Digital is everything. Everything is digital. Nicht!

Eine Selbstreflektion: so banal und so wichtig.

Journey

Es ist ja immer sehr hilfreich, wenn man die Perspektive wechselt*. Und so habe ich eine wichtige Lektion gelernt, als ich in Dublin einen unbekannten Gottesdienst besucht habe. Über die erste Lektion blogge ich bestimmt später nochmal: Die Gemeinden, die Neulinge mit 3 oder mehr Handschlägen vor dem Gottesdienst begrüßen, wachsen überdurchschnittlich stark. Die zweite Lektion ist für einen Digitalen Nerd nicht leicht zu verdauen: Digitale Kirche*“ ist nur ein kleines Mosaiksteinchen von einem Gesamterlebnis. Ich bin mir bewusst, dass ich natürlich nur einen kleinen Ausschnitt betrachte. Der hat Gültigkeit für die, die neu in eine Stadt ziehen oder wie wir, ein paar Tage Urlaub machen und Sonntag einen Gottesdienst besuchen möchten. Wahrscheinlich ist unsere Erfahrung eine, die man in vielen Großstädten und weniger auf dem Land macht.

* McKinsey Quartely (Jan 2015): What really matters                                                                                                                                              **Digitale Kirche verwende ich hier im Sinne von digitaler Kommunikation – was nur ein kleiner Teilbereich ist, ja.

1. Sichtbarkeit ist die Eintrittskarte

„Heute könne Technologie dafür sorgen, dass Menschen online Wegweiser zu kirchlichen Angeboten finden.“ sagt Jonas Bedford-Strohm im Kontext von Sichtbarkeit und Kirche. Und tatsächlich, genau so war’s! Die Geschichte beginnt an einem Sonntagmorgen Ende Juli…

Spontan entscheiden wir, heute in die Allnations Kirche in Dublin zu gehen. Der Gottesdienst fängt um 11 Uhr an, das erhöht die Chance unseren 19-jährigen Sohn dabei zu haben. Hauptgrund ist aber, dass meine Frau ein Dutzend Kirchen in Dublin gegoogelt hat und die Website der allnations.ie am spannendsten, am modernsten fand. Das der Gottesdienst in der Nationalen Boxing Arena stattfindet ist das Sahnehäuptchen.

2. Das Erlebnis steht im Mittelpunkt

Die Boxarena ist gut zu finden, wir sind trotzdem wenige Minuten zu spät. Am Eingang werden wir freundlich begrüßt und in die Arena geleitet – 3x Handeschütteln, bevor wir auf den ausklappbaren, roten Plastikstühlen Platz nehmen. Die Band gefällt mir auf Anhieb sehr gut und sie wird sich noch steigern.

Pastorin Joanna begrüsst die Gäste und erklärt uns die Bedeutung von Ecclesia (die Herausgerufenen).

It,s not a building, not a denomination, but a group of called out people.

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Natürlich gibt es die Gelegenheit, seine Nachbarn kennen zu lernen (+ 2x Händeschütteln) Und ich bin mir noch sicherer, dass es eine Korrelation zwischen Willkommenskultur/Händeschütteln und Gemeindewachstum gibt. Hat das schon mal jemand untersucht??

Wer zum ersten Mal hier ist wird gerade von der Bühne gefragt – ein Zustand, den ich und viele andere als schwierig empfinden. Aber wir schauen uns als Familie kurz an und geben uns einen Ruck. Unsere Handzeichen haben undramatische Folgen – im Gegenteil. Wir bekommen das Willkommenspaket der Allnations mit Kontaktkarte. Auf dieser Tüte offenbart sich, dass analoge und digitale Welt eins sind. Weil ich nur ein Mensch bin, der sich mal da und mal dort bewegt. Wahlweise kann man den Kontakt per Email oder Handy suchen, wenn man das möchte.

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Die Allnations schafft es einladend, aber nicht aufdringlich aufzutreten. Kompliment, sie finden hier das gesunde Mittelmaß, das gelingt nicht vielen.

Anyway, heute haben die Kinder einen ganz großen Auftritt. Das Bild gibt das ganz gut wider.

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Im Anschluss ruft uns Pastor John in einer flammenden Predigt auf zu „Be the church“. Die 40 Minuten scheint auch unser Sohn nicht als zu lang zu empfinden.

Zum Schluss rockt die 12-Mann starke Band nochmal die Bühne.

