. Hier Tims Definition:

“Design thinking is a human-centered approach to innovation that draws from the designer’s toolkit to integrate the needs of people, the possibilities of technology, and the requirements for business success.”

Die Stanford Uni kooperiert mit dem deutschen Hanno-Plattner-Institut. Die befassen sich schon seit 2005 mit Design Thinking und bieten seit 2007 einen gleichnamigen Studiengang an. Für interessierte Einstieger gibt es ganz neu ein bezahlbares Angebot in Kooperation mit der Zeit Akademie, siehe Video:

Fail often sollte also eingebettet sein in die Innovationskulutur einer Organisation. Und Design Thinking kann ein hilfreicher Katalysator sein, diese weiter zu entwickeln. Dennoch frage mich schon, wie es damit bei der Kirche bestellt ist. Ist sie innovationsfeindlich oder eher desinterssiert? Ist die digitale Müdigkeit vielleicht nur das Symtom einer Krankheit, die auch analoge Organe schwächt?

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Futter zum Nachdenken:

Interview mit dem Chief Innovation Evangelist bei Google, Dr. Ferderic Pferdt über Firmenkultur.

Culture eats Stratgy for breakfast – ein Blogpost zum Thema Geschwindigkeit und Kultur.

Videotipp: Wie man in seiner Organisation einen Failiure Award installiert: Bild klicken!

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Wenn ich auf einem anderen Stern lebe und Design Thinking nichts für die Kirche ist schreibt das bitte in den Kommentar.

 

 

Warum ich diese Blog schreibe

Heute ist der 31. Oktober 2017 – wir feiern 500 Jahre Reformation, ein Grund zum Feiern. Aber ich mache mir Sorgen um die Kirche. Seit 2001 ist der Anteil der Menschen,, die einer Volkskirche angehören, um 10% oder absolut betrachtet um acht Millionen gesunken. Seit 1990 um 11,8 Millionen Mitglieder. Von den Ende 2016 verbleibenden 45 Millionen gehen nur ein Bruchteil zum Gottesdienst. Quelle: http://www.kirchenaustritt.de/

Auch wenn die Kirchen finanziell gut dastehen, sie stecken in einer Krise – zumindest würden wir das in der Wirtschaft so nennen, wenn das Negativwachstum so nachhaltig ist. Leider hält sich die Selbstkritik teilweise in sehr engen Grenzen, wie die Reaktion auf 162.092 verlorene Mitglieder in 2016 zeigt:

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sagte: „Wir freuen uns, dass fast ein Drittel der Bevölkerung unseres Landes zur katholischen Kirche gehört.“ Die Zahl der Austritte wertete er als „Form der Distanzierung“. Sie zeige, „dass die Weitergabe des kirchlichen Glaubens nicht vollständig gelungen ist“. Es sei nötig, die Beweggründe zu verstehen und das Handeln der Kirche „danach kritisch zu überprüfen, um es da – wo notwendig – auch neu auszurichten“.

Den ganzen Artikel findet ihr auf zeit.de.

Offensichtlich sieht der Sekretär nach 4-5 Millionen Austritten in den letzten 15-16 Jahren keinen akuten Handlungsbedarf. Dabei sind die Gründe erhoben und bekannt, unter anderen geben rund ein Drittel an, dass sie mit der Institution Kirche unzufrieden sind und deshalb austreten.

Und die Statistik der Gottesdienstbesuche weist auf ein weiteres Problem hin, den großen Graben zwischen Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern.

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Im anglo-amerikanischen spricht man von fehlender Stickiness oder mangelndem Engagement. Wie kann es gelingen, die Bindung an die Kirchen zu verbessern? Ganz sicher durch Digitale Kommunikation, die 24/7 zur Verfügung steht.