Ich denke kurz darüber nach, ob das hier ein Pfingstgemeinde ist. Ich bremse mich sofort und versuche die Schublade erst gar nicht aufzumachen. Pastorin Johanna hat ja auch gesagt, wir Christen sind keine Denomination, kein Gebäude, sondern Herausgerufene.

Ich finde es richtig gut hier! Sieg durch KO – ich bin platt und sehr berührt. Voll Demut nehme ich schließlich noch den Segen von Pastor John mit, verabschiede mich von meinen Handshake-Bekanntschaften und halte beim Ausgang noch am „Get connected“ Stand an.

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Diese Intensität, die Emotionalität, die Begegnungen, der Beitrag der Kids und die tolle Musik, der weite Blick von Joanna und ein bisschen auch das Hören der Predigt – es klingt so banal – kann Digital in Summe nicht leisten. Glücklich verlassen wir nach über zwei Stunden die Box Arena.

3. Es gehört alles zusammen

Aber ohne die Recherche über eine Suchmaschine wäre ich nie hier gewesen. Später kommen wir sogar Digital wieder zusammen als ich mich per Tweet bedanke, die Allnations meinen Post retweetet und wir uns gegenseitig folgen: #getconnected jetzt auch auf Twitter.

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Erkenntnisse, über die ich nachdenken muß:

Wenn die einladende Website nicht durch ein attraktives Erlebnis vor Ort abgedeckt wird, wird das nach hinten losgehen. Aber wenn sich der digitale SPIRIT auch im Gottesdienst widerspiegelt wird eine Schuh draus.

Auch hinter einer langweiligen Website kann ein toller Gottesdienst stehen.

Digital werden ist erstmal nichts. Digital werden um Menschen zu dienen ist eine Haltung, die die ganze Kirche/Gemeinde bewegt.

Auch ohne Website kann eine Gemeinde lebendig sein und wachsen, wenn sie eine Willkommenskultur lebt. Wobei ich schon meine, dass Willkommenskultur auch eine gepflegte Website mit schneller Ladezeit beinhaltet, aber gut.

Digital kann und wird immer mehr leisten können, aber nicht die gelebte Gemeinschaft von Gläubigen.

Netzgemeinden bitte sehr, da wo es Menschen logistisch oder mental nicht in die Ortsgemeinde schaffen (wollen) oder first mover etwas Neues ausprobieren.

Digitale Kirche ist eine Omnikirche – von Omnichannel (viele Kanäle). Genau so wie die Sparkasse je nach Bedarf Online, per Telefon oder als Filiale in Anspruch genommen wird.
Hausaufgabe: Geht nächsten Sonntag in eine andere Gemeinde und ihr werdet ganz bestimmt eine Menge lernen.

#DigitalChurch in England – a meeting with CofE’s Head of Digital

If you prefer the German version click here.

In July I had the opportunity to meet Adrian Harris, the first Head of Digital of the Church of England (CofE). Adrian has been in charge of online activities since October 2016. His department now has six employees who produce content and campaigns, among other things. Impressive what the church posted in the social media in July alone, here is an excerpt of the (translated) headlines:

  • Nomination in four categories on the shortlist of the Digital Impact Award 2018
  • The Church of England Digital Lab is expanding
  • We are looking for a Digital Content Producer

Adrian brings not only a lot of experience, but also a lot of momentum into the role. He was previously responsible for digital communications at the Conservative Party and Tesco. I learn that the CofE has 16,500 churches across the country and is the national, established Church. If I have understood this correctly, the CofE is not financed from tax revenues, but from some historical assets and the money that congregation members give. The controversies and the loss of members on the island are comparable to the German challenges.

I address him to the dwindling trust among young people in the church institution in Germany (83 percent do not trust religious institutions „at all“ or „rather not „*). Adrian is shocked, the problem isn’t the same in England.

  • I am interested in what support the „national office“ offers to the 16,500 worshipping communities across the country? A lot, I see! This gives e.g.
  • a website for churches to add local events and services, with lots more functionality on the way (this site receives more than 13 million page views each year): https://www.achurchnearyou.com/
  • the search function is also available as an Alexa Skill, which has lots of other functionality
  • Resources for the biggest campaign of the year: #FollowTheStar is the motto for Christmas 2018 and planning is already underway
  • A national website (www.churchofengland.org) with lots of video and other resources to help bring people to faith and grow people’s faith. This receives more than 9 million page views per year.

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It’s 1 pm, Adrian and I go to the roof terrace to watch the Royal Air Force air show. He is an aircraft enthusiast and does not want to miss the 100 planes that fly over Buckingham Palace.

#RAF100

I ask Adrian if he can tell me more about Justin Welby, Archbishop of Canterbury. I’m interested in how he got his 125,000 Twitter followers!? The next day Welby will announce that he wants to grow 100 new churches. The 27 million £ program focuses on places of greatest need and uses new forms. The whole programm stands for renewal and growth.

We come to the Alpha Course. I learn from my research that HTB Church, to which Alpha founder Nicky Gumbel belongs, belongs to the Anglican Church. I am not only one of Nicky’s 18,000 Instagram followers, but also a huge fan of his work. I recommend Adrian watch one of his last video posts: Nicky filmed his wife at a lecture. The quality is miserable, but the emotion conveyed is simply wonderful. A smile is inevitable!

I am very impressed with the activities that I got to know on July 10th. The CofE seems so agile, forward in a positive sense not interlectual and focused on people and communicating with them.

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The CofE is very transparent with their activities. The further links are definitely worth reading:

*Jugendstudie „Generation What“

Was #DigitaleKirche für die Church of England bedeutet

Hier geht’s zur englischen Version des Blog-Post.

Im Juli hatte ich die Gelegenheit Adrian Harris, den ersten Head of Digital der Church of England (CofE) zu treffen. Adrian leitet seit Oktober 2016 die Onlineaktivitäten. Inzwischen zählt seine Abteilung sechs MitarbeiterInnen, die unter anderem Content und Kampagnen produzieren. Beindruckend was die Kirche allein im Juli in den sozialen Medien gepostet hat, hier ein Auszug der (übersetzten) Überschriften:

  • Nominierung in vier Kategorien auf der Shortlist des Digital Impact Award 2018
  • Das Digitale Lab der Church of England vergrößert sich
  • Wir suchen einen Digitalen Content Producer

Adrian bringt nicht nur eine Menge Erfahrung, sondern auch eine Menge Schwung mit in die Rolle. Er war zuvor bei der Konservativen Partei und bei Tesco für Digitale Kommunikation zuständig. Ich erfahre, dass zur CofE 16.500 Ortsgmeinden gehören und sie die nationale, etablierte Kirche in England ist. Wenn ich das richtig verstanden haben finanziert sich die CofE nicht aus Steuereinnahmen, sondern durch Einnahmen aus ihrem hirstorischen (Immobilien-)Vermögen und den Spenden der Mitglieder. Die Kontroversen und der Mitgliederschwund sind auf der Insel vergleichbar mit den den deutschen Herausforderungen.

Ich spreche ihn auf das schwindende Vertrauen unter Jugendlichen in die Institution Kirche in Deutschland an (83 Prozent trauen religiösen Institutionen „überhaupt nicht“ bzw. „eher nicht“*). Adrian ist geschockt, das Problem gibt es in England in dieser Art nicht.

Mich interessiert, was das „National Office“ für die 16.500 gottesdienstlichen Gemeinschaften im ganzen Land an Unterstützung anbietet? Eine ganze Menge, wie ich feststelle! Da gibt z.B.

  • eine Website für Kirchen, um lokale Veranstaltungen und Dienste hinzuzufügen, mit vielen weiteren Funktionalitäten (diese Website erhält mehr als 13 Millionen Seitenaufrufe pro Jahr): https://www.achurchnearyou.com/
  • die Suchfunktion gibt es auch als einen Alexa Skill, der ebenfalls mit vielen weiteren Funktionen ausgestattet ist
  • Ressourcen für die größte Kampagne des Jahres: #FollowTheStar ist das Motto für Weihnachten 2018 und die Planungen laufen bereits.
  • Eine nationale Website (www.churchofengland.org) mit vielen Videos und anderen Ressourcen, um Menschen zum Glauben zu bringen und den Glauben der Menschen zu fördern. Diese erhält mehr als 9 Millionen Seitenaufrufe pro Jahr.

bty

 

Es ist 1 pm, Adrian und ich gehen auf die Dachterasse um die Flugshow der Royal Airforce anläßlich ihres 100-jährigen Bestehens anzuschauen. Adrian ist ein echter Flugzeug Enthusiast und scheint jedes Modell der Flugstaffeln, die heute über den Buckingham Palace fliegen, zu kennen.