Laut einer Fachzeitschrift für Kommunikation gelingt es der Evangelischen Kirche, in der ich getauft und konfirmiert wurde, auch im Reformationsjahr nicht die Menschen zu erreichen, ins Gespräch zu bringen. Zu intellektuell sei die Kommunikation fasst es die Redakteurin zusammen und kritisiert den Alltagsbezug:

Werte und Ideale müssen im täglichen Kontext der Menschen immer relevant bleiben, sonst hat der Glaube für das Alltagsleben und die Grundhaltung immer weniger Bedeutung. Denn die Menschen suchen gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit eine Heimat und Orientierung.

Katrin Böhme, Leiterin des Competence Circles Markenmanagement beim Deutschen Marketing Verband

Das würde ich so unterschreiben. Der Bedarf ist zwar da, aber die Kirche bringt die PS nicht richtig auf die Straße. Den ganzen Artikel findet ihr auf Horizont.de.

Nach dem Motto nicht meckern – besser machen habe ich mich gefragt, wo mein Anteil an einer Kehrtwende liegen kann. Und das jenseits des Engagements bei den Christlichen Pfadfindern und Glaubensgrundkursen, die meine Evangelische Freikirche zwei- bis dreimal im Jahr anbietet.

Nutzen wir Christen das volle Potential des Internets? Darum soll es im folgenden gehen, um die Chancen, die Technologie bietet, um unsere Mission vor Ort zu erfüllen, unabhängig davon, ob Ihr Fokus diakonischer, missionarischer, musikalischer oder sonstiger Art sein möge.

Das Internet ist Fluch und Segen zugleich. Wir können es verfluchen oder zum Segen werden lassen. Wenn Sie Probleme mit dem Datenschutz von Facebook und Co. haben und skeptisch gegenüber dem Teilen von Informationen sind, dann können Sie hier aufhören zu lesen. Ich beschäftige mich mit den Chancen des Digitalen, Sie finden ausreichend kritische Blogs im Web, die das Augenmerk auf die Gefahren lenken. Und das zurecht, ich bin mir dessen bewusst, aber mein Thema sind nicht die Schattenseiten des Netzes (wie z.B. Datenmissbrauch, Fakenews und Hatespeech oder schlimmer noch Enthauptungsvideos und Anleitungen zum Bombenbauen). Ich versuche hier die die „Opportunity Seeker“ anzusprechen, „Whitenet“ statt Darknet.

Die Chancen der Digitalisierung entstehen aus meiner Sicht unter anderem dadurch, dass sich jeder Mensch, der Online ist, ausdrücken kann mit Bild, Text und Video – in Echtzeit. Ländergrenzen gibt es nicht mehr, denn das Netz ist ein globales Dorf. Möglicherweise wird das unsere Landesgrenzen in Zukunft beeinflussen und ihre Bedeutung wird abnehmen. Wenn die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung anhält wird der Großteil der acht Milliarden Menschen im Jahr 2025 Internetzugang haben. Und zwar rund um die Uhr, denn der Zugang wird günstiger (und schneller) sein als heute. Zudem werden die Endgeräte immer leistungsfähiger durch Chips, deren Performance sich alle 18 Monate verdoppelt.

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Die Technologie wird sich also unaufhaltsam weiter entwickeln und uns bessere Nutzererlebnisse verschaffen. Intelligente Sprachsteuerung und ruckelfreie HD Videos auf dem Smartphone sind schon heute einigen von uns nicht unbekannt.

Soweit so gut, wie schlagen wir Frommen nun Kapital aus dieser Digitalen Revolution? Ist dies auch der Beginn einer Kulturrevolution, wie ihn die Erfindung des Buchdrucks und Luthers Reformation ausgelöst hat? Die Rolle der Distribution von Luthers Anliegen ist meiner Ansicht nach auf keinen Fall zu unterschätzen.

Ein Artikel der christlichen Medienzeitschrift Pro widmete sich vor Kurzem der Frage, ob die Christen die Digitalisierung verschlafen: „Sie twittern nicht, sie ernten nicht.“ Die These würde ich bejahen in dem Sinne, dass es wichtig ist im Alltag der Menschen sichtbar und relevant zu sein. Es reicht auch nicht aus nur eine Webseite zu haben, die erstmal gefunden werden will. Außerdem verbringen die Deutschen schon heute mehr Zeit auf dem Handy als im Web, insbesondere in Social Apps.