#RAF100

 

Ich frage Adrian, ob er mir von Justin Welby, dem Erzbischbischof von Canterbury erzählen kann. Mich interessiert, wie dieser zu seinen 125.000 Twitter-Followern gekommen ist!? Am nächsten Tag wird Welby bekannt geben, 100 neue Gemeinden gründen zu wollen. Das 27 Millionen Pfund schwere Programm fokussiert sich auf „places of greatest need“ und nutzt neue Formen. Das ganze Programm steht für Erneuerung und Wachstum.

Wir kommen auf den Alpha-Kurs zu sprechen, durch den – so zumindest ist es auf Wikipedia zulesen – auch der Erzbischof zum Glauben fand. Ich habe herausgefunden, dass die HTB Church, zu der auch der Alpha-Gründer Nicky Gumbel gehört, zur anglikanischen Kirche gehört. Ich bin nicht nur einer der 18.000 Instagram-Follower von Nicky, sondern schon lange ein großer Fan seiner Arbeit. Ich empfehle Adrian, sich seinen letzten Video-Posts anzuschauen: Nicky hat seine Frau Pippa bei einem Vortrag gefilmt. Die Qualität des Beitrags ist miserabel, aber die transportierte Emotion ist einfach wunderbar. Ein Schmunzeln ist unvermeidbar!

Ich bin beeindruckt von dem kleinen Ausschnitt an Aktivitäten, die ich an diesem 10. Juli kennen lernen durfte. Die CofC wirkt auf mich auf den ersten Blick agil, vorwärtsgerichet, interlektuell geerdet und auf Menschen und Kommunikation mit denselben fokussiert.

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Die CofC ist zudem sehr transparent mit Ihren Aktivitären. Die weiterführenden Links lohnen sich unbedingt zum Lesen:

*Jugendstudie „Generation What“

 

 

Ein musikalisches, christliches Start-up: Ein Besuch bei Hillsong, Sydney

Die Hillsong Church ist eine 1983 in Sydney gegründete Megachurch der Pfingstbewegung. Eigenen Angaben zufolge hat sie allein in Australien über 21.000 Mitglieder. Die Hillsong Church wurde international vor allem durch ihre Musikgruppen sowie ihre Fernsehsendungen bekannt. Das Hillsong Fernsehprogramm wird in mehr als 160 Ländern gesehen.

Da die große Gemeinde etwas außerhalb von Sydney liegt sind wir zur Tochtergemeinde Waterloo. Wir hatten die Qual der Wahl zwischen fünf Gottesdiensten zwischen 8 Uhr morgens und 7 Uhr Abends. Zunächst hatten wir den ersten ins Auge gefasst, haben uns aber nach dem Wetterbericht orientiert und sind dann um 7 Uhr abends aufgeschlagen. Die Hillsong bietet einen Concierge Service über das Internet an, den wir in Anspruch genommen haben.

Hillsong concierge

Das Erstkontaktformular der Hillsong Waterloo.

Natürlich haben wir das getestet und bekamen prompt eine freundliche Mail von Jess, die uns in Empfang nehmen würde und Plätze reserviert hatte.

Als wir kurz vor 7 Uhr ankamen wurden wir mit Plakaten „Willkommen zu Hause“ begrüßt. Es warteten auch junge Leute auf uns, die ein Schild hochhielten „I want to sit next to you“. Berührungsängste Fehlanzeige.

Am wuseligen Empfang wurden wir an Jess vermittelt und herzlich begrüßt. Sie brachte uns in die dritte Reihe und saß auch bei uns in der Nähe.

Der Gottesdienst wurde von einer 15-köpfigen Band eröffnet, die von einer hochprofessionellen Bühnenshow buchstäblich ins rechte Licht gerückt wurden. Niemand der ca. 800 Gottesdienst Besucher hielt es auf den Stühlen. Ich fühlte mich fast wie in einer Disko. Ich vermute, dass der Abendgottesdienst auch der für die Jugend ist. Jedenfalls war ich mit Abstand der Älteste und auch der Jugendpastor, der später eine gute Predigt hinlegte, war mit ca. 25 Jahren etwa halb so alt wie ich.

Am Anfang des Gottesdienstes wurde wie selbstverständlich fotografiert und gepostet, das legte sich aber nach der offiziellen Begrüßung. Zum Beginn wurde wir aufgefordert, dass das Ritual „60 seconds“ zu praktizieren: Du drehst Dich zu jemanden den Du noch nicht kennst und hast eine Minute das zu ändern. So lernte ich Anthony kennen, einen Business Consultant aus Melbourne.
Während wir willkommen geheißen wurden wurde eine App beworben, die Hillsong selbst entwickelt hat: „Next Steps“. Die App ist eine Mischung aus Facebook und Medium, es geht um persönliches Wachstum mit einem starken Community Gedanken.

Es wurde auch zum Geben ermutigt. Bemerkenswert fand ich, dass drei von vier Spendenoptionen digital waren (z.B. Paypal).

Der Gottesdienst dauerte ungefähr eineinhalb Stunden, von denen Musik den Löwenanteil und die Predigt ca. zwanzig Minuten einnahm. Am Ende wurden die Neuen dazu eingeladen, sich in der „connect“ Ecke einzufinden. Neben einer kostenlosen Bibel gab es die Möglichkeit, sich mit Neuen und alten Hasen zu verbinden / connecten. Der Wunsch, dass wir Newbies Anbindung finden, wenn wir das wünschten wurde sehr groß geschrieben.

Jess fragte höflich, nachdem offiziell Schluss war, wie es uns gefallen hat und ob wir Lust auf die Connect Area hätten. Das haben wir dann nicht mehr in Anspruch genommen.

Wir bahnten uns einen Weg durch die Menge und nahmen einen der kostenlosen Shuttlebusse, die die Besucher zum Hauptbahnhof befördern.

Fazit: Digitale Medien sind wie selbstverständlich und in viele Bereiche eingearbeitet, z.B. als ….

  • Concierge: Neue Form des Begrüßungsdienstes
  • Spenden mit neuen Bezahltdiensten möglich
  • Geistliches Wachstum mit meiner Community: „Next Steps“ App

Digital hin oder her: Den stärksten Impuls hat auf mich persönlich der Fokus auf die Verbindung mit dem Gottesdienst Besucher ausgemacht. Das zog sich wie ein roter Faden durch die 90 Minuten.

Website Hillsong Waterloo: Hillsong City Campus

Es gibt inzwischen drei Hillsong Ableger in Deutschland: Düsseldorf, Konstanz und München, siehe hillsong.com/germany.

Auch für diejenigen, die Vorturteile gegenüber Pfingstgemeinden hegen sei ein Besuch wärmstens empfohlen. Das erweitert den Horizont und gibt eine Menge Anregungen für den eigenen Gemeindealltag. #openminded #learner. Aber aufgepasst beim Timing: Die Hillsong Konstanz z. B. hat drei Gottesdienste.

Warum ich diese Blog schreibe

Heute ist der 31. Oktober 2017 – wir feiern 500 Jahre Reformation, ein Grund zum Feiern. Aber ich mache mir Sorgen um die Kirche. Seit 2001 ist der Anteil der Menschen,, die einer Volkskirche angehören, um 10% oder absolut betrachtet um acht Millionen gesunken. Seit 1990 um 11,8 Millionen Mitglieder. Von den Ende 2016 verbleibenden 45 Millionen gehen nur ein Bruchteil zum Gottesdienst. Quelle: http://www.kirchenaustritt.de/

Auch wenn die Kirchen finanziell gut dastehen, sie stecken in einer Krise – zumindest würden wir das in der Wirtschaft so nennen, wenn das Negativwachstum so nachhaltig ist. Leider hält sich die Selbstkritik teilweise in sehr engen Grenzen, wie die Reaktion auf 162.092 verlorene Mitglieder in 2016 zeigt:

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sagte: „Wir freuen uns, dass fast ein Drittel der Bevölkerung unseres Landes zur katholischen Kirche gehört.“ Die Zahl der Austritte wertete er als „Form der Distanzierung“. Sie zeige, „dass die Weitergabe des kirchlichen Glaubens nicht vollständig gelungen ist“. Es sei nötig, die Beweggründe zu verstehen und das Handeln der Kirche „danach kritisch zu überprüfen, um es da – wo notwendig – auch neu auszurichten“.

Den ganzen Artikel findet ihr auf zeit.de.

Offensichtlich sieht der Sekretär nach 4-5 Millionen Austritten in den letzten 15-16 Jahren keinen akuten Handlungsbedarf. Dabei sind die Gründe erhoben und bekannt, unter anderen geben rund ein Drittel an, dass sie mit der Institution Kirche unzufrieden sind und deshalb austreten.