Wie weit die Kirchenoberen von der Realität entfernt sind beweißt der Aufsichtsratschef des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP) und EKHN-Präsident Jung mit der Aussage, sich für Facebook ein ganzes Jahr Zeit zu nehmen, um nachher eine „gründliche“ Bewertung dieses Mediums vornehmen zu können. Jung gilt als „Medienbischof“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und unterschätzt die teilweise exponentielle Entwicklung des Internets. Wer so wenig agil ist und keinen Mut zeigt wird nicht viel erreichen.

Wer die Geschwindigkeit verfolgt, in der sich die Digitale Welt entwickelt kommt schnell darauf, dass eine Entwicklungszeit von einem Jahr nicht geeignet ist, um Schritt zu halten – Stichwort MySpace oder StudiVZ. Wir brauchen eine Start-Up Kultur für unsere digitalen Auftritt. Der Pro-Artikel vermutet, dass die „German Angst“ dieser neuen Kultur im Wege steht. Christen sind traditionell eher Bewahrer und stehen nicht für Innovation. Sprechen wir lieber von Reformation, die in unserem säkularen Land so dringend gebraucht wird. Die Volkskirchen schließen immer mehr „Filialen“, die sprudelnden Steuereinnahmen verzerren, dass die Volkskirchen rapide an Bedeutung verlieren. Diese Gemengelage verhindert das Aufkommen einer Start-up- und Freiwilligenkultur, wie die Autoren des Pro Artikels richtig schlussfolgern. Hier finden Sie den Link zum Download des Magazins.

Die Digitale Transformation unserer Gesellschaft ist eine große Chance für uns Christen, Präsenz zu zeigen, unsere Gotteshäuser virtuell zu öffnen und unsere Gute Botschaft zu den Menschen zu bringen. Die Digitalisierung ist dabei und wird schneller als wir es uns vorstellen können, unsere Gesellschaft, unserer Arbeitsleben und unsere Freizeit fundamental verändern. Digital ist nicht das Allheilmittel, aber kann unsere großen Stärken der Gemeinschaft und persönlichen Beziehungen wunderbar ergänzen. Nicht umsonst boomen Soziale Netzwerke, eben weil unsere Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Anerkennung, Likes, Erlebnisse zu teilen und Beziehungen zu pflegen so groß ist. Wir Menschen sind zutiefst soziale Wesen, weil Gott uns so geschaffen hat. Ob es uns passt oder nicht, ein Teil dieses sozialen Lebens findet heute Online statt. Dazu ein Beispiel uns meiner Gemeinde, einer Freikirche mir ca. neunzig Mitgliedern und ebenso vielen Gottesdienstbesuchern. Auf Facebook folgen uns 277 Freunde, also dreimal so viele wie am Sonntag für ca. zwei Stunden in unseren Räumen zu Gast sind. Offensichtlich erreichen wir also eine Followerschaft, die weit über den engeren Kreis hinaus geht und das potentiell sieben Tage die Woche. Darunter sind Menschen, die wahrscheinlich noch nie einen Gottesdienst besucht haben, aber unsere Stadtteilarbeit schätzen. Aber auch unsere Mitglieder werden mit Terminen und Fotos auf dem Laufenden gehalten. Was darüber hinaus möglich ist werden wir uns zusammen anschauen.

Bei meinem ersten Tipp geht es um ein kostenloses Tool, das beinahe in Echtzeit zeigt, womit sich die Republik beschäftigt. Google Trends bereitet die aktuellen Suchtrends von Google und YouTube seit 2004 auf. Auf dem Bild finden Sie die Trends von heute, dem Reformationstag:

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Und als weiteres Beispiel die indexierte Nachfrage von „Gottesdienst“ in meiner Heimat Hamburg seit 2004.

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Dieses kostenlose Tool lege ich Ihnen ans Herz, um im Auge zu behalten bzw. auch frühzeitig zu erkennen, was die Gesellschaft beschäftigt.