Und die Statistik der Gottesdienstbesuche weist auf ein weiteres Problem hin, den großen Graben zwischen Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern.

Godi

Im anglo-amerikanischen spricht man von fehlender Stickiness oder mangelndem Engagement. Wie kann es gelingen, die Bindung an die Kirchen zu verbessern? Ganz sicher durch Digitale Kommunikation, die 24/7 zur Verfügung steht.

Laut einer Fachzeitschrift für Kommunikation gelingt es der Evangelischen Kirche, in der ich getauft und konfirmiert wurde, auch im Reformationsjahr nicht die Menschen zu erreichen, ins Gespräch zu bringen. Zu intellektuell sei die Kommunikation fasst es die Redakteurin zusammen und kritisiert den Alltagsbezug:

Werte und Ideale müssen im täglichen Kontext der Menschen immer relevant bleiben, sonst hat der Glaube für das Alltagsleben und die Grundhaltung immer weniger Bedeutung. Denn die Menschen suchen gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit eine Heimat und Orientierung.

Katrin Böhme, Leiterin des Competence Circles Markenmanagement beim Deutschen Marketing Verband

Das würde ich so unterschreiben. Der Bedarf ist zwar da, aber die Kirche bringt die PS nicht richtig auf die Straße. Den ganzen Artikel findet ihr auf Horizont.de.

Nach dem Motto nicht meckern – besser machen habe ich mich gefragt, wo mein Anteil an einer Kehrtwende liegen kann. Und das jenseits des Engagements bei den Christlichen Pfadfindern und Glaubensgrundkursen, die meine Evangelische Freikirche zwei- bis dreimal im Jahr anbietet.

Nutzen wir Christen das volle Potential des Internets? Darum soll es im folgenden gehen, um die Chancen, die Technologie bietet, um unsere Mission vor Ort zu erfüllen, unabhängig davon, ob Ihr Fokus diakonischer, missionarischer, musikalischer oder sonstiger Art sein möge.

Das Internet ist Fluch und Segen zugleich. Wir können es verfluchen oder zum Segen werden lassen. Wenn Sie Probleme mit dem Datenschutz von Facebook und Co. haben und skeptisch gegenüber dem Teilen von Informationen sind, dann können Sie hier aufhören zu lesen. Ich beschäftige mich mit den Chancen des Digitalen, Sie finden ausreichend kritische Blogs im Web, die das Augenmerk auf die Gefahren lenken. Und das zurecht, ich bin mir dessen bewusst, aber mein Thema sind nicht die Schattenseiten des Netzes (wie z.B. Datenmissbrauch, Fakenews und Hatespeech oder schlimmer noch Enthauptungsvideos und Anleitungen zum Bombenbauen). Ich versuche hier die die „Opportunity Seeker“ anzusprechen, „Whitenet“ statt Darknet.

Die Chancen der Digitalisierung entstehen aus meiner Sicht unter anderem dadurch, dass sich jeder Mensch, der Online ist, ausdrücken kann mit Bild, Text und Video – in Echtzeit. Ländergrenzen gibt es nicht mehr, denn das Netz ist ein globales Dorf. Möglicherweise wird das unsere Landesgrenzen in Zukunft beeinflussen und ihre Bedeutung wird abnehmen. Wenn die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung anhält wird der Großteil der acht Milliarden Menschen im Jahr 2025 Internetzugang haben. Und zwar rund um die Uhr, denn der Zugang wird günstiger (und schneller) sein als heute. Zudem werden die Endgeräte immer leistungsfähiger durch Chips, deren Performance sich alle 18 Monate verdoppelt.

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Die Technologie wird sich also unaufhaltsam weiter entwickeln und uns bessere Nutzererlebnisse verschaffen. Intelligente Sprachsteuerung und ruckelfreie HD Videos auf dem Smartphone sind schon heute einigen von uns nicht unbekannt.

Soweit so gut, wie schlagen wir Frommen nun Kapital aus dieser Digitalen Revolution? Ist dies auch der Beginn einer Kulturrevolution, wie ihn die Erfindung des Buchdrucks und Luthers Reformation ausgelöst hat? Die Rolle der Distribution von Luthers Anliegen ist meiner Ansicht nach auf keinen Fall zu unterschätzen.

Ein Artikel der christlichen Medienzeitschrift Pro widmete sich vor Kurzem der Frage, ob die Christen die Digitalisierung verschlafen: „Sie twittern nicht, sie ernten nicht.“ Die These würde ich bejahen in dem Sinne, dass es wichtig ist im Alltag der Menschen sichtbar und relevant zu sein. Es reicht auch nicht aus nur eine Webseite zu haben, die erstmal gefunden werden will. Außerdem verbringen die Deutschen schon heute mehr Zeit auf dem Handy als im Web, insbesondere in Social Apps.

Wie weit die Kirchenoberen von der Realität entfernt sind beweißt der Aufsichtsratschef des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP) und EKHN-Präsident Jung mit der Aussage, sich für Facebook ein ganzes Jahr Zeit zu nehmen, um nachher eine „gründliche“ Bewertung dieses Mediums vornehmen zu können. Jung gilt als „Medienbischof“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und unterschätzt die teilweise exponentielle Entwicklung des Internets. Wer so wenig agil ist und keinen Mut zeigt wird nicht viel erreichen.

Wer die Geschwindigkeit verfolgt, in der sich die Digitale Welt entwickelt kommt schnell darauf, dass eine Entwicklungszeit von einem Jahr nicht geeignet ist, um Schritt zu halten – Stichwort MySpace oder StudiVZ. Wir brauchen eine Start-Up Kultur für unsere digitalen Auftritt. Der Pro-Artikel vermutet, dass die „German Angst“ dieser neuen Kultur im Wege steht. Christen sind traditionell eher Bewahrer und stehen nicht für Innovation. Sprechen wir lieber von Reformation, die in unserem säkularen Land so dringend gebraucht wird. Die Volkskirchen schließen immer mehr „Filialen“, die sprudelnden Steuereinnahmen verzerren, dass die Volkskirchen rapide an Bedeutung verlieren. Diese Gemengelage verhindert das Aufkommen einer Start-up- und Freiwilligenkultur, wie die Autoren des Pro Artikels richtig schlussfolgern. Hier finden Sie den Link zum Download des Magazins.

Die Digitale Transformation unserer Gesellschaft ist eine große Chance für uns Christen, Präsenz zu zeigen, unsere Gotteshäuser virtuell zu öffnen und unsere Gute Botschaft zu den Menschen zu bringen. Die Digitalisierung ist dabei und wird schneller als wir es uns vorstellen können, unsere Gesellschaft, unserer Arbeitsleben und unsere Freizeit fundamental verändern. Digital ist nicht das Allheilmittel, aber kann unsere großen Stärken der Gemeinschaft und persönlichen Beziehungen wunderbar ergänzen. Nicht umsonst boomen Soziale Netzwerke, eben weil unsere Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Anerkennung, Likes, Erlebnisse zu teilen und Beziehungen zu pflegen so groß ist. Wir Menschen sind zutiefst soziale Wesen, weil Gott uns so geschaffen hat. Ob es uns passt oder nicht, ein Teil dieses sozialen Lebens findet heute Online statt. Dazu ein Beispiel uns meiner Gemeinde, einer Freikirche mir ca. neunzig Mitgliedern und ebenso vielen Gottesdienstbesuchern. Auf Facebook folgen uns 277 Freunde, also dreimal so viele wie am Sonntag für ca. zwei Stunden in unseren Räumen zu Gast sind. Offensichtlich erreichen wir also eine Followerschaft, die weit über den engeren Kreis hinaus geht und das potentiell sieben Tage die Woche. Darunter sind Menschen, die wahrscheinlich noch nie einen Gottesdienst besucht haben, aber unsere Stadtteilarbeit schätzen. Aber auch unsere Mitglieder werden mit Terminen und Fotos auf dem Laufenden gehalten. Was darüber hinaus möglich ist werden wir uns zusammen anschauen.

Bei meinem ersten Tipp geht es um ein kostenloses Tool, das beinahe in Echtzeit zeigt, womit sich die Republik beschäftigt. Google Trends bereitet die aktuellen Suchtrends von Google und YouTube seit 2004 auf. Auf dem Bild finden Sie die Trends von heute, dem Reformationstag:

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Und als weiteres Beispiel die indexierte Nachfrage von „Gottesdienst“ in meiner Heimat Hamburg seit 2004.

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Dieses kostenlose Tool lege ich Ihnen ans Herz, um im Auge zu behalten bzw. auch frühzeitig zu erkennen, was die Gesellschaft beschäftigt